HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik

ISSN 1436-3011

02.09.2010


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Neue Konzepte in der Softwareentwicklung

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Editorial

"The vision is that, well before the seventies have run to completion, we shall be able to design and implement the kind of systems that are now straining our programming ability at the expense of only a few percent in man-years of what they cost us now, and that besides that, these systems will bei virtually free of bugs."
Dijkstra, The Humble Programmer, CACM 1972, S. 863

Ein Vierteljahrhundert nach dem anvisierten Zeitpunkt scheint Dijkstras Vision weiter entfernt denn je. Die ökonomischen Voraussetzungen, die er formulierte, sind eingetreten: Investitionen in Software übertreffen jene in Hardware bei weitem. Dass dies damals nicht so war, hielt er für einen Grund, warum Programmierer mit "clumsy techniques" davonkommen konnten. Auch die technischen Voraussetzungen waren schon im Bereich des Möglichen und dennoch scheint sich an den zu lösenden Problemen wenig geändert zu haben. Fehlt es uns folglich an Lösungsansätzen?

Wir wollen zeigen, dass es der (Wirtschafts-)Informatik keineswegs an neuen Konzepten mangelt, vielleicht aber an Mut und Fähigkeit, diese konsequent umzusetzen. Dabei ist "neu" weit zu interpretieren: Vertreten sind Ansätze, die gerade erst am Beginn einer industriellen Erprobung stehen, aber auch Konzepte, die eine konsequente Weiterentwicklung von Bewährtem darstellen, und schließlich solche, die eine Rückbesinnung auf Überholtes zu sein scheinen. Auch der Begriff "Konzept" ist weit zu interpretieren: Neben Ansätzen, die gezielt (top down) gestaltet wurden, stehen andere, die eher unbewusst bottom up entwickelt und erst später als Konzept wahrgenommen wurden. Gemeinsam ist allen, dass sie in der Phase der Entwicklung ansetzen. Dass IT-Budgets in den letzten Jahren kaum noch gewachsen sind und der Anteil für Neuentwicklung gesunken ist, darf nicht als Begründung für eine Vernachlässigung der Entwicklung dienen. Sie ist eher ein Signal dafür, dass bei zumindest gleich bleibender Effektivität die Effizienz gesteigert werden muss. Bedenkt man, dass im ersten Schritt des Softwarelebenszyklus der Grundstock für seinen weiteren Verlauf gelegt wird, so steht langfristig nach wie vor auch die Effektivität unter einem erheblichen Verbesserungsdruck.

Sich die Frage nach der Einführung neuer Konzepte jetzt zu stellen ist für viele Unternehmen aufgrund freier Kapazitäten und großer Konkurrenz nicht nur sinnvoll, sondern existenziell notwendig. Der Markt für die Dienstleistung Software hat sich in kürzester Zeit von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt entwickelt, und der Markt für das Standardprodukt Software hat Markteintrittsbarrieren eingebüßt. Anbieter sehen sich nun in einer Situation, in der Open-Source-Produkte entstehen, die in Dijkstras Worten gesprochen "virtually bug free" sind und zudem fast nichts kosten. Seiner Vision ist die kommerzielle Softwareentwicklung zwar dadurch kaum näher gekommen, aber sie sieht sich einer Konkurrenz ausgesetzt, von der sie entweder lernen oder sich durch andere Mechanismen schützen muss.

Die folgenden Beiträge richten sich an Unternehmen, sowohl im Projekt- als auch im Produktgeschäft. Nicht jedes der Themen wird beide gleichermaßen interessieren, ebenso wenig, wie jedes nach unmittelbarer Umsetzung ruft. Unsere Zielsetzung ist es, einen breiten Überblick zu geben, der Ihnen hilft, ungenutzte Potenziale zu entdecken, aber auch bewusst macht, dass es darauf ankommt, in konkreten Situationen die richtigen Konzepte zu wählen und sinnvoll miteinander zu kombinieren. Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg

Heidi Heilmann

Susanne Strahringer

HMD, Heft 231, Juni 2003

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