Ubiquitous Computing |
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Editorial |
Im Jahre 1988 stellte Mark Weiser, Wissenschaftler am Xerox
Palo Alto Research Center in Palo Alto, California, den
Begriff Ubiquitous Computing in den Raum. Seine
Gedanken wurden zum Teil als schwärmerisch,
wirklichkeitsfremd und unerfüllbar abgetan. Gerade in einer
Zeit, in der der Blick auf immer leistungsstärkere,
schnellere und mächtigere Maschinen fällt, die über
Hochleistungsnetze weltweit miteinander verbunden sind,
stellt Mark Weiser seine Vision von immer kleineren,
leichteren, einfacher bedienbareren und mobilen Computern
vor, die fast unsichtbar uns umgeben und miteinander
kommunizieren. Zu Recht gilt er als Vater von Ubiquitous
Computing.
Durch den technologischen Fortschritt in den vergangenen 15
Jahren wurden bekanntlich Mikrocontrollersysteme entwickelt,
die immer kleiner und leichter wurden, aber an
Leistungsfähigkeit deutlich zunahmen. Sie werden oftmals als
sog. Embedded Systems eingesetzt, die vom Benutzer kaum
bemerkt werden. 32-bit-Architekturen mit vollständigem
Betriebssystem in etwa doppelter Briefmarkengröße sind keine
Seltenheit. Ergänzt mit speziellen Sensoren stellen diese
Embedded Systems somit eine Säule für Ubiquitous
Computing dar.
Ein weiterer Punkt ist zweifelsfrei die Mobilität der
Systeme. Auch konnten auf diesem Gebiet in den vergangenen
Jahren deutliche Fortschritte erzielt werden. Über Infrarot,
Bluetooth, DECT und Wireless-LAN stehen für die
unterschiedlichsten Anwendungen leistungsfähige mobile
Übertragungssysteme zur Verfügung, die im Weitverkehrsbereich
beispielsweise durch GMS und in Kürze auch durch UMTS ergänzt
werden. Einer globalen mobilen Vernetzung, auf die sich
Ubiquitous Computing stützt, steht somit nichts mehr
im Wege.
Die hardwaremäßige Plattform für Ubiquitous
Computing kann bereits als sehr weit entwickelt
betrachtet werden. Auch auf dem Gebiet der Software - dem IT-
Management - wurden in der Vergangenheit ebenfalls
beachtliche Fortschritte erzielt. Ein Ziel der derzeitigen
Entwicklungsarbeiten ist es, dass man von proprietären
Lösungen sich hin zu allgemeinen Ansätzen bewegt. Auch fehlt
derzeit noch eine sog. Middleware bei Ubiquitous
Computing. Auf diese Weise lässt sich sicherlich ein
Teil der erheblichen Kosten bei der Umsetzung reduzieren.
Betrachtet man die heutigen Vorschläge zu Ubiquitous
Computing, so kristallisieren sich im Prinzip zwei
Anwendungsfelder heraus. Zum einen wären dies Anwendungen im
Bereich "nice to have" und zum anderen handelt es sich um
Projekte, bei denen sich ein echter wirtschaftlicher Gewinn
erzielen lässt. Aufgrund der Kostensituation konzentriert man
sich derzeit vor allem auf gewinnbringende Einzelprojekte, da
sonst die Gefahr des Abdriftens in den illusorischen Bereich
bestünde.
Da das Gebiet von Ubiquitous Computing sehr
umfangreich ist und eine Spannweite von hardwaretechnischen
über softwaretechnische bis hin zu gesellschaftspolitischen
Problemen aufweist, entschlossen wir uns, Ihnen als Leser
zuerst einen kurzen, allgemeinen Einstieg gefolgt von
verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten zu präsentieren, um
sich punktuell dem einen oder anderen Problem zuzuwenden. Auf
gesellschaftspolitische Aspekte konnte aufgrund des
begrenzten Heftumfangs nicht eingegangen werden.
Wir hoffen Ihnen hiermit eine interessante Themenauswahl zu
bieten und möchten zum Abschluss Herrn Prof. Dr. Elgar
Fleisch vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der
Universität St. Gallen zitieren, der schon vor Jahren der
Meinung war: "Wir vernetzen nicht mehr nur
Informationssysteme oder Prozesse miteinander, sondern
zunehmend Dinge".
H. Sauerburger
HMD, Heft 229, Februar 2003
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