HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik

ISSN 1436-3011

18.03.2010


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Fertigungsmanagement in der Supply Chain

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Editorial

Die informationstechnische Unterstützung des Fertigungsmanagements hat sich in den letzten Jahren dramatisch weiterentwickelt. Zum einen haben das Internet als Basis für E-Business und neue Rechnergenerationen entscheidend dazu beigetragen, dass neuartige Anwendungssysteme zur Optimierung der kompletten Supply Chain entstehen konnten. Andererseits unterliegt der Produktionsprozess einem steigenden Kostendruck, da die Fertigung auch von High-Tech-Produkten in Fernost und den Schwellenländern mit verhältnismäßig niedrigen Lohnkosten mehr und mehr zunimmt.

Die konzeptionellen Wurzeln dieser neuen Generation von Systemen des Fertigungsmanagements reichen zurück bis zur CIM-(Computer Integrated Manufacturing)-Architektur der 80er und 90er Jahre, die zum Ziel hatte, die unternehmensinternen Prozesse durch Integration zu optimieren. Die Weiterentwicklung im Zuge neuer Supply-Chain-Management- Konzepte hat die unternehmensübergreifende Koordination und Optimierung der Material- und Informationsflüsse über den gesamten Wertschöpfungsprozess vom Lieferanten bis zum Endkunden zum Ziel.

Lag der Fokus im Rahmen des Supply Chain Managements in den letzten Jahren besonders auf den Bereichen "plan", "source" und "deliver" (nach dem SCOR-Modell - Supply-Chain- Operations-Reference-Modell), so sind in der letzten Zeit auch verstärkt neue Lösungen im Bereich "make" entstanden.

Die Fertigung ist nach wie vor der zentrale Ort der Wertschöpfung und daher können neue Ansätze der vertikalen Integration (Echtzeitverbindung der ERP-Systeme mit den Systemen der Maschinenebene) als auch der horizontalen Integration (systemübergreifende Kommunikation der Maschinensteuerung über IP-Technologien und Internet- Standards, wie XML) enorme Effizienzvorteile bringen.

Im vorliegenden Heft zum Thema "Fertigungsmanagement in der Supply Chain" werden aktuelle Trends und Konzepte im Bereich der Fertigung und entsprechende Lösungsansätze vorgestellt und diskutiert.

Den Anfang macht Schüber mit dem Beitrag "Die Internet- Fabrik", der die Potenziale des "Working Internet" aufzeigt, die wesentlichen Web-Technologien für die Internet-Fabrik beschreibt und erfolgversprechende Lösungsansätze für E- Production erläutert.

Im zweiten Beitrag beschreiben Kozian, Schulz und Peteler wie "Manufacturing-Execution-Systeme (MES)" als integratives Zwischenstück die kommerzielle Auftragsbearbeitung der ERP- Ebene mit den Steuerungssystemen der Produktionswelt verbinden.

Unter der Überschrift "E-Manufacturing" stellt Dittmar eine moderne Produktionssoftware vor, die den Fertigungsprozess in Produktionsnetzwerken unterstützt. Anschaulich wird der Einsatz des neuen Anwendungssystems am Beispiel eines Automobil-Zulieferers dargestellt.

Schuster und Wilhelm berichten aufbauend auf den Erfahrungen zweier Forschungsprojekte einen Ansatz zur Integration heterogener DV-Strukturen bei produzierenden Unternehmen, mit dem gemeinsamen Ziel, das Informationsmanagement im Bereich des "Service" entscheidend zu verbessern.

Welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen sollten, um ihre Supply Chain gegenüber der steigenden Komplexität der Material- und Informationsflüsse neu auszurichten, und welche Erfolge sie dabei erzielen können, arbeitet Grundmann in seinem Beitrag heraus, der auf den Ergebnissen einer Studie zum Thema "Supply Chain Management in Europa" aufbaut, die Arthur D. Little gemeinsam mit 250 Unternehmen aus den Top 2000 in Europa erstellt hat.

Eine neue Komponente moderner SCM-Systeme, die "Supply Chain Event Management (SCEM) Engine" wird von Lauterbach und Wieser in den Mittelpunkt ihres Beitrages gestellt. Die SCEM Engine hat den Anspruch, als Mittler zwischen Planung und Ausführung innerhalb der gesamten Supply Chain zu fungieren und die Reaktionsgeschwindigkeit bei Abweichungen deutlich zu erhöhen sowie eine Bewertung der "Supply Chain Performance" zu ermöglichen.

Im nächsten Beitrag beschreibt Odendahl die "Grenzen und Möglichkeiten der Daten- und Vorgangsintegration in so genannten dynamischen Kooperationsnetzwerken", leitet Anforderungen an deren informationstechnische Unterstützung ab und beschreibt die prototypische Implementierung eines intelligenten und pro-aktiven elektronischen Marktplatzsystems zur Planung und Steuerung dynamischer Kooperationsnetzwerke.

Die "Situation und Entwicklung der Unternehmensnetzwerke in der Automobilbranche" stellt Quicken am Beispiel des neuen Markplatzes SupplyOn vor. Es werden Vorteile und neue Möglichkeiten des elektronischen Handels aufgezeigt und ein Blick in die Zukunft einer IT-basierten Zuliefererwelt gewagt.

Das "Optimierungsproblem im Zusammenhang mit der Festlegung der Vorlaufproduktion bei saisonalen Bedarfen" erläutern Bruckner und Hartweg in ihrem Beitrag. Vor dem Hintergrund zahlreicher Möglichkeiten zur Anpassung der Fertigungskapazitäten bestehen erhebliche Rationalisierungspotenziale.

In der Rubrik Methoden präsentieren Hintz und Brauer diesmal eine Methode zur "Personalisierung eines objektorientierten Rahmenwerks für das Produktdatenmanagement".

Herausgeber und Redaktion wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und viele nützliche Anregungen zur verbesserten Unterstützung Ihrer Supply-Chain-Herausforderungen.


Stefan Meinhardt

HMD, Heft 219, Juni 2001

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