HMD 206, 36. Jahrgang, April 1999

Make or Buy in der IT

Herausgeber: Andreas Meier

Editorial

Die Steinzeit des Jagens und Sammelns haben wir hinter uns. Ebenso die feudale Gesellschaftsordnung mit dem Einbringen des Zehnten und die Industriegesellschaft mit dem Arbeiten in gleichförmigen Schichten. Schließlich leben wir in der Informations- und Wissensgesellschaft: Jetzt ist der Knowledge Worker, der Kopfarbeiter, gefragt.

Wissen ist eine der wichtigsten Führungsgrößen fortschrittlicher Unternehmen. Wurden bis jetzt vorwiegend Finanz- und Sachanlagen als Aktiva bilanziert, müssen künftig immaterielle Güter wie Information, Wissen, Fertigkeiten oder Know-how in die Bilanz wie in die Erfolgsrechnung mit einbezogen werden. Die optimale Nutzung der Ressource Information steht im Vordergrund. Oder wie es Bjorn Wolrath als Vorstandsvorsitzender von Skandia formuliert: "Measurement of intellectual capital and balanced reporting represent an important milestone in the shift from the Industrial Era into the Knowledge Economy".

Sind Sie nicht erstaunt, daß in unserem Cartoon über Make or Buy gewürfelt wird? Auslagern ja? Einlagern nein? Einlagern ja? Auslagern nein?

Im Schwerpunktsheft "Make or Buy in der IT" sollen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das Spannungsfeld des In- und Outsourcing sowohl aus strategischer wie aus operativer Sicht erfahren. Der Beitrag von Brenner et al. gibt Ihnen die wichtigsten Kriterien für einen Entscheid. Dabei wird deutlich, daß beim Informationsmanagement der Ein- und Verkauf von IT-Dienstleistungen differenziert betrachtet werden muß. Da in den letzten Jahren viele Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und gleichzeitig neue Kooperationsformen mit Partnern und Lieferanten eingehen, beschreibt Sägesser für Sie das erweiterte Führungsmodell des EFQM (European Federation for Quality Management). Baumgartner und Kueng geben Ihnen einen Überblick über Werkzeuge des Prozeß-Controlling, damit Sie Ihre neugestalteten Wertschöpfungsketten im Griff behalten. Sterba zeigt anschaulich und praxisnah für Sie auf, wie die Austrian Airlines die Auslagerung von IT vorgenommen hat. Ein weiterer Anwenderbeitrag von Noack et al. beschreibt aus der Sicht eines IT-Dienstleisters für Sie den systematischen Umgang mit Fremdleistungen und die Integrationsproblematik. Im Beitrag von Hodel-Widmer und Holderegger werden Sie zudem aufgefordert, das Netsourcing durch die Bildung von "Real-Teams" anzugehen.

Neben den Schwerpunktsthemen erfahren Sie von Dolmetsch et al., was Desktop Purchasing ist und welches die wichtigsten Anbieter sind. Falls Sie das Internet als Distributionskanal für Ihre Finanz- und Versicherungsdienstleistungen nutzen wollen, studieren Sie den Beitrag von Roßbach.

Märkte werden elektrifiziert, Zusammenarbeit wird globalisiert, Raum und Zeit verschwinden. Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklung bleibt für die IT die Herausforderung: "To make or to buy, this is the question!"

Andreas Meier

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