IT-Personal / IT-Training |
|
Editorial |
Ein Jahr ist bereits vergangen, seit der Bundeskanzler das
auf 20.000 Aufenthaltenehmigungen begrenzte "Green Card"-
Programm ins Leben rief. "Einer rief (Schröder) und alle,
alle kamen (Inder)" - so etwa hatte man sich das gedacht
Bis zum 02.02.2001 wurden erst 5.263 Anträge auf eine Green
Card gestellt. Jeder fünfte Antragsteller ist Inder,
zahlreiche Bewerber kommen aus Russland, Rumänien, Tschechien
und der Slowakei (siehe auch Beitrag Dostal). Der Kanzler
forderte seinerzeit auch dazu auf, mehr für die Aus- und
Weiterbildung der IT-Fachkräfte zu tun, da einerseits über
20.000 IT-Spezialisten fehlen, andererseits aber bei den
Arbeitsämtern 37.000 Computerfachleute und 56.000 Ingenieure
arbeitslos gemeldet seien (siehe Beitrag Dostal und CW
Nr.11/17.03.00). Folgerung: Es klafft eine Lücke zwischen dem
qualitativen Bedarf der Unternehmen und den
Ausbildungsinhalten und -ergebnissen vor allem an Schulen und
Hochschulen. Und diese Lücke ist nicht nur zeitlich bedingt
Im Auftrag des Bundeinisteriums für Bildung und Forschung
(BMBF) haben drei Institute die Situation der deutschen
Softwareindustrie durchleuchtet. Eines von vielen Ergebnissen
der Studie lautet: In Unternehmen hierzulande wird die
Bedeutung von Software und deren Entwicklung als Motor für
Wachstum und Beschäftigung unterschätzt (siehe Notiz "Analyse
und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland" in
diesem Heft).
Dieses Heft beschäftigt sich mit dem aktuellen
Schwerpunktthema "IT-Personal / IT-Training". Es versteht
sich als IT-politische Ergänzung zum eher IT-technologisch
ausgerichteten HMD-Heft "Multimediale Bildungssysteme" Nr.
205 vom Februar 1999.
Dostal gibt im ersten Beitrag in seiner fundierten Art und
Weise einen aktuellen Über- und Ausblick auf den IT-
Arbeitsmarkt - heute und morgen. Wie schon die o.a. Zahlen
und auch die Statistiken im Beitrag Dostal zeigen, sind diese
selten vergleichbar - erst recht in einem sich so dynamisch
verändernden Markt wie dem IT-Markt. Dieser hat in nur
wenigen Jahren eine Vielzahl neuer Berufsfelder
hervorgebracht. Arbogast und Klein zeigen für die Kategorien
"Produktionsberufe, Berufe im Konvergenzbereich und
Schnittstellenberufe" Entstehung und Perspektiven auf.
Was kann das Medium Internet zur Verbesserung der Aus- und
Weiterbildungssituation beitragen? Ehrenberg beschreibt ein
Szenario 2005, die Innovationspotenziale neuer Medien, die
Chancen für die IT-Aus- und Weiterbildung sowie ein Beispiel
für internetbasierte Ausbildung in der Wirtschaftsinformatik
an Hochschulen..
Wie kann IT-Wissen transparent und vergleichbar gemacht
werden? In dem Beitrag von Michel geht es um die in letzter
Zeit vermehrt diskutierte Zertifizierung von IT-Wissen, hier
um das Beispiel der European Computer Driving Licence (ECDL).
Prüfbare Ausbildungtandards wünscht man sich auch für die
Informatik-Ausbildung an Schulen. Rittershofer gibt in seinem
Beitrag einen kurzen Statusbericht über die Informatik-
Ausbildung an Schulen, speziell an Gymnasien.
Wie rekrutiert die Wirtschaft ihre IT-Fach- und -
Nachwuchskräfte? In Ergänzung zu dem Beitrag von Dostal gibt
Hillebrand die Sicht des Hauses SAP auf die Problematik der
Rekrutierung von IT-Fachkräften im Ausland wieder. Am
Beispiel des Ausbildungs- und Rekrutierungsprogamms der
Concept AG zeigt Heckerott neue Wege im Personalmarketing
auf.
Da die Hochschulen in ihren Studiengängen sowohl quantitativ
als auch z.T. qualitativ dem Druck des permanenten Wandels
durch die Globalisierung der Märkte nicht mehr standhalten
können, haben sich viele große Unternehmen dazu entschlossen,
unternehmensspezifische Universitäten, sog. Corporate
Universities, zu gründen. In Deutschland gehören u.a.
DaimlerChrysler, Bertelsmann, Lufthansa und die Deutsche Bank
dazu. Für die Deutsche Bank University (eDBU) beschreibt
Dambrowsky die eingeschlagenen, neuen Wege der
unternehmensinternen Aus- und Weiterbildung sowie die
Umsetzung der systemtechnischen eDBU-Architektur.
Der Beitrag "TeleTown Klosterforst - Wohnen und Arbeiten
unter einem Dach" von Bongard liegt am Rande unseres
Schwerpunktes, zeigt aber anhand eines Modells an der
Peripherie Hamburgs einen interessanten Ansatz für neue
Arbeitsformen, insbesondere für die IT- und
Dienstleistungsbranche.
Außerhalb des Schwerpunktes geben Isenmann, Lenz und Müller-
Merbach einen Überblick über den Stand der betrieblichen
Umweltberichterstattung im Internet.
Und zum guten Schluss: Werfen Sie auch einen Blick auf die
themenbezogenen Notizen
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Spaß beim Lesen und bei der
Vermehrung der gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten.
Ihr Rolf M. Katzsch
HMD, Heft 218, April 2001
|