Multimediale Bildungssysteme |
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Editorial |
Globalisierung, Aufbau der Informations- und Kommunikationsgesellschaft,
Umbau zur Wissensgesellschaft - aber bitte, wie? Allmählich wird klar,
daß die technische Verbesserung der Informations- und
Kommunikationsinstrumente wohl nicht alles sein kann. Erst die Inhalte
und deren Verarbeitung machen Information zu Wissen, und nur ein Mehr an
Wissen und dessen Vernetzung kann zur Weiterentwicklung unserer
Gesellschaft beitragen. In meiner Jugend hörte ich nach Absolvierung
einer Lehre von frisch bestallten Kaufleuten und Technikern meistens den
begeisterten Ausspruch: "Ich habe ausgelernt!" Die Sprache verrät unser
Denken - gestern wie heute! Was wir brauchen sind geänderte Denkweisen
in weiten Teilen der Gesellschaft und eine neue Lernkultur, die von
einer traditionellen zu einer konstruktivistischen Lehr-Lernphilosophie
hinüberführt. In einer solchen ist Lernen gekennzeichnet durch (a) einen
aktiven und konstruktiven Prozeß, (b) eine Selbststeuerung des
Lernenden, (c) durch situativen Wissenserwerb in spezifischen
betrieblichen oder schulischen Zusammenhängen (learning on demand) und
(d) durch Lernen in einem sozialen Kontext. Im Gegensatz zur Denkweise
des obigen Ausspruchs muß das Erfordernis eines lebenslangen Lernens zur
Selbstverständlichkeit bereits im Denken von Heranwachsenden aller
Altersstufen werden. Der eigentliche Kern für die Entwicklung einer
neuen Lernkultur liegt in der Einstellung der Lernenden
und Lehrenden. Unser Schwerpunktthema "Multimediale Bildungssysteme"
soll nicht als "reines" Informatikthema mißverstanden werden, bei dem
die technische Verbesserung der Kommunikationsinstrumente im Vordergrund
steht. Dieses Heft will einen Beitrag zur Diskussion über die notwendige
künftige Lernkultur, auch und gerade in den Informatikdisziplinen,
liefern - hin zu einer anders (als bisher) lernenden Gesellschaft, die
Lernen als die zentrale Investition in die Zukunft begreift und
zunehmend (wieder) "Gestalter" hervorbringt (siehe Beitrag
Martens).
Der Beitrag Kerres stellt zunächst die
didaktischen Konzeptionen neuer Lernumgebungen vor. Maurer verdeutlicht anschließend die Kriterien für ein
flexibles System, mit dessen Hilfe Ausbildungsaufgaben im WWW
unterstützt werden. Neue Lernmedien - altes Bildungsmanagement? Dieser
Frage geht der Beitrag Severing nach. Martens stellt in anschaulicher
Weise die didaktischen Möglichkeiten und Grenzen von
Multimediaprogrammmen auf und schlägt auf diese Weise den Bogen zu
unserer einleitenden Betrachtung.
Wegen des hohen Aufwands für die Entwicklung attraktiver multimedialer
Lernprogramme (bis zu 400 Arbeitsstunden für eine Lehrstunde) erhebt
sich die Frage, inwieweit Referenzmodelle einen Beitrag zur höheren
Entwicklungsproduktivität leisten können (Beitrag Niegemann/Wedekind).
Die drei Beiträge aus den Häusern SAP, Gerling und a.i.m./BASF runden
unser Schwerpunktthema mit praktischen Anwendungen ab unter den Sichten
"Just-in-time-Training", "kooperatives Telelernen mittels Business-TV"
und "Erfahrungen mit simulativen Lernspielen zur Erreichung affektiver
Lernziele". Der Beitrag "Suchen im Internet - Finden
und Gefunden werden" außerhalb unseres Schwerpunktes ist für viele
unserer LeserInnen sicher auch ein hochaktuelles Thema! Viel Spaß beim
Lesen dieses Heftes und - last but not least - nachträglich noch ein
gutes Neues Jahr
Ihr
Rolf M. Katzsch
HMD, Heft 205, Februar 1999
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