HMD 214, 37. Jahrgang, August 2000
WWW & Datenbanken
Herausgeber: Andreas Meier
Dieses Heft ist vergriffen, d.h. nicht mehr lieferbar. Eine Neuauflage ist nicht geplant. Die Beiträge aus diesem Heft sind jedoch noch separat und kostenpflichtig bei GBI-Genios erhältlich.






Einwurf
von Klaus R. Dittrich
Datenbanken und das WWW - lose Gedanken zu Mythen, Wirklichkeit und Träumen
Mit dem flächendeckenden durchschlagenden Erfolg des WWW hat auch die Datenbanktechnologie eine neue Dimension hinzugewonnen. Und die zeigt sich in ganz verschiedenen Facetten, begleitet von zahlreichen Entwicklungs- und Forschungsarbeiten (und gelegentlich von fast noch mehr Werberummel):
Aber muss eigentlich wirklich jede Datenbank netzfähig sein? Und Vorsicht: Selbst wenn mehrere Datenbanken über denselben Web- Browser zugänglich sind, hat man damit natürlich nicht einmal näherungsweise das, was man unter einem integrierten verteilten Datenbanksystem versteht!
Ganz klar: XML (und die zahlreichen Konzepte darum herum) verdienen eine eindeutig positive Einschätzung. Aber zuallererst handelt es sich hier um eine Sprache zur Beschreibung von Daten für deren Austausch, also mit dem Ziel des gemeinsamen Verstehens an beiden Enden einer Kommunikation. Die wichtigste Aufgabe dabei ist, Einverständnis über die Bedeutung der verwendeten Etiketten ("tags"), und dabei kann leider keine noch so euphorisch begrüßte Sprache helfen.
Wäre da nicht DB-Technologie genau das, was gefragt sein sollte? DBMS (insbesondere objektrelationale, objektorientierte und ähnliche) bedienen zunehmend nicht nur strukturierte, sondern auch semi- und sogar unstrukturierte Informationen, bieten also entsprechende Konzepte für deren Verwaltung und Benutzung an. Worauf also warten?
Ein Einwurf ist kein ganzes Spiel, daher genug der Gedanken. Aber eine spitze Bemerkung zum Schluss möge doch noch erlaubt sein.
Merke also: Nicht jedes schnell auf den Markt geworfene (und mit vielen Lobliedern aus dem eigenen Haus bedachte) Produkt, Konzept, System usw. vermag den geweckten Erwartungen und den aktuellen Bedürfnissen gerecht zu werden - die Anzahl der Gegenbeispiele dürfte bei ehrlicher Betrachtung weit größer sein als die Zahl der Erfolgsstories. Bei allem (allzu oft künstlich erzeugtem!) Zeitdruck brauchen wirkliche "Lösungen" in aller Regel Zeit zur Reifung, entsprechende Forschung, Erprobung durch Prototypen usw. - auch im Bereich Datenbanken und WWW. Die Informatik leidet heute häufig darunter, dass niemand sich diese Zeit nehmen bzw. sie geben möchte. Ob dies mittel- und längerfristig wirklich der richtige Weg ist ???
Prof. Dr. Klaus R. Dittrich Institut für Informatik Universität Zürich Winterthurerstraße 190 CH-8057 Zürich dittrich@ifi.unizh.ch