HMD 205, 36. Jahrgang, Februar 1999
Multimediale Bildungssysteme
Herausgeber: Rolf M. Katzsch
Editorial
Globalisierung, Aufbau der Informations- und Kommunikationsgesellschaft, Umbau zur Wissensgesellschaft - aber bitte, wie? Allmählich wird klar, daß die technische Verbesserung der Informations- und Kommunikationsinstrumente wohl nicht alles sein kann. Erst die Inhalte und deren Verarbeitung machen Information zu Wissen, und nur ein Mehr an Wissen und dessen Vernetzung kann zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen. In meiner Jugend hörte ich nach Absolvierung einer Lehre von frisch bestallten Kaufleuten und Technikern meistens den begeisterten Ausspruch: "Ich habe ausgelernt!" Die Sprache verrät unser Denken - gestern wie heute! Was wir brauchen sind geänderte Denkweisen in weiten Teilen der Gesellschaft und eine neue Lernkultur, die von einer traditionellen zu einer konstruktivistischen Lehr-Lernphilosophie hinüberführt. In einer solchen ist Lernen gekennzeichnet durch (a) einen aktiven und konstruktiven Prozeß, (b) eine Selbststeuerung des Lernenden, (c) durch situativen Wissenserwerb in spezifischen betrieblichen oder schulischen Zusammenhängen (learning on demand) und (d) durch Lernen in einem sozialen Kontext. Im Gegensatz zur Denkweise des obigen Ausspruchs muß das Erfordernis eines lebenslangen Lernens zur Selbstverständlichkeit bereits im Denken von Heranwachsenden aller Altersstufen werden. Der eigentliche Kern für die Entwicklung einer neuen Lernkultur liegt in der Einstellung der Lernenden und Lehrenden. Unser Schwerpunktthema "Multimediale Bildungssysteme" soll nicht als "reines" Informatikthema mißverstanden werden, bei dem die technische Verbesserung der Kommunikationsinstrumente im Vordergrund steht. Dieses Heft will einen Beitrag zur Diskussion über die notwendige künftige Lernkultur, auch und gerade in den Informatikdisziplinen, liefern - hin zu einer anders (als bisher) lernenden Gesellschaft, die Lernen als die zentrale Investition in die Zukunft begreift und zunehmend (wieder) "Gestalter" hervorbringt (siehe Beitrag Martens).
Der Beitrag Kerres stellt zunächst die didaktischen Konzeptionen neuer Lernumgebungen vor. Maurer verdeutlicht anschließend die Kriterien für ein flexibles System, mit dessen Hilfe Ausbildungsaufgaben im WWW unterstützt werden. Neue Lernmedien - altes Bildungsmanagement? Dieser Frage geht der Beitrag Severing nach. Martens stellt in anschaulicher Weise die didaktischen Möglichkeiten und Grenzen von Multimediaprogrammmen auf und schlägt auf diese Weise den Bogen zu unserer einleitenden Betrachtung.
Wegen des hohen Aufwands für die Entwicklung attraktiver multimedialer Lernprogramme (bis zu 400 Arbeitsstunden für eine Lehrstunde) erhebt sich die Frage, inwieweit Referenzmodelle einen Beitrag zur höheren Entwicklungsproduktivität leisten können (Beitrag Niegemann/Wedekind).
Die drei Beiträge aus den Häusern SAP, Gerling und a.i.m./BASF runden unser Schwerpunktthema mit praktischen Anwendungen ab unter den Sichten "Just-in-time-Training", "kooperatives Telelernen mittels Business-TV" und "Erfahrungen mit simulativen Lernspielen zur Erreichung affektiver Lernziele". Der Beitrag "Suchen im Internet - Finden und Gefunden werden" außerhalb unseres Schwerpunktes ist für viele unserer LeserInnen sicher auch ein hochaktuelles Thema! Viel Spaß beim Lesen dieses Heftes und - last but not least - nachträglich noch ein gutes Neues Jahr
Ihr






