HMD 224, 39. Jahrgang, April 2002

Zahlungssysteme / E-Banking

Herausgeber: Heinz Sauerburger

Editorial

Elektronische Zahlungssysteme und E-Banking sind bekanntlich nicht mehr aus dem geschäftlichen und privaten Bereich wegzudenken. Der Beginn liegt aber noch gar nicht allzu lange zurück. Als ein markanter Punkt auf dem Weg zu den neuen Zahlungssystemen kann dabei sicherlich die Ergänzung der ec- Karte durch den Magnetstreifen gewertet werden. War die ec- Karte zuerst nur zur Legitimation beim Ausstellen des Eurocheques vorgesehen, so wurde durch den Magnetstreifen das Tor zu einem universell einsetzbaren Zahlungsmittel geöffnet. Die vier Geheimziffern galten zu Beginn als ausreichende Sicherheitsmaßnahme. Die ersten Betroffenen von betrügerischem Einsatz der ec-Karte wurden bei gerichtlichen Verfahren sogar als Täter beschuldigt. Es dauerte aber nicht lange, bis Experten in aller Deutlichkeit auf die nur bedingte Fälschungssicherheit hinwiesen. Allen wurde klar, dass es bei einem großflächigen Einsatz der ec-Karte keine uneingeschränkte Sicherheit gibt. Erst in jüngster Zeit traten wieder Fälle auf, bei denen auf kriminelle Weise versucht wurde, die entsprechende PIN auszuspähen. So wurde beispielsweise bei dubiosen Zutrittssystemen der Einzutretende aufgefordert, seine ec-Karte mit PIN zur Legitimation einzusetzen, um Zutritt zu erlangen.

Ein paar Jahre später startete auch das Onlinebanking - zu einer Zeit, in der das Internet noch weltweit ausschließlich von Wissenschaftlern zum Datenaustausch genutzt wurde und weit von einer kommerziellen Nutzung entfernt war. Als Übertragungsmedium für die Transaktionen nutzte man in Deutschland das BTX der damaligen Deutschen Bundespost. Mit PIN und TAN war ein Prozedere geschaffen, das über ungesicherte Verbindungswege sichere Transaktionen erlaubte. Nachdem nun das Internet von einem reinen Wissenschaftsnetz zu einem auch weltweit kommerziell genutzten Datennetz mutierte, kamen auch die ersten Onlineshops auf, die nicht nur national, sondern weltweit agierten. Der Ruf nach elektronischen, im Internet auch weltweit einsetzbaren Zahlungssystemen wurde immer lauter. Das erste praktizierte und heute immer noch verbreitetste Verfahren ist die Bezahlung mit der Kreditkarte. Wurde in den Anfängen die Kreditkartennummer ungesichert übertragen, so findet heute fast ausschließlich die Übertragung gesichert statt. Die Möglichkeit der Nachnahmesendung scheidet bekanntlich im grenzüberschreitenden Warenhandel aus. Der Wunsch nach einfachen Zahlungsverfahren und mehr Sicherheit zwischen Käufer/Verkäufer wuchs. Dabei bezieht sich die Sicherheit sowohl auf die Zahlungspflicht des Käufers dem Verkäufer gegenüber als auch auf die technische Manipulation des Zahlungsauftrages durch Dritte.

Zahlreiche neue Zahlungssysteme bis hin zum CyberCash auf der Basis kryptografischer Verfahren wurden rasch entwickelt. Sie zeichnen sich im Allgemeinen durch ein hohes Maß an Sicherheit aus. Die Akzeptanz dieser Verfahren ist derzeit unbestreitbar gering, so dass sie nur vereinzelt oder erst gar nicht zum Einsatz kommen. Auch das Zahlen mit der ec- Karte wurde weiter entwickelt. Ihre Funktionen wurden ergänzt, bis hin zur elektronischen Geldbörse, die auch für Kleinstbeträge geeignet ist. Generell kann zwischen Pre- und Postpaid-Verfahren unterschieden werden. Auch proprietäre Lösungen entstanden, die beispielsweise nur firmenweit eingesetzt werden, wie beispielsweise die elektronische Geldbörse beim Studentenwerk Freiburg. Gegenüber der ec-Karte wuchs bei diesen Entwicklungen das Maß an Sicherheit. Aber auch hier lässt die Akzeptanz immer noch auf sich warten.

Beim Einsatz dieser neuen Systeme blieb somit bis heute der erwartete Boom aus. Die Gründe mögen wohl mannigfaltig sein, sollen aber im Einzelnen hier nicht näher untersucht werden. Fest steht aber, dass die neuen Systeme auch ihren Preis haben. Es stellt sich nun die Frage, wer übernimmt die Kosten - der Kunde, der Anbieter oder die Banken? Eines ist aber klar, je mehr konkurrierende Systeme zum Einsatz kommen, desto teurer wird es - vor allem für den Endverbraucher. Es bleibt nur zu hoffen, dass Systemen der Durchbruch gelingt, die dann auch weltweit einen hohen Verbreitungsgrad erzielen. Derzeit ist aber bedauerlicherweise eher der Trend zu proprietären Lösungen zu beobachten. Obwohl die ec-Karte Schwächen aufweist, ist sie in unseren Regionen immer noch eines der preiswertesten und weitverbreitetsten Verfahren für bargeldlose Bezahlung und Bargeldbeschaffung. Auch die klassische Kreditkarte hat immer noch weltweit eine Führungsrolle.

Das vorliegende Heft möchte dem Leser einen Einblick in die modernen Zahlungssysteme geben. Dabei wird das Thema von den verschiedensten Seiten betrachtet. Sowohl der Wissenschaftler, die Systemanbieter als auch Vertreter der Banken kommen zu Wort. Neben der Erläuterung von Grundsätzlichem nimmt das Thema Sicherheit eine zentrale Position ein, vor allem beim Einsatz von Zahlungssystemen im mobilen Umfeld. Auch die juristische Seite wird in diesem Heft nicht außer Acht gelassen.

Heinz Sauerburger

HMD Best Paper Award 2011
Bestellen Sie ein Probeabo!
Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft von IT-Governance!