HMD 209, 36. Jahrgang, Oktober 1999

Computernetze - Technik und Anwendung

Herausgeber: Heinz Sauerburger

Editorial

Bekanntlich gewinnen Computernetze immer mehr an Bedeutung. War es vor wenigen Jahren noch ein Privileg bzw. einzelnen Spezialisten vorbehalten, Computer miteinander zu vernetzen, so ist es heute keine Seltenheit, daß bereits in privaten Haushalten Computer - und seien es auch nur zwei oder drei - zu einem Netzwerk zusammengeschlossen werden. Diese Entwicklung wird durch die zum Teil einfache Handhabung der Soft- und Hardware in entscheidendem Maße beschleunigt.

Betrachtet man die Ausgaben, die zu einer Vernetzung in kleinerer Umgebung notwendig sind, so sind diese fast vernachlässigbar. Die heutigen Betriebssysteme beinhalten im allgemeinen bereits die notwendige Software für die Netzkommunikation und die Kosten für die Hardware sind bereits in eine Größenordnung vorgedrungen, die zum Teil unter denen liegen, die für das regelmäßig benötigte Verbrauchsmaterial anfallen. Längst werden teuere Ressourcen ins Netz eingebunden, um sie so effizienter zu nutzen. Was vor ein paar Jahren nur mit großem Aufwand und Spezialkenntnissen möglich war, wie beispielsweise der gemeinsame Internet-Zugang der einzelnen Teilnehmer in kleinen Netzen, stellt heute durch die kostengünstigen und einfach zu installierenden bzw. betreibenden ISDN-Access-Router kaum ein Problem mehr dar.

All diese Entwicklungen und das Bedürfnis des steigenden Informationsaustausches trugen dazu bei, daß die Zahl der netzwerkfähigen Computer, die zu Netzen bzw. Subnetzen zusammengeschaltet werden, lawinenartig anstieg und noch weiter ansteigen wird. War beispielsweise das Internet fast über zwei Jahrzehnte ein ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke genutzter Computerverbund, so ist man durch die Kommerzialisierung und dem Wunsch nach Übertragung multimedialer Anwendungen an die Grenzen gestoßen. Zentral bzw. dezentral gespeicherte große Datenmengen, z.B. Videoserver, auf die von einer Vielzahl von Teilnehmern stetig zugegriffen wird, lassen die Datenflut noch weiter ansteigen, so daß immer schnellere Übertragungswege, Koppel- und Vermittlungskomponenten benötigt werden. Übertragungsstrecken im Gbit/s-Bereich sind im Einsatz, während bei Übertragungsraten im TBit/s-Bereich die Entwicklung bereits weit fortgeschritten ist. Auch beim Zugang im Teilnehmeranschlußbereich wünscht man sich schnellere Verbindungen. Eine Übertragungsrate von 64 kbit/s, wie es der ISDN-Anschluß bietet, ist für manche Anwendungen bereits nicht mehr ausreichend. Die neuen xDSL-Techniken schaffen hier bekanntlich Abhilfe, da sie Datenraten bis einige Mbit/s bieten. Bei diesen Datenraten wäre eine Verschmelzung zwischen Telefon, Rundfunk/Fernsehen und Daten denkbar. Auf diese Weise wäre man eines Tages nur noch von einer Vielzahl vernetzter Computer mit multimedialer Schnittstelle umgeben.

Da das Themengebiet Computernetze und Anwendungen breit gefächert ist, kann der Leser nur stichpunktartig auf die eine oder andere Thematik/Problematik hingewiesen werden. Zuerst wird ein Überblick über den Entwicklungs- und Planungsstand der Hochgeschwindigkeitsdatennetze in den USA und der BRD gegeben, um daran anschließend näher auf Techniken im LAN-/WAN-Bereich einzugehen. In den weiteren Beiträgen wird die Problematik Multimedia und Netze, die neuen Internet-Protokolle und die immer noch zu wenig beachtete Sicherung internetbasierter Unternehmenskommunikation erörtert. Im Bereich der Anwendungen wird das Ergebnis eines Projektes zu Networked Communities und eine grundsätzlichere Betrachtung zum Thema Wissen in Netzen vorgestellt. Das Schwerpunktthema wird durch eine kurze Präsentation eines neuen Studienganges an der Fachhochschule Furtwangen, Computer Networking, abgeschlossen, der sich die Ausbildung auf den Gebieten Informatik, Technik und (verteilte) Anwendungen in Netzen zu eigen macht.

Heinz Sauerburger

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