HMD 233, 40. Jahrgang, Oktober 2003

Financials

Herausgeber: Heidi Heilmann

Editorial

Die Zeiten, in denen Finanzdienstleister ruhende Pole im Wirtschaftsgeschehen mit stetigem Wachstum und erfreulichen Bilanzen waren, sind vorbei. Die Branche hat sich gravierend verändert, ihre Unternehmen müssen sich wie die übrige Wirtschaft mit Globalisierungs- und Konjunkturproblemen, mit Verdrängungswettbewerb, dem Wandel zu E-Business und virtuellen Organisationen und nicht zuletzt auch mit neuen Standards und gesetzlichen Regelungen auseinander setzen.

Finanzdienstleister begegnen diesen Herausforderungen in vielfältiger Weise durch

  • Reorganisation ihrer Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen,
  • Aufkäufe und Zusammenschlüsse,
  • vertikale und horizontale Kooperationen mit Geschäftspartnern,
  • Intensivierung ihrer Kunden-, Wirtschaftlichkeits- und Risikoorientierung,

und das alles mit umfassender und erfolgsentscheidender IT-Unterstützung.

Die Aussage von Nicholas Carr (Harvard Business Review, Mai 2003; Computerwoche 34/2003), wonach IT in der Vergangenheit als knappe Ressource von strategischer Bedeutung gewesen, heute aber strategisch irrelevantes Allerweltsgut sei, dürfte auch Finanzdienstleister zum Widerspruch reizen: Entscheidet doch bspw. die IT- Integration verschiedener Vertriebskanäle, die Anpassung der Software an neue Regularien und die Qualität von Customer Relationship und Risikomanagement wesentlich über den Erfolg auf dem Markt. Zudem müssen sich Finanzdienstleister als Folge ihrer jahrzehntealten IT- Historie mit überdurchschnittlich vielen Legacy-Systemen und deren Einbindung in moderne IT-Architekturen befassen.

Die Kunden der Finanzdienstleister - also fast alle Unternehmen, Institutionen und Konsumenten - bleiben von diesen Veränderungen nicht unberührt. Auswirkungen betreffen die ihnen eingeräumten Konditionen, die wechselseitige Informationsbereitstellung, Vertragsabwicklung und Arbeitsteilung zwischen Finanzdienstleistern und ihren Kunden. Nicht zuletzt muss auch der IT-Einsatz im Rahmen der Zusammenarbeit von Finanzdienstleister und Kunde harmonisiert werden.

Diese Problemlandschaft beleuchtet das vorliegende HMD- Heft. Ein wesentlicher Aspekt ist zu ergänzen: Im Financials-Bereich sind komplexe und aufwendige IT- Projekte mit hohen Realisierungsrisiken eher die Regel als die Ausnahme. Am Beispiel von zwei langjährigen Projekten der öffentlichen Hand, von denen eines (FISCUS) mit dem Financials-Bereich auch inhaltlich verbunden ist, schildert Sneed außerhalb des Schwerpunktthemas anschaulich, welche Risiken eintreten können, und folgert daraus, dass die Zeit der unternehmensindividuellen Softwareentwicklung dem Ende zugeht. Das Basel-II-Projekt der Landesbanken bietet dazu einen Kontrast: Zehn Landesbanken haben ein gemeinsames Projekt zu deutlich niedrigeren Projektkosten als geschätzt umgesetzt - ein nachahmenswertes Beispiel

Dass auch Sie sich im Financials-Bereich erfolgreich behaupten können, das wünscht Ihnen Ihre

Heidi Heilmann

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