Zahlungssysteme / E-Banking |
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Editorial |
Elektronische Zahlungssysteme und E-Banking sind bekanntlich
nicht mehr aus dem geschäftlichen und privaten Bereich
wegzudenken. Der Beginn liegt aber noch gar nicht allzu lange
zurück. Als ein markanter Punkt auf dem Weg zu den neuen
Zahlungssystemen kann dabei sicherlich die Ergänzung der ec-
Karte durch den Magnetstreifen gewertet werden. War die ec-
Karte zuerst nur zur Legitimation beim Ausstellen des
Eurocheques vorgesehen, so wurde durch den Magnetstreifen das
Tor zu einem universell einsetzbaren Zahlungsmittel geöffnet.
Die vier Geheimziffern galten zu Beginn als ausreichende
Sicherheitsmaßnahme. Die ersten Betroffenen von
betrügerischem Einsatz der ec-Karte wurden bei gerichtlichen
Verfahren sogar als Täter beschuldigt. Es dauerte aber nicht
lange, bis Experten in aller Deutlichkeit auf die nur
bedingte Fälschungssicherheit hinwiesen. Allen wurde klar,
dass es bei einem großflächigen Einsatz der ec-Karte keine
uneingeschränkte Sicherheit gibt. Erst in jüngster Zeit
traten wieder Fälle auf, bei denen auf kriminelle Weise
versucht wurde, die entsprechende PIN auszuspähen. So wurde
beispielsweise bei dubiosen Zutrittssystemen der
Einzutretende aufgefordert, seine ec-Karte mit PIN zur
Legitimation einzusetzen, um Zutritt zu erlangen.
Ein paar Jahre später startete auch das Onlinebanking - zu
einer Zeit, in der das Internet noch weltweit ausschließlich
von Wissenschaftlern zum Datenaustausch genutzt wurde und
weit von einer kommerziellen Nutzung entfernt war. Als
Übertragungsmedium für die Transaktionen nutzte man in
Deutschland das BTX der damaligen Deutschen Bundespost. Mit
PIN und TAN war ein Prozedere geschaffen, das über
ungesicherte Verbindungswege sichere Transaktionen erlaubte.
Nachdem nun das Internet von einem reinen Wissenschaftsnetz
zu einem auch weltweit kommerziell genutzten Datennetz
mutierte, kamen auch die ersten Onlineshops auf, die nicht
nur national, sondern weltweit agierten. Der Ruf nach
elektronischen, im Internet auch weltweit einsetzbaren
Zahlungssystemen wurde immer lauter. Das erste praktizierte
und heute immer noch verbreitetste Verfahren ist die
Bezahlung mit der Kreditkarte. Wurde in den Anfängen die
Kreditkartennummer ungesichert übertragen, so findet heute
fast ausschließlich die Übertragung gesichert statt. Die
Möglichkeit der Nachnahmesendung scheidet bekanntlich im
grenzüberschreitenden Warenhandel aus. Der Wunsch nach
einfachen Zahlungsverfahren und mehr Sicherheit zwischen
Käufer/Verkäufer wuchs. Dabei bezieht sich die Sicherheit
sowohl auf die Zahlungspflicht des Käufers dem Verkäufer
gegenüber als auch auf die technische Manipulation des
Zahlungsauftrages durch Dritte.
Zahlreiche neue Zahlungssysteme bis hin zum CyberCash auf der
Basis kryptografischer Verfahren wurden rasch entwickelt. Sie
zeichnen sich im Allgemeinen durch ein hohes Maß an
Sicherheit aus. Die Akzeptanz dieser Verfahren ist derzeit
unbestreitbar gering, so dass sie nur vereinzelt oder erst
gar nicht zum Einsatz kommen. Auch das Zahlen mit der ec-
Karte wurde weiter entwickelt. Ihre Funktionen wurden
ergänzt, bis hin zur elektronischen Geldbörse, die auch für
Kleinstbeträge geeignet ist. Generell kann zwischen Pre- und
Postpaid-Verfahren unterschieden werden. Auch proprietäre
Lösungen entstanden, die beispielsweise nur firmenweit
eingesetzt werden, wie beispielsweise die elektronische
Geldbörse beim Studentenwerk Freiburg. Gegenüber der ec-Karte
wuchs bei diesen Entwicklungen das Maß an Sicherheit. Aber
auch hier lässt die Akzeptanz immer noch auf sich warten.
Beim Einsatz dieser neuen Systeme blieb somit bis heute der
erwartete Boom aus. Die Gründe mögen wohl mannigfaltig sein,
sollen aber im Einzelnen hier nicht näher untersucht werden.
Fest steht aber, dass die neuen Systeme auch ihren Preis
haben. Es stellt sich nun die Frage, wer übernimmt die Kosten
- der Kunde, der Anbieter oder die Banken? Eines ist aber
klar, je mehr konkurrierende Systeme zum Einsatz kommen,
desto teurer wird es - vor allem für den Endverbraucher. Es
bleibt nur zu hoffen, dass Systemen der Durchbruch gelingt,
die dann auch weltweit einen hohen Verbreitungsgrad erzielen.
Derzeit ist aber bedauerlicherweise eher der Trend zu
proprietären Lösungen zu beobachten. Obwohl die ec-Karte
Schwächen aufweist, ist sie in unseren Regionen immer noch
eines der preiswertesten und weitverbreitetsten Verfahren für
bargeldlose Bezahlung und Bargeldbeschaffung. Auch die
klassische Kreditkarte hat immer noch weltweit eine
Führungsrolle.
Das vorliegende Heft möchte dem Leser einen Einblick in die
modernen Zahlungssysteme geben. Dabei wird das Thema von den
verschiedensten Seiten betrachtet. Sowohl der
Wissenschaftler, die Systemanbieter als auch Vertreter der
Banken kommen zu Wort. Neben der Erläuterung von
Grundsätzlichem nimmt das Thema Sicherheit eine zentrale
Position ein, vor allem beim Einsatz von Zahlungssystemen im
mobilen Umfeld. Auch die juristische Seite wird in diesem
Heft nicht außer Acht gelassen.
Heinz Sauerburger
HMD, Heft 224, Februar 2002
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