Performance Measurement |
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Einwurf |
Ist alles Ökonomie?
Performance Measurement - Leistungsmessung im Unternehmen -
sucht eine Antwort auf die Frage: Wie gut sind wir?
Wen interessiert diese Frage? Die Geschäftsführung eines
Unternehmens wird daran gemessen, wie viel Rendite sie den
Eigentümern bringt. Diese hängt von zwei wesentlichen
Faktoren ab:
- Von der Effizienz, mit der die angebotenen Waren produziert
und vertrieben werden: Geringe Kosten bei guter Qualität ist
das Zwischenziel, um hohe Rendite zu erzielen. Wenn wir
warten, bis die Bilanz des letzten Jahres geprüft ist, kann
es zu spät sein.
- Von der Effektivität, mit der die Waren angeboten werden:
Viel verkaufte Ware in kurzer Zeit ist das Zwischenziel, um
hohe Rendite zu erzielen. Wenn wir warten, bis der Markt uns
sagt, wie gut wir sind, kann es zu spät sein.
Daher suchen wir Frühindikatoren, die vermuten lassen, dass
sie die Effizienz und die Effektivität realitätsnah
vorhersagen. So weit - so gut.
Aber drei Trends sollten wir uns vor Augen führen:
- Früher waren Frühindikatoren nicht notwendig. Vor 200 Jahren
reichte es, wenn man einmal im Jahr Kassensturz gemacht hat.
Heute sind Quartalszahlen unerlässlich, die auch
nichtmonetäre Indikatoren enthalten.
- In kleineren, eher langsam wachsenden Unternehmen spürt
der Firmeninhaber selbst rasch, wenn etwas schief läuft. In
modernen global agierenden Großunternehmen müssen die
Sensoren objektiviert werden, damit sie vom Beurteiler
unabhängig messen.
- Je schneller die Supply Chains takten, umso weiter müssen
die Sensoren die Zukunft erhellen.
Aber ist das alles?
Die kapitalistische Sicht ist oben beschrieben. Darüber
hinaus hat ein Unternehmen aber alle beteiligten Menschen zu
motivieren:
Wenn die Mitarbeiter Selbstverwirklichung bei ihrer Arbeit
finden, arbeiten sie gern und gut. Da hilft auch, wenn sie
dabei beispielsweise ein wenig für den Umweltschutz machen
dürfen, der nicht zu den monetären Unternehmenszielen
beiträgt.
Die Aktionäre freuen sich an der Rendite, es gefällt ihnen
aber auch, wenn sie Teilhaber an einem berühmten Unternehmen
sind, und sie verzichten dem zuliebe sogar auf ein wenig
Rendite. Und Kunden freuen sich an guten Produkten, sind aber
auch gern bereit, ein paar Cent mehr auszugeben, wenn sie
dabei etwas für einen guten Zweck tun nach dem Motto: Jede
Kiste Bier schützt einen Quadratmeter Regenwald. Oder: Wir
produzieren auch künftig (unsere Trikots) in Deutschland.
Ein hervorragendes, langfristig stabiles, eben ein
erfreuliches Unternehmen ist nicht nur seinen Eigentümern
verpflichtet, sondern auch anderen Motiven seiner Mitarbeiter
und seiner Kunden, eventuell auch weiteren Motiven von
anderen Menschengruppen.
Auch wenn in der Literatur Balanced Scorecard deshalb als
hilfreich bei der Verfolgung nichtmonetärer Ziele dargestellt
wird, weil es als indirekt wirkendes Hilfsmittel der
Verfolgung der monetären Ziele dient, so kann es seinen
Nutzen eben auch in der Verfolgung solcher Ziele finden, die
auch nicht indirekt den monetären Zielen dienen. Kurz:
Performance Measurement kann eben über den rein
kapitalistischen Ansatz hinaus dienen. Nicht dass dieser
verneint werden sollte! Wer dächte auch dies? Aber
ergänzungsbedürftig ist er bekanntlich schon ein wenig.
In diesem Sinne kann damit auch eine Organisation gesteuert
werden, die keine Gewinnerzielungsabsichten hat, wie z.B.
eine öffentliche Verwaltung. Leider wird der Ansatz dort
(noch) viel zu wenig verfolgt. Wäre es nicht an der Zeit, dem
nachzuhelfen? Vielleicht könnten wir damit sogar ein bisschen
die Staatsquote senken? Zugegeben, das wäre dann aber schon
wieder monetär wirksam.
Dipl.-Physiker Michael Mörike
Vor dem Kreuzberg 28
72070 Tübingen
michael.moerike@gmx.de
www.moerike.net
HMD, Heft 227, Oktober 2002
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