Elektronische Medien |
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Editorial |
"Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht wieder los" (Goethe, "Der
Zauberlehrling"). Wollen wir die Geister der totalen Abhängigkeit von
Computern und Netzen überhaupt wieder loswerden? Eine müßige Frage - wir
können es nicht mehr! Die Zauberlehrlinge der Informatik und Elektronik
haben ein weltumspannendes, digitales Nervensystem geschaffen, das
anfällig ist gegen jede Art von Pannen, Störungen, Angriffen.
Elektronische Medien und Computer werden nicht nur das nächste Jahrzehnt
bestimmen. Der Computer wird alles in einem. Er wird das
Universalwerkzeug für das digitale Universalmaterial. Indem alle Künste
und Medien auf eine gemeinsame Bit-Basis gestellt werden, kommt es zur
umfassenden Integration aller digitalen Medien und Werkzeuge. Doch zu
welchem Preis? Die "Entortung", die mit der Durchsetzung unserer
permanenten Vernetzung einher geht, zeigt eine klare Tendenz:
Allgegenwart der Informationen, ihr Eindringen in alle Ritzen des
Alltags bis hin zu am Körper getragenen "Wearables". Die Frage nach der
richtigen Strategie zur Beherrschung des "Information and Communication
Overload" stellt sich heute bereits. Wir hungern nach Wissen ....und
ertrinken in Informationen (siehe hierzu auch unser Cartoon und den
"Einwurf"). "Können wir globale Nomaden sein und dennoch wissen, wo
unsere Wurzeln sind? Können wir in der "ortlosen" Welt neue, vielleicht
geistige Orte finden, an denen Worte wie "Heimat", "Familie", "Werte"
neuen Sinn geben?" (Matthias Horx, Leiter des Zukunftsinstituts Wien).
Oder übernehmen Moralproduktion und Erziehung nur noch Markt und Medien?
Dieses Heft beschäftigt sich mit dem "spannenden" und aktuellen Thema
der elektronischen Medien.
Opaschowski stellt im ersten Beitrag sehr
anschaulich Ergebnisse und Analysen von Repräsentativ-untersuchungen zur
"Generation @" vor. Killius und Müller-Oerlinghausen zeigen in ihrem
Beitrag, daß an der Schnittstelle von Medien, Telekommunikation und
Informationstechnik in Gegenwart und Zukunft eine Fülle innovativer
Geschäftsmodelle entstehen werden. Der Broadcast-Ansatz von Radio und TV
sowie deren multimediale Möglichkeiten gepaart mit den Web-Techniken des
Internets erlauben völlig neue, interaktive Dienste. Guzielski
vermittelt mit seinem Beitrag "Multimedia-Multicast", welche
Möglichkeiten die sich beschleunigende Konvergenz der digitalen Medien
"Radio/TV" und des Internets bietet. Daran anschließend stellt sich
zwangsläufig die Frage nach dem Mediengerät der Zukunft -
Fernsehcomputer oder Computerfernseher, die Bienert in seinem Beitrag
diskutiert. Die Bedienung mehrerer Zielmedien (Printmedien, Internet, CD-ROM,
DVD) mit gleichen oder zumindest ähnlichen Informationen ist eine
Forderung an Redaktionssysteme. Hess und Rawolle beschreiben in ihrem
Beitrag deren Funktionalität und Architektur. Je mehr TV und PC
zusammenwachsen und nahezu alle Haushalte durchdringen, desto mehr
wächst bei B2C-Systemen die Bedeutung haushaltsgerechter Oberflächen.
Neben den Bedingungen für solche Oberflächen stellen Winand/Ring in
ihrem Beitrag dar, daß die Integration von Rollenmodellen sowie
Rückmeldekanälen neben geeigneten Kommunikationsmöglichkeiten zum
Aufbau einer positiven Sozialbeziehung ein strategisch wichtiger
Erfolgsfaktor für B2C-Anwendungen ist. Interaktives Marketing mit
elektronischen Medien ist das Thema des Beitrages von Silberer. Mit der
künftigen Rolle elektronischer Bücher im Umfeld elektronischer Medien
beschäftigt sich Meier et al. Liedl gibt einen Einblick in die
Veränderungen in der Medienbranche und die Strategien zur Nutzung
interaktiver Medien im Bertelsmann-Konzern, dem internationalsten der
großen Medienunternehmen. Der Beitrag von Österle/Muther über "Radikale
Kundenzentrierung" liegt zwar "nominell" außerhalb des
Schwerpunktthemas, hat aber zu den elektronischen Medien einen
deutlichen Bezug. Die Frage "Bringen diese Instrumente dem Kunden
wirklich den versprochenen Nutzen?" steht dabei im Mittelpunkt.
Ich bin sicher, Sie werden aus diesem Heft "viel Honig saugen können".
Viel Spaß beim Lesen und - last but not least - nachträglich noch ein
gutes neues Jahr 2000
Ihr
Rolf M. Katzsch
HMD, Heft 211, Februar 2000
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