Wir schreiben das Jahr 2003 und reden nicht mehr von der
Informationsgesellschaft und ihren Segnungen, sondern
leben bereits mitten in ihr und nutzen beruflich und
privat alle Vorteile des universellen Informationszugriffs
und der universellen Kommunikation ("zu jeder Zeit, an
jedem Ort, in jeder Form"). Die Werbemaschinerie der
großen Hard- und Softwarehersteller suggeriert uns diese
schöne neue Welt. Mit dem Internet und dessen Nutzung
haben scheinbar alle die allein selig machende
Informationsverarbeitungsstrategie der Zukunft gepachtet.
Schon seit Jahren tönt es aus der einen Ecke: "Das Netz
ist der Computer" (Sun Microsystems und Konsorten). Seit
Anfang 2001 bekennen sich nun auch Microsoft und seine
Partner zum "Internet als der globalen Plattform für Daten
und Dienste". Hinter diesen werbewirksam in die Welt
getragenen Bekenntnissen zum Internet zeichnen sich bei
den Anbietern inzwischen auch ausformulierte
Geschäftsmodelle und spezifizierte Technologien bzw.
Produktstrategien ab. Die neuartigen Geschäftsmodelle
basieren auf Web-Services und propagieren den Übergang vom
Software-Lizenzierungs- zu einem Software-Service-Modell.
Inwieweit dies die Softwareindustrie verändern wird, muss
sich erst noch zeigen. Konkreter und damit bereits direkt
spürbar sind die Auswirkungen der neuen Technologien und
Produktstrategien, auf denen diese Geschäftsmodelle
basieren. Für die Entwicklung von Internetanwendungen
stehen im Wesentlichen zwei alternative
Entwicklungsplattformen zur Verfügung: Microsoft setzt auf
.NET und die Java-Fraktion verwendet die Java 2 Enterprise
Edition (J2EE).
Interessanterweise fallen bei einem Vergleich der
technologischen Konzepte und Architekturen der beiden
Plattformen zunächst mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede
ins Auge: Sowohl J2EE als auch .NET basieren auf einer
virtuellen Maschine, verwenden einen neutralen
Zwischencode und einheitliche Klassenbibliotheken bei der
Softwareerstellung und stützen sich massiv auf
Internetstandards zur Gewährleistung von Interaktionen
zwischen Anwendungen.
Doch die IT wäre nicht die IT, die wir kennen, und
Microsoft wäre nicht das Microsoft von Bill Gates, wenn es
neben den Gemeinsamkeiten nicht auch substanzielle
Unterschiede gäbe:
So lockt .NET beispielsweise damit, dass die gängigen
Programmiersprachen unterstützt werden. Dies freut die
Anwendergemeinde, da dadurch getätigte Investitionen (v.a.
in Qualifizierungsmaßnahmen) geschützt werden. Die Kröte,
die geschluckt werden muss: Auch Microsoft praktiziert mit
.NET Bestandsschutz und beschränkt die Einsetzbarkeit von
.NET auf die eigenen Windows-Betriebssysteme.
J2EE verspricht mit standardisierten
Programmierschnittstellen (APIs) eine weitgehende
Unabhängigkeit von einzelnen Betriebssystemen, zwingt aber
zur Verwendung von Java als Programmiersprache.
Was sich zunächst als einheitlicher Technologietrend in
der IT darstellt, mündet damit im Endeffekt in der
altbekannten, publizitäts- und publikationswirksamen
"Dogmatisierung" des Themas. Heute kämpft nicht der
"Mainframe gegen den PC" oder "Unix gegen den Rest der
Betriebssysteme", sondern der aktuelle Schaukampf läuft
unter dem Motto "Java (bzw. J2EE) versus .NET".
Das Ärgerliche an dieser Situation ist weniger die
Tatsache, dass der Anwender vor dem Dilemma steht, sich
zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden zu
müssen, sondern dass die Art und Weise der Darstellung und
Diskussion der Thematik auf ein Niveau abzugleiten droht,
auf dem die strategische Bedeutung einer langfristigen
Investition in eine Entwicklungsplattform zu kurz kommt.
Selbstverständlich reden wir beim Thema "Java versus .NET"
über technologische Entwicklungen, von denen nun mal die
Techniker unter uns mehr verstehen als die Nicht-
Techniker. Leider werden aber in der technikorientierten
Diskussion Gräben aufgerissen und Positionen zementiert,
die in den notwendigen strategischen und wirtschaftlichen
Abwägungen nur sehr schwer überwunden bzw. relativiert
werden können.
Vor diesem immer wieder auftretenden Diskussionsmuster
machen sich doch berechtigte Zweifel breit, ob die IT-
Anbieter ihre Kunden so gut kennen, dass sie
Nutzenargumente für ihre Produkte und Strategien liefern
können. Andererseits wird damit aber auch offensichtlich,
dass sich die IT-Anwender in der Regel um die Arbeit
drücken, Strategie- und Nutzenpotenziale aufzudecken und
zu bewerten. Aber vielleicht ist diese Art der Behandlung
von Innovationen in der IT auch nur eine Strategie, um
"Zeit zu schinden", da weder die Produkte bereits voll
einsatzfähig angeboten werden, noch die Anwender in der
Lage sind, diese direkt einzusetzen.
Ich motiviere mich selbst mehr und mehr dazu, dieses
Innovationsverhalten positiv zu sehen. Es eröffnet doch
allen Beteiligten die Chance, Zeit zu gewinnen, um
Erfahrungen sammeln zu können. Wenn dann alles gut läuft,
bilden sich während des dargestellten Diskussionsprozesses
für den entscheidungsgeplagten Anwender konkrete
Lösungsalternativen heraus. Ich bin hier auf die
Ergebnisse des "Mono Projects" gespannt, Open-Source-
Implementierungen von .NET unter Linux und Unix lauffähig
zu machen.
Einwurf
von Hans-Peter Fröschle
Alles wird gut!
Wir schreiben das Jahr 2003 und reden nicht mehr von der Informationsgesellschaft und ihren Segnungen, sondern leben bereits mitten in ihr und nutzen beruflich und privat alle Vorteile des universellen Informationszugriffs und der universellen Kommunikation ("zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Form"). Die Werbemaschinerie der großen Hard- und Softwarehersteller suggeriert uns diese schöne neue Welt. Mit dem Internet und dessen Nutzung haben scheinbar alle die allein selig machende Informationsverarbeitungsstrategie der Zukunft gepachtet. Schon seit Jahren tönt es aus der einen Ecke: "Das Netz ist der Computer" (Sun Microsystems und Konsorten). Seit Anfang 2001 bekennen sich nun auch Microsoft und seine Partner zum "Internet als der globalen Plattform für Daten und Dienste". Hinter diesen werbewirksam in die Welt getragenen Bekenntnissen zum Internet zeichnen sich bei den Anbietern inzwischen auch ausformulierte Geschäftsmodelle und spezifizierte Technologien bzw. Produktstrategien ab. Die neuartigen Geschäftsmodelle basieren auf Web-Services und propagieren den Übergang vom Software-Lizenzierungs- zu einem Software-Service-Modell. Inwieweit dies die Softwareindustrie verändern wird, muss sich erst noch zeigen. Konkreter und damit bereits direkt spürbar sind die Auswirkungen der neuen Technologien und Produktstrategien, auf denen diese Geschäftsmodelle basieren. Für die Entwicklung von Internetanwendungen stehen im Wesentlichen zwei alternative Entwicklungsplattformen zur Verfügung: Microsoft setzt auf .NET und die Java-Fraktion verwendet die Java 2 Enterprise Edition (J2EE).
Interessanterweise fallen bei einem Vergleich der technologischen Konzepte und Architekturen der beiden Plattformen zunächst mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede ins Auge: Sowohl J2EE als auch .NET basieren auf einer virtuellen Maschine, verwenden einen neutralen Zwischencode und einheitliche Klassenbibliotheken bei der Softwareerstellung und stützen sich massiv auf Internetstandards zur Gewährleistung von Interaktionen zwischen Anwendungen.
Doch die IT wäre nicht die IT, die wir kennen, und Microsoft wäre nicht das Microsoft von Bill Gates, wenn es neben den Gemeinsamkeiten nicht auch substanzielle Unterschiede gäbe:
Was sich zunächst als einheitlicher Technologietrend in der IT darstellt, mündet damit im Endeffekt in der altbekannten, publizitäts- und publikationswirksamen "Dogmatisierung" des Themas. Heute kämpft nicht der "Mainframe gegen den PC" oder "Unix gegen den Rest der Betriebssysteme", sondern der aktuelle Schaukampf läuft unter dem Motto "Java (bzw. J2EE) versus .NET".
Das Ärgerliche an dieser Situation ist weniger die Tatsache, dass der Anwender vor dem Dilemma steht, sich zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden zu müssen, sondern dass die Art und Weise der Darstellung und Diskussion der Thematik auf ein Niveau abzugleiten droht, auf dem die strategische Bedeutung einer langfristigen Investition in eine Entwicklungsplattform zu kurz kommt. Selbstverständlich reden wir beim Thema "Java versus .NET" über technologische Entwicklungen, von denen nun mal die Techniker unter uns mehr verstehen als die Nicht- Techniker. Leider werden aber in der technikorientierten Diskussion Gräben aufgerissen und Positionen zementiert, die in den notwendigen strategischen und wirtschaftlichen Abwägungen nur sehr schwer überwunden bzw. relativiert werden können.
Vor diesem immer wieder auftretenden Diskussionsmuster machen sich doch berechtigte Zweifel breit, ob die IT- Anbieter ihre Kunden so gut kennen, dass sie Nutzenargumente für ihre Produkte und Strategien liefern können. Andererseits wird damit aber auch offensichtlich, dass sich die IT-Anwender in der Regel um die Arbeit drücken, Strategie- und Nutzenpotenziale aufzudecken und zu bewerten. Aber vielleicht ist diese Art der Behandlung von Innovationen in der IT auch nur eine Strategie, um "Zeit zu schinden", da weder die Produkte bereits voll einsatzfähig angeboten werden, noch die Anwender in der Lage sind, diese direkt einzusetzen.
Ich motiviere mich selbst mehr und mehr dazu, dieses Innovationsverhalten positiv zu sehen. Es eröffnet doch allen Beteiligten die Chance, Zeit zu gewinnen, um Erfahrungen sammeln zu können. Wenn dann alles gut läuft, bilden sich während des dargestellten Diskussionsprozesses für den entscheidungsgeplagten Anwender konkrete Lösungsalternativen heraus. Ich bin hier auf die Ergebnisse des "Mono Projects" gespannt, Open-Source- Implementierungen von .NET unter Linux und Unix lauffähig zu machen.
Hans-Peter Fröschle i.t-consult GmbH Heßbrühlstraße 21 B D-70184 Stuttgart hpf@i-t-consult.de www.i-t-consult.de