HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik

ISSN 1436-3011

18.03.2010


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Ubiquitous Computing

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Editorial

Im Jahre 1988 stellte Mark Weiser, Wissenschaftler am Xerox Palo Alto Research Center in Palo Alto, California, den Begriff Ubiquitous Computing in den Raum. Seine Gedanken wurden zum Teil als schwärmerisch, wirklichkeitsfremd und unerfüllbar abgetan. Gerade in einer Zeit, in der der Blick auf immer leistungsstärkere, schnellere und mächtigere Maschinen fällt, die über Hochleistungsnetze weltweit miteinander verbunden sind, stellt Mark Weiser seine Vision von immer kleineren, leichteren, einfacher bedienbareren und mobilen Computern vor, die fast unsichtbar uns umgeben und miteinander kommunizieren. Zu Recht gilt er als Vater von Ubiquitous Computing.

Durch den technologischen Fortschritt in den vergangenen 15 Jahren wurden bekanntlich Mikrocontrollersysteme entwickelt, die immer kleiner und leichter wurden, aber an Leistungsfähigkeit deutlich zunahmen. Sie werden oftmals als sog. Embedded Systems eingesetzt, die vom Benutzer kaum bemerkt werden. 32-bit-Architekturen mit vollständigem Betriebssystem in etwa doppelter Briefmarkengröße sind keine Seltenheit. Ergänzt mit speziellen Sensoren stellen diese Embedded Systems somit eine Säule für Ubiquitous Computing dar.

Ein weiterer Punkt ist zweifelsfrei die Mobilität der Systeme. Auch konnten auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt werden. Über Infrarot, Bluetooth, DECT und Wireless-LAN stehen für die unterschiedlichsten Anwendungen leistungsfähige mobile Übertragungssysteme zur Verfügung, die im Weitverkehrsbereich beispielsweise durch GMS und in Kürze auch durch UMTS ergänzt werden. Einer globalen mobilen Vernetzung, auf die sich Ubiquitous Computing stützt, steht somit nichts mehr im Wege.

Die hardwaremäßige Plattform für Ubiquitous Computing kann bereits als sehr weit entwickelt betrachtet werden. Auch auf dem Gebiet der Software - dem IT- Management - wurden in der Vergangenheit ebenfalls beachtliche Fortschritte erzielt. Ein Ziel der derzeitigen Entwicklungsarbeiten ist es, dass man von proprietären Lösungen sich hin zu allgemeinen Ansätzen bewegt. Auch fehlt derzeit noch eine sog. Middleware bei Ubiquitous Computing. Auf diese Weise lässt sich sicherlich ein Teil der erheblichen Kosten bei der Umsetzung reduzieren.

Betrachtet man die heutigen Vorschläge zu Ubiquitous Computing, so kristallisieren sich im Prinzip zwei Anwendungsfelder heraus. Zum einen wären dies Anwendungen im Bereich "nice to have" und zum anderen handelt es sich um Projekte, bei denen sich ein echter wirtschaftlicher Gewinn erzielen lässt. Aufgrund der Kostensituation konzentriert man sich derzeit vor allem auf gewinnbringende Einzelprojekte, da sonst die Gefahr des Abdriftens in den illusorischen Bereich bestünde.

Da das Gebiet von Ubiquitous Computing sehr umfangreich ist und eine Spannweite von hardwaretechnischen über softwaretechnische bis hin zu gesellschaftspolitischen Problemen aufweist, entschlossen wir uns, Ihnen als Leser zuerst einen kurzen, allgemeinen Einstieg gefolgt von verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten zu präsentieren, um sich punktuell dem einen oder anderen Problem zuzuwenden. Auf gesellschaftspolitische Aspekte konnte aufgrund des begrenzten Heftumfangs nicht eingegangen werden.

Wir hoffen Ihnen hiermit eine interessante Themenauswahl zu bieten und möchten zum Abschluss Herrn Prof. Dr. Elgar Fleisch vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen zitieren, der schon vor Jahren der Meinung war: "Wir vernetzen nicht mehr nur Informationssysteme oder Prozesse miteinander, sondern zunehmend Dinge".

H. Sauerburger

HMD, Heft 229, Februar 2003

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