IT-Sicherheit |
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Die 10 Gebote der Informationstechnologie |
Knut Hildebrand |
- Du sollst strategisch denken!
- Du sollst den Anwender achten!
- Du sollst Komplexität meiden!
- Du sollst die IT-Sicherheit befolgen!
- Du sollst Standards nutzen!
- Du sollst laufende Systeme bewahren!
- Du sollst dokumentieren!
- Du sollst deine Leute fördern!
- Du sollst das Gesetz achten!
- Du sollst Rat einholen!
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Die 10 Gebote der Informationstechnologie (IT)? Wieso 10?
Gibt es nicht wesentlich mehr zu beachten? - Sicherlich
kann man ohne weiteres viele Ideen für Vorschriften,
Gebote und Verbote generieren - eine Brainstorming-Sitzung
mit einigen Experten genügte. Daher ist diese subjektiv
geprägte Aufstellung keine abschließende Aufzählung,
sondern als eine offene Liste zu verstehen. Sie entstand
als Sammlung aus dem Meinungsaustausch mit Fachleuten und
soll weiter diskutiert werden. Der Autor freut sich auf
Anregungen
1. Du sollst strategisch denken!
Das erste Gebot verlangt die Zielorientierung der IT, d.h.
eine enge Abstimmung mit den Unternehmenszielen und der
Unternehmensplanung. Die dafür erforderliche strategische
Informationssystemplanung ist ein systematisch-
methodisches Verfahren, welches eine Vorgehensweise zur
Erreichung strategischer IT-Ziele beschreibt.
Es geht also darum, die Unternehmens- und die IT-Strategie
miteinander zu koppeln, um langfristig erfolgreich zu
sein. Typische Themen sind: Wie kann die IT die
Geschäftsmodelle/-prozesse unterstützen? Wie können neue
Geschäftsfelder durch die IT erschlossen werden? Im
Vordergrund steht nicht der kurzfristige Erfolg, die
schnelle Lösung, sondern die optimal ausbalancierte IT,
die genau zum Unternehmen passt.
2. Du sollst den Anwender achten!
Das zweite Gebot beinhaltet, dass der Anwender nicht nur
Betroffener einer IT-Lösung ist, sondern aktiv zu
beteiligen, zu integrieren ist. Die Benutzer-Partizipation
umfasst z.B. die Funktionalität, die Ergonomie und
Bedienbarkeit oder die Implementierung des "Prinzips der
geringsten Verwunderung", d.h. die Sinnhaftigkeit. Ferner
gehört dazu die Anwenderschulung, unterstützt durch das
entsprechende Change Management.
Beachtet man das zweite Gebot, so minimiert man das Risiko
einer fehlenden Akzeptanz und damit das Scheitern von
Projekten.
3. Du sollst Komplexität meiden!
Das dritte Gebot beinhaltet Empfehlungen wie: Du sollst
deine Systeme und Prozesse vereinfachen und
vereinheitlichen. KISS - Keep it short & simple. Du sollst
deine Schnittstellen minimieren. Beachte das Pareto-
Prinzip (80%-Lösungen), denn eine 100%-Lösung beansprucht
viel Aufmerksamkeit. Verwende eine gute Architektur
u.v.a.m.
Richtet man sich nach diesem Gebot, erhält man gut
handhabbare Systeme, denn Komplexität schafft
Intransparenz, diese führt zu Fehlern, mangelnder
Wartbarkeit und schlechter Performance, Migrations- und
Integrationsproblemen und letztlich zur Unbeherrschbarkeit
des IT-Systems.
4. Du sollst die IT-Sicherheit befolgen!
Du sollst deine Daten und Programme sichern. Benutze die
Kryptografie, ändere regelmäßig sinnneutrale Passwörter,
verwende sichere Kommunikationsverbindungen, kümmere dich
um den Virenschutz und den organisatorischen Schutz (4-
Augen-Prinzip, Berechtigungen) u.v.a.m.
Der Nutzen einer sicheren IT ist hoch, denn die Risiken
sind immens: Missbrauch, Informationsdiebstahl,
Datenverlust und manipulation, um nur einige zu nennen.
5. Du sollst Standards nutzen!
Nutze Standards, wo immer es geht und sinnvoll möglich ist
(und es geht öfter als man denkt!). Dazu zählen auch
Industriestandards, Standardschnittstellen und
Standardsoftware. Den Weg der Tugend verlässt, wer
Standardsoftware modifiziert oder herstellerspezifische
Erweiterungen - z.B. bei genormten Programmiersprachen -
nutzt.
Für die Einhaltung des fünften Gebots gibt es eine
Belohnung: Wartung und Integration (von Fremdsystemen)
werden leichter, Migrationsprobleme (z.B. bei proprietären
Systemen, wenn der Hersteller nicht mehr existiert) oder
Release-Wechsel sind kein großes Problem mehr (sondern nur
noch ein kleines).
6. Du sollst laufende Systeme bewahren!
Das sechste Gebot, besser bekannt als: Never change a
running system bzw. never touch a running system - im
Klartext: Ändere laufende System nicht grundlos! (Anm.:
Dies betrifft die Software eines IT-Systems, nicht die
vorbeugende Wartung der Hardware.)
Beachtet man die vorstehenden Gebote, so folgt fast
unmittelbar, dass man robuste Systeme erzeugen bzw.
einsetzen sollte. Das schont die Nerven. Also: Kleine
Fehler tolerieren. Keine Scheinaktivitäten mehr. Keine
Fummelei ("Optimierungen"). Keine unnötigen/zweifelhaften
Eingriffe. Und was hat man davon? Nun, Änderungen führen
zu Fehlern, diese zu Korrekturen und Änderungen, dabei
werden wieder Fehler gemacht usw. Wer laufende Systeme in
Ruhe lässt, vermeidet somit Fehler und Ausfälle.
7. Du sollst dokumentieren!
Die mit Abstand beliebteste Tätigkeit in der gesamten IT-
Welt ist die korrekte Dokumentation (wohl nicht). Selbst
die tollsten Werkzeuge haben die mentale Einstellung von
Legionen von Programmierern und anderen Beteiligten nur
peripher tangiert.
Dennoch: Bei Migration, Wartung, Weiterentwicklung ist
jeder dankbar für die kleinste Grafik oder kryptische
Inline-Sequenzen. Selbst Anwender wissen leicht
verständliche Handbücher zu schätzen. Es gibt also keinen
Grund darauf zu verzichten: auf das Repository,
Prozessmodelle und Diagramme, ein Systeminventar u.v.a.m.
Damit lassen sich Probleme bei Änderungen (Y2K, EUR),
Wartung, Erweiterung und Migration verringern. Und das
spart Zeit und Kosten.
8. Du sollst deine Leute fördern!
Worin unterscheidet sich eine schlechte von einer guten
IT-Abteilung? Ein Faktor ist - neben der Berücksichtigung
der anderen Gebote und der Auswahl der richtigen Leute -
sicherlich der Aufwand, der den beteiligten Personen
(Entwicklern, Projektleitern usw.) zugute kommt. Und da
geht es in einer High-Tech-Gesellschaft nun mal nicht ohne
die entsprechende fortwährende Weiterbildung, d.h., ein
deutlicher Prozentsatz des Budgets wird für
Personalentwicklungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
benötigt.
Das Geld ist gut angelegt, denn es erhöht den Systemnutzen
und die Akzeptanz. Und es verhindert Fehlbedienungen,
Unsicherheit, falsche Entscheidungen im Projektteam, z.B.
die Verwendung veralteter ("bewährter") Technologien,
u.v.a.m.
9. Du sollst das Gesetz achten!
Das neunte Gebot der Bibel lautet: Du sollst nicht
begehren deines Nächsten Haus (2. Moses 20). Frei
übertragen in die IT: Du sollst nicht begehren deines
Nächsten Daten! Das bedeutet beispielsweise, dass das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu achten ist.
Das Ausspähen von Personen, der sorglose Umgang mit
personenbezogenen, sensiblen Daten ist nicht seriös.
Ferner gelten viele weitere Gesetze, etwa die Grundsätze
ordnungsmäßiger Speicherbuchführung, das Signaturgesetz
oder Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit
digitaler Unterlagen (GDPdU).
Die Vergangenheit hat oft gezeigt, dass Unternehmen durch
die Missachtung der Gesetze zumindest eine Schädigung
ihres Ansehens (Vertrauensverlust) erlangt haben, darüber
hinaus auch den Verlust von Geld und Geschäftspartnern.
Gesetzestreue Unternehmen haben also nicht nur die Moral
auf ihrer Seite, sondern auch den Nutzen.
10. Du sollst Rat einholen!
Gute Berater sind nicht billig. Aber sie sparen Zeit, Geld
und falsche Entscheidungen. Sie bringen den
Betriebsblinden das Augenlicht zurück. Nur: Woran erkennt
man einen guten Berater? Nun, man sollte seine Referenzen
und das Know-how ernsthaft prüfen. Wer nur das Konzept
machen will, sollte eine gute Antwort auf die Frage haben,
warum er nicht realisieren will (weil es nicht so einfach
ist?).
Außerdem: Ein guter Berater berät, begleitet und zieht
sich zurück, er ist nur kurz im Projekt. Er stiftet
Nutzen, einen Nutzen, der deutlich höher zu sein hat als
seine Kosten.
Prof. Dr. Knut Hildebrand
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Wirtschaft
Campus Darmstadt / D19-208
Schöfferstr. 10, 64295 Darmstadt
knut.hildebrand@h-da.de, HMD 235
HMD, Heft 236, April 2004
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