Elektronische Märkte |
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Editorial |
Als das vorliegende HMD-Schwerpunktthema "Elektronische
Märkte" im Jahr 2000 geplant wurde, hatten E-Business-Themen
bei den IT-Verantwortlichen in Deutschland höchste Priorität.
Das hat sich im vergangenen Jahr 2001 gewandelt: An der
Spitze der wichtigsten IT-Themen stand 2001 die Steigerung
der Unternehmenseffizienz, unter den ersten zehn fand sich
kein direkt auf E-Business bezogenes Thema mehr.
Diese Veränderung spiegeln auch elektronische Märkte wider.
Während 1996-1998 in Deutschland nur 31 neue elektronische
B2B-Marktplätze entstanden, nahm ihre Zahl ab 1999 immer
schneller zu: Nach Berlecon Research entstanden im Jahr 2000
durchschnittlich zwei neue Marktplätze pro Woche! Von den 183
"aktiven" B2B-Marktplätzen, die Berlecon für Mitte 2001
ermittelt hat, sind 40 in den Jahren 1995 bis 1999 gegründet
worden, 104 in 2000 - und nur noch 20 in 2001. Zahlen anderer
Marktforschungsunternehmen divergieren in Details, zeigen
aber denselben Trend. Ihn belegen weitere aktuelle
Nachrichten; z.B. hat die Deutsche Bank ihr Budget für alle
E-Commerce-Aktivitäten im Sommer 2001 um ein rundes Drittel
gekürzt.
Steigerung der Unternehmenseffizienz und in Verbindung damit
auch Rationalisierung der IT lassen das Pendel
(wahrscheinlich wieder einmal zu stark) nach der anderen
Seite ausschlagen. Umsatzwachstum gilt nicht mehr unbegrenzt
als Ersatz für Rentabilität, die Wirtschaftlichkeit von
Projekten im E-Business-Bereich und damit auch von
elektronischen Marktplätzen muss vorab quantifiziert werden.
Diesen neuen Trends versuchen die Geschäftsleitungen auch
dadurch gerecht zu werden, dass sie sich selbst in E-
Business-Fragen engagieren bzw. neue, ihnen direkt
unterstellte Stabsstellen für diesen Bereich einrichten.
B2B-Marktplätze sind zahlreicher und erfolgreicher als B2C-
Marktplätze. Und innerhalb des B2B-Sektors dominieren
Marktplätze, die von großen, weltweit tätigen Unternehmen
allein (z.B. VW) oder im Rahmen von Konsortien (z.B.
Covisint) gegründet worden sind. Neben diesen Marktplätzen
für direkte Güter behaupten sich horizontale Marktplätze im
so genannten MRO-Bereich (Maintenance, Repair, Operating
Goods). Aktuelle Projekte zielen einerseits auf die
Erweiterung der Marktplatzfunktionen um zusätzliche
Dienstleistungen (z.B. Edu-Commerce, d.h. E-Learning-Angebote
zur verstärkten Kundenbindung und -gewinnung) bzw. die
bessere Unterstützung direkter Zusammenarbeit zwischen den
Marktpartnern (Collaboration, Collaborative oder C-Commerce).
Genauso wichtig werden andererseits Integrationsaufgaben
eingeschätzt, die eine weitgehend automatisierte Anbindung
der Marktplatzfunktionen an die inner- und
zwischenbetrieblichen Prozesse der Marktpartner ermöglichen
sollen.
Aus dieser Vielzahl von Themen haben wir für Sie im
vorliegenden Heft die folgenden ausgewählt:
- Wie Ihnen längst vertraut, steht ein
Grundlagenbeitrag am Anfang. Klein, Gogolin und Dziuk
behandeln "Elektronische Märkte im Überblick".
Gestaltungsoptionen und -parameter elektronischer Märkte
werden systematisch dargestellt und ihre alternativen
Entwicklungspfade verdeutlicht.
- Die nächsten vier Beiträge befassen sich mit
speziellen Ausprägungen elektronischer Märkte. Cäsar, Alt
und Grau entwickeln ein Bewertungsmodell für
"Elektronische Marktplätze im Handels- und
Konsumgüterbereich" und berichten über die Ergebnisse
ihrer empirischen Studie im Sommer 2001 zu 31
Marktplätzen dieser Ausrichtung. Bach und Christ
beschreiben "Content-Marktplätze aus Prozess-Sicht".
Spiliopoulou, Müller und Lenz spezialisieren sich auf
"Expertenrat in E-Marketplaces" und stellen neben einem
Modell für Wissensmarktplätze auch vier konkrete
Beispiele vor. Klaue berichtet über das Projekt
"Elektronischer Marktplatz zur Personal-Akquisition", das
- über herkömmliche Jobbörsen hinausgehend - die
Benutzerfreundlichkeit durch den Einsatz von
Softwareagenten und Fuzzy Logic erhöhen will.
- Die Beiträge 6 bis 9 konzentrieren sich auf spezielle
Fragen im E-Business- und Marktplatzbereich. Heinrich und
Thonabauer erläutern die "Messung des EB-Potenzials und
der EB-Nutzung"; sie zeigen auf, wie ein Unternehmen
methodisch vorzugehen hat, das sein potenzielles und
tatsächliches Engagement auf elektronischen Marktplätzen
und im E-Business (EB) insgesamt zur Deckung bringen
will. Raepple behandelt "Sicherheit in elektronischen
Märkten"; er beschreibt ausgehend von den
Sicherheitsanforderungen organisatorische und technische
Sicherheitsmaßnahmen auf Marktplätzen. Merz belegt in
"Eine Kosten-/Nutzenanalyse der standardisierten B2B-
Kommunikation am Beispiel des papiNet-Projekts", dass
Standardisierung (von Geschäftsprozessen,
Dokumentenformaten und Kommunikationssoftware sowie -protokollen)
beachtliche Kostenreduzierungen verspricht.
Schanz stellt das in den USA entstandene und dort schon
breiter eingesetzte Konzept des "EBPP - Electronic Bill
Presentment und Payment" und seine alternativen
Betreibermodelle vor.
- Die beiden letzten Beiträge zum Schwerpunktthema
schließlich behandeln konkrete Beispiele. Zu den (bspw.
auch bei Berlecon Research beobachteten) Veränderungen im
Marktplatzbereich gehören auch strategische
Umorientierungen zu neuen Geschäftsmodellen. Die "E-Commerce-Fallstudie
1999-2001: Von net-tissimo zu net-promotions" von
Berger, Harabi und Heilmann belegt diese
Entwicklung am Beispiel eines Schweizer Unternehmens,
dessen Geschäftsideen und Kunden sich in nur drei Jahren
deutlich verändert haben. Auch der Beitrag von Naegele
"quiBiq.de - eCommerce Service Providing (eSP)" lässt die
Veränderung der Marktplatzfunktionen, hier in Form weiter
gehender Serviceangebote für Kunden dieses MRO-
Marktplatzes, erkennen.
Redaktion und Herausgeber wünschen Ihnen viele Anregungen und
dass Sie sich und Ihr Unternehmen erfolgreich auf
elektronischen Marktplätzen positionieren.
Heidi Heilmann
HMD, Heft 223, Februar 2002
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