HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik

ISSN 1436-3011

02.09.2010


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Elektronische Medien

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Editorial

"Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht wieder los" (Goethe, "Der Zauberlehrling"). Wollen wir die Geister der totalen Abhängigkeit von Computern und Netzen überhaupt wieder loswerden? Eine müßige Frage - wir können es nicht mehr! Die Zauberlehrlinge der Informatik und Elektronik haben ein weltumspannendes, digitales Nervensystem geschaffen, das anfällig ist gegen jede Art von Pannen, Störungen, Angriffen. Elektronische Medien und Computer werden nicht nur das nächste Jahrzehnt bestimmen. Der Computer wird alles in einem. Er wird das Universalwerkzeug für das digitale Universalmaterial. Indem alle Künste und Medien auf eine gemeinsame Bit-Basis gestellt werden, kommt es zur umfassenden Integration aller digitalen Medien und Werkzeuge. Doch zu welchem Preis? Die "Entortung", die mit der Durchsetzung unserer permanenten Vernetzung einher geht, zeigt eine klare Tendenz: Allgegenwart der Informationen, ihr Eindringen in alle Ritzen des Alltags bis hin zu am Körper getragenen "Wearables". Die Frage nach der richtigen Strategie zur Beherrschung des "Information and Communication Overload" stellt sich heute bereits. Wir hungern nach Wissen ....und ertrinken in Informationen (siehe hierzu auch unser Cartoon und den "Einwurf"). "Können wir globale Nomaden sein und dennoch wissen, wo unsere Wurzeln sind? Können wir in der "ortlosen" Welt neue, vielleicht geistige Orte finden, an denen Worte wie "Heimat", "Familie", "Werte" neuen Sinn geben?" (Matthias Horx, Leiter des Zukunftsinstituts Wien). Oder übernehmen Moralproduktion und Erziehung nur noch Markt und Medien?

Dieses Heft beschäftigt sich mit dem "spannenden" und aktuellen Thema der elektronischen Medien.

Opaschowski stellt im ersten Beitrag sehr anschaulich Ergebnisse und Analysen von Repräsentativ-untersuchungen zur "Generation @" vor. Killius und Müller-Oerlinghausen zeigen in ihrem Beitrag, daß an der Schnittstelle von Medien, Telekommunikation und Informationstechnik in Gegenwart und Zukunft eine Fülle innovativer Geschäftsmodelle entstehen werden. Der Broadcast-Ansatz von Radio und TV sowie deren multimediale Möglichkeiten gepaart mit den Web-Techniken des Internets erlauben völlig neue, interaktive Dienste. Guzielski vermittelt mit seinem Beitrag "Multimedia-Multicast", welche Möglichkeiten die sich beschleunigende Konvergenz der digitalen Medien "Radio/TV" und des Internets bietet. Daran anschließend stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Mediengerät der Zukunft - Fernsehcomputer oder Computerfernseher, die Bienert in seinem Beitrag diskutiert. Die Bedienung mehrerer Zielmedien (Printmedien, Internet, CD-ROM, DVD) mit gleichen oder zumindest ähnlichen Informationen ist eine Forderung an Redaktionssysteme. Hess und Rawolle beschreiben in ihrem Beitrag deren Funktionalität und Architektur. Je mehr TV und PC zusammenwachsen und nahezu alle Haushalte durchdringen, desto mehr wächst bei B2C-Systemen die Bedeutung haushaltsgerechter Oberflächen. Neben den Bedingungen für solche Oberflächen stellen Winand/Ring in ihrem Beitrag dar, daß die Integration von Rollenmodellen sowie Rückmeldekanälen neben geeigneten Kommunikationsmöglichkeiten zum Aufbau einer positiven Sozialbeziehung ein strategisch wichtiger Erfolgsfaktor für B2C-Anwendungen ist. Interaktives Marketing mit elektronischen Medien ist das Thema des Beitrages von Silberer. Mit der künftigen Rolle elektronischer Bücher im Umfeld elektronischer Medien beschäftigt sich Meier et al. Liedl gibt einen Einblick in die Veränderungen in der Medienbranche und die Strategien zur Nutzung interaktiver Medien im Bertelsmann-Konzern, dem internationalsten der großen Medienunternehmen. Der Beitrag von Österle/Muther über "Radikale Kundenzentrierung" liegt zwar "nominell" außerhalb des Schwerpunktthemas, hat aber zu den elektronischen Medien einen deutlichen Bezug. Die Frage "Bringen diese Instrumente dem Kunden wirklich den versprochenen Nutzen?" steht dabei im Mittelpunkt.

Ich bin sicher, Sie werden aus diesem Heft "viel Honig saugen können". Viel Spaß beim Lesen und - last but not least - nachträglich noch ein gutes neues Jahr 2000

Ihr
Rolf M. Katzsch

HMD, Heft 211, Februar 2000

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