Aus meiner Studienzeit erinnere ich mich noch an eine
Tabelle, in der die Lebenszyklen von Software und von
Automobilen gegenübergestellt wurden. Der Lebenszyklus war
in verschiedene Phasen unterteilt und diese Phasen analog
für die beiden Güter beschrieben. Dabei wurde die
Erstellung der Software der Entwicklung eines Automobils
gleichgesetzt. Die Produktionsphase eines Automobils bezog
sich auf einen industriellen Replikationsprozess, bei dem
lauter Exemplare des entsprechenden Modells entstehen. Im
Falle der IT-Produktion war jedoch nicht die
Vervielfältigung, sondern die Nutzung der erstellten
Software gemeint, was eine durchaus geläufige Sichtweise
ist.
Der vorgestellten Analogie liegt meines Erachtens ein
wesentlicher Denkfehler zugrunde, indem unter dem Begriff
Produktion einmal die Erzeugung von Gütern, in dem anderen
Fall die Nutzung eines Gutes gemeint ist. Dabei betrifft
die begriffliche Unterscheidung zwischen Erzeugung und
Nutzung prinzipiell jedes Gebrauchsgut. Dies lässt sich
anhand des Automobils gut verdeutlichen: Ein Automobil
ermöglicht einem Benutzer, sich individuell von einem Ort
zu einem anderen zu bewegen. Demnach handelt es sich um
ein Vehikel für einen Transportdienst. Dieser
Transportdienst ist der zentrale Nutzen eines Automobils.
Um den Volksmund zu bemühen: Ein Auto, das nicht fährt,
ist nichts wert! Damit aber dieser Dienst erbracht werden
kann, reicht ein Automobil keineswegs aus. Benötigt wird
eine umfassende Infrastruktur, wie etwa Straßen,
Parkplätze, Tankstellen. Auch bei einem Informationssystem
handelt es sich letztlich um eine komplexe Infrastruktur
verschiedener technischer und nicht technischer Elemente,
die zusammenwirken müssen, um den gewünschten Nutzen zu
realisieren. Wenn im Zusammenhang mit dem IT-Einsatz von
Produktion gesprochen wird, so ist damit eigentlich schon
immer ein Service gemeint gewesen, nämlich der Betrieb
eines Informationssystems.
Das Betreiben einer IT-Infrastruktur ist keine triviale
Angelegenheit. Dies gilt nicht nur wegen der großen
Komplexität computerbasierter Informationssysteme, bei
denen verschiedenste Komponenten zusammenwirken müssen,
sondern auch wegen massiver Qualitätsprobleme, die
speziell im Zusammenhang mit Software vielfach konstatiert
worden sind. Bill Gates hat einmal anlässlich einer
Computermesse den Fortschritt der Computerindustrie mit
dem der Automobilindustrie verglichen: "Wenn General
Motors (GM) mit der Technologie so mitgehalten hätte wie
die Computerindustrie, dann würden wir heute alle 25-
Dollar-Autos fahren, die 1000 Meilen pro Gallone Sprit
fahren würden." Als Antwort darauf veröffentlichte General
Motors eine Presseerklärung, die diesen Vergleich aufgriff
und ihrerseits die mangelnde Qualität in der
Computerindustrie karikierte. Diese wird hier in
Ausschnitten wiedergegeben:
Wenn General Motors eine Technologie wie Microsoft entwickelt hätte, dann würden wir heute alle Autos mit folgenden Eigenschaften fahren:
Ihr Auto würde ohne erkennbaren Grund zweimal am Tag
einen Unfall haben.
Gelegentlich würde ein Auto ohne erkennbaren Grund auf
der Autobahn einfach ausgehen. Man würde das akzeptieren,
neu starten und weiterfahren.
Wenn man bestimmte Manöver durchführt, wie z.B. eine
Linkskurve, würde das Auto einfach ausgehen und sich
weigern, neu zu starten. Man müsste dann den Motor erneut
installieren.
Gelegentlich würde Sie das Auto ohne erkennbaren Grund
aussperren. Sie könnten nur wieder mit einem Trick
aufschließen. Und zwar müsste man gleichzeitig den
Türgriff ziehen, den Schlüssel drehen und mit einer Hand
an die Radioantenne fassen.
Immer dann, wenn GM ein neues Auto vorstellen würde,
müssten alle Autofahrer das Autofahren neu erlernen, weil
keiner der Bedienhebel genauso funktionieren würde wie in
den alten Autos.
Egal für wie gelungen man diese Satire hält, so legt sie
doch den Finger auf eine wunde Stelle. Im täglichen
Betrieb von computerbasierten Informationssystemen treten
nicht selten Fehler und Mängel auf. Die effektive und
effiziente Behandlung dieser Situationen muss also ein
zentrales Anliegen eines IT-Service sein. Dabei können
Fehler aus unterschiedlichen Gründen resultieren:
Qualitätsprobleme bei der Software selbst,
Integrationsprobleme und Seiteneffekte beim Zusammenspiel
verschiedener Hard- und Softwarekomponenten oder
unzulängliches Know-how der Benutzer beim Handling der IT-
Systeme.
Fairerweise ist anzumerken, dass das Auftreten von Mängeln
und deren Behebung auch bei der Nutzung anderer
Gebrauchsgüter eine nicht unbedeutende Problematik
darstellt. Um wieder den Vergleich zum Automobil
heranzuziehen: Auch Autos bleiben gelegentlich auf der
Straße liegen, springen nicht an oder haben andere
Fehlfunktionen. Die Pannenstatistiken von Automobilclubs
in Deutschland oder der Schweiz geben darüber präzise
Auskunft. Ein wesentliches Leistungsangebot dieser Clubs
ist im Übrigen die Pannenhilfe. Weiterhin treten im
Verkehr noch zahlreiche Probleme auf, die nichts direkt
mit dem Automobil selbst zu tun haben, die aber den
Transportdienst erheblich stören. Wer jemals in einem Stau
stecken geblieben ist, in Innenstädten sich vergebens auf
die Suche nach einer Parkmöglichkeit begeben hat und
schlussendlich eine Parkbuße kassiert hat oder nächtens
hilflos vor dem nicht funktionierenden Kassenautomaten
einer Tankstelle gestanden ist, der weiß, was ich meine
Außerdem sind noch die vielen, häufig menschlichen Fehler
im Straßenverkehr mit zu berechnen, die zu zahlreichen
mehr oder minder gravierenden Unfällen mit Sach- und
Personenschäden führen.
Der mit Hilfe eines Automobils erbrachte Transportdienst
stellt zwar wie bei der IT ein komplexes Zusammenspiel
verschiedener Systemelemente dar, diese Systemelemente
werden aber von verschiedenen Leistungsträgern zur
Verfügung gestellt. Die Kombinationsleistung ist letztlich
von dem Nutzer des Dienstes, dem Autofahrer, zu erbringen.
Es liegt am Benutzer, rechtzeitig für die Betankung des
Fahrzeuges zu sorgen, regelmäßig Kontrollen etwa des
Reifenluftdrucks oder des Ölstandes vorzunehmen oder im
Pannenfall einen Abschleppdienst zu organisieren. Anders
verhält es sich mit dem IT-Bereich, der faktisch eine
Kombination verschiedener Produkte zu einem
Leistungsbündel vornimmt und dieses gegenüber seinen
Benutzern als Dienst anbietet. Wenn eine Analogie
zutrifft, dann wohl eher die zur Eisenbahn, bei der ein
Unternehmen auch die Verantwortung für das ganze System
übernimmt und den Transportdienst aus einer Hand anbietet.
Egal ob eine Lokomotive versagt oder ein Gleisstellwerk
nicht funktioniert, die Bahngesellschaft muss dafür
sorgen, dass die vereinbarte Transportdienstleistung
erbracht wird.
Ist nun der Vergleich von IT-Services zu Bahnfahrten
besser geeignet als der zu Automobilen? Leider passt auch
diese Analogie nicht ganz. Die Rolle der Nutzer der
Dienstleistung Bahnfahrt und die der Nutzer der IT
unterscheiden sich deutlich. Im Falle der Eisenbahn müssen
Nutzer der Transportdienstleistungen keine großen
Eigenleistungen erbringen. Im Wesentlichen sollten sie in
der Lage sein, den passenden Bahnsteig zu finden, in einen
Wagen ein- oder aus einem auszusteigen und sich auf einen
freien Platz setzen zu können. Die anderen notwendigen
Tätigkeiten werden vom Dienstleister, d.h. der
Bahngesellschaft, erbracht. Für die Nutzung von IT ist
dagegen ein mehr oder minder umfangreiches
Handhabungswissen erforderlich. Hier ist wiederum der
Vergleich mit der Nutzung eines Automobils treffender. Da
reicht es nicht aus, sich einfach in den Wagen zu setzen,
man muss auch wissen, wie dieser zu bedienen ist. Für die
möglichst sichere und störungsfreie Nutzung der
Verkehrsinfrastruktur ist es zudem notwendig, die
Straßenverkehrsregeln zu kennen. Ohne diese
Grundfertigkeiten ist ein sinnvoller Gebrauch dieses
Transportmittels nicht möglich. Dazu passt dann folgender
Witz, der die oben zitierte GM-Presseerklärung fortspinnt:
General Motors hat keine Hotline für Personen, die nicht
fahren können, weil Menschen Automobile nicht so unbedarft
kaufen wie Computer. Was wäre allerdings, wenn?
HOTLINE: "General Motors Hotline, wie kann ich Ihnen helfen?"
KUNDE: "Ich bin in mein Auto eingestiegen, habe die Türe geschlossen und es ist nichts passiert!"
HOTLINE: "Haben Sie den Schlüssel in das Zündschloss gesteckt und ihn gedreht?"
KUNDE: "Was ist ein Zündschloss?"
HOTLINE: "Das betätigt den Anlasser, der mit dem Strom von Ihrer Batterie betrieben wird und den Motor in Gang setzt."
KUNDE: "Zündschloss? Anlasser? Batterie? Motor? Wie komme ich dazu, all diese technischen Ausdrücke zu kennen, bloß um mein Auto zu benutzen?"
In dieser Karikatur klingt an, dass IT-Spezialisten vielen
Benutzern unterstellen, sie seien technisch unbeholfen und
verursachten somit überhaupt erst viele
Problemsituationen. In dieser Sichtweise mutieren Benutzer
schnell einmal zum DAU (dümmster anzunehmender User). Auch
wenn man dieses Bild als krasse Überzeichnung zurückweist,
so ist es seitens der Benutzer unrealistisch, sich einfach
in den Sessel zu setzen und die Verantwortung für die IT-
Nutzung ganz und gar auf den IT-Service abschieben zu
wollen. Sie müssen auch über ein Grundverständnis und
Handhabungswissen verfügen, um die angebotenen Dienste
angemessen nutzen zu können. Im Falle des Automobils
besteht der staatliche Zwang, einen Führerschein zu
erwerben, der einem erst die Nutzung des Autos im
Straßenverkehr gestattet. Es ist nahe liegend, auch im
Umgang mit Informationstechnologie einen
"Computerführerschein" zu fordern. Die European Computer
Driving Licence (ECDL) etwa ist ein international
standardisiertes Zertifikat, das praktische Fertigkeiten
in den gebräuchlichsten Computeranwendungen bescheinigt.
Letztlich gehört auch die angemessene Schulung im Gebrauch
der IT-Systeme zu den Aufgabenbereichen des IT-Service.
Zum Schluss: Ich wollte Ihnen mit diesen Ausführungen
gewiss kein Automobil für einen Computer vormachen. Auch
wenn so manches Auto heutzutage eher ein fahrender
Computer ist, was teilweise wiederum typische
Qualitätsprobleme nach sich zieht (siehe oben). Analogien
haben immer ihre Grenzen. Um mit einer bekannten Metapher
zu sprechen: Vergleiche hinken. Auf der anderen Seite
können derartige Analogien neue Einsichten in die Natur
eines Problems eröffnen. In diesem Sinne hoffe ich, Ihnen
einige Anregungen gegeben zu haben.
Einwurf
von Thomas Myrach
Von Computern und Automobilen
Aus meiner Studienzeit erinnere ich mich noch an eine Tabelle, in der die Lebenszyklen von Software und von Automobilen gegenübergestellt wurden. Der Lebenszyklus war in verschiedene Phasen unterteilt und diese Phasen analog für die beiden Güter beschrieben. Dabei wurde die Erstellung der Software der Entwicklung eines Automobils gleichgesetzt. Die Produktionsphase eines Automobils bezog sich auf einen industriellen Replikationsprozess, bei dem lauter Exemplare des entsprechenden Modells entstehen. Im Falle der IT-Produktion war jedoch nicht die Vervielfältigung, sondern die Nutzung der erstellten Software gemeint, was eine durchaus geläufige Sichtweise ist.
Der vorgestellten Analogie liegt meines Erachtens ein wesentlicher Denkfehler zugrunde, indem unter dem Begriff Produktion einmal die Erzeugung von Gütern, in dem anderen Fall die Nutzung eines Gutes gemeint ist. Dabei betrifft die begriffliche Unterscheidung zwischen Erzeugung und Nutzung prinzipiell jedes Gebrauchsgut. Dies lässt sich anhand des Automobils gut verdeutlichen: Ein Automobil ermöglicht einem Benutzer, sich individuell von einem Ort zu einem anderen zu bewegen. Demnach handelt es sich um ein Vehikel für einen Transportdienst. Dieser Transportdienst ist der zentrale Nutzen eines Automobils. Um den Volksmund zu bemühen: Ein Auto, das nicht fährt, ist nichts wert! Damit aber dieser Dienst erbracht werden kann, reicht ein Automobil keineswegs aus. Benötigt wird eine umfassende Infrastruktur, wie etwa Straßen, Parkplätze, Tankstellen. Auch bei einem Informationssystem handelt es sich letztlich um eine komplexe Infrastruktur verschiedener technischer und nicht technischer Elemente, die zusammenwirken müssen, um den gewünschten Nutzen zu realisieren. Wenn im Zusammenhang mit dem IT-Einsatz von Produktion gesprochen wird, so ist damit eigentlich schon immer ein Service gemeint gewesen, nämlich der Betrieb eines Informationssystems.
Das Betreiben einer IT-Infrastruktur ist keine triviale Angelegenheit. Dies gilt nicht nur wegen der großen Komplexität computerbasierter Informationssysteme, bei denen verschiedenste Komponenten zusammenwirken müssen, sondern auch wegen massiver Qualitätsprobleme, die speziell im Zusammenhang mit Software vielfach konstatiert worden sind. Bill Gates hat einmal anlässlich einer Computermesse den Fortschritt der Computerindustrie mit dem der Automobilindustrie verglichen: "Wenn General Motors (GM) mit der Technologie so mitgehalten hätte wie die Computerindustrie, dann würden wir heute alle 25- Dollar-Autos fahren, die 1000 Meilen pro Gallone Sprit fahren würden." Als Antwort darauf veröffentlichte General Motors eine Presseerklärung, die diesen Vergleich aufgriff und ihrerseits die mangelnde Qualität in der Computerindustrie karikierte. Diese wird hier in Ausschnitten wiedergegeben:
Egal für wie gelungen man diese Satire hält, so legt sie doch den Finger auf eine wunde Stelle. Im täglichen Betrieb von computerbasierten Informationssystemen treten nicht selten Fehler und Mängel auf. Die effektive und effiziente Behandlung dieser Situationen muss also ein zentrales Anliegen eines IT-Service sein. Dabei können Fehler aus unterschiedlichen Gründen resultieren: Qualitätsprobleme bei der Software selbst, Integrationsprobleme und Seiteneffekte beim Zusammenspiel verschiedener Hard- und Softwarekomponenten oder unzulängliches Know-how der Benutzer beim Handling der IT- Systeme.
Fairerweise ist anzumerken, dass das Auftreten von Mängeln und deren Behebung auch bei der Nutzung anderer Gebrauchsgüter eine nicht unbedeutende Problematik darstellt. Um wieder den Vergleich zum Automobil heranzuziehen: Auch Autos bleiben gelegentlich auf der Straße liegen, springen nicht an oder haben andere Fehlfunktionen. Die Pannenstatistiken von Automobilclubs in Deutschland oder der Schweiz geben darüber präzise Auskunft. Ein wesentliches Leistungsangebot dieser Clubs ist im Übrigen die Pannenhilfe. Weiterhin treten im Verkehr noch zahlreiche Probleme auf, die nichts direkt mit dem Automobil selbst zu tun haben, die aber den Transportdienst erheblich stören. Wer jemals in einem Stau stecken geblieben ist, in Innenstädten sich vergebens auf die Suche nach einer Parkmöglichkeit begeben hat und schlussendlich eine Parkbuße kassiert hat oder nächtens hilflos vor dem nicht funktionierenden Kassenautomaten einer Tankstelle gestanden ist, der weiß, was ich meine Außerdem sind noch die vielen, häufig menschlichen Fehler im Straßenverkehr mit zu berechnen, die zu zahlreichen mehr oder minder gravierenden Unfällen mit Sach- und Personenschäden führen.
Der mit Hilfe eines Automobils erbrachte Transportdienst stellt zwar wie bei der IT ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Systemelemente dar, diese Systemelemente werden aber von verschiedenen Leistungsträgern zur Verfügung gestellt. Die Kombinationsleistung ist letztlich von dem Nutzer des Dienstes, dem Autofahrer, zu erbringen. Es liegt am Benutzer, rechtzeitig für die Betankung des Fahrzeuges zu sorgen, regelmäßig Kontrollen etwa des Reifenluftdrucks oder des Ölstandes vorzunehmen oder im Pannenfall einen Abschleppdienst zu organisieren. Anders verhält es sich mit dem IT-Bereich, der faktisch eine Kombination verschiedener Produkte zu einem Leistungsbündel vornimmt und dieses gegenüber seinen Benutzern als Dienst anbietet. Wenn eine Analogie zutrifft, dann wohl eher die zur Eisenbahn, bei der ein Unternehmen auch die Verantwortung für das ganze System übernimmt und den Transportdienst aus einer Hand anbietet. Egal ob eine Lokomotive versagt oder ein Gleisstellwerk nicht funktioniert, die Bahngesellschaft muss dafür sorgen, dass die vereinbarte Transportdienstleistung erbracht wird.
Ist nun der Vergleich von IT-Services zu Bahnfahrten besser geeignet als der zu Automobilen? Leider passt auch diese Analogie nicht ganz. Die Rolle der Nutzer der Dienstleistung Bahnfahrt und die der Nutzer der IT unterscheiden sich deutlich. Im Falle der Eisenbahn müssen Nutzer der Transportdienstleistungen keine großen Eigenleistungen erbringen. Im Wesentlichen sollten sie in der Lage sein, den passenden Bahnsteig zu finden, in einen Wagen ein- oder aus einem auszusteigen und sich auf einen freien Platz setzen zu können. Die anderen notwendigen Tätigkeiten werden vom Dienstleister, d.h. der Bahngesellschaft, erbracht. Für die Nutzung von IT ist dagegen ein mehr oder minder umfangreiches Handhabungswissen erforderlich. Hier ist wiederum der Vergleich mit der Nutzung eines Automobils treffender. Da reicht es nicht aus, sich einfach in den Wagen zu setzen, man muss auch wissen, wie dieser zu bedienen ist. Für die möglichst sichere und störungsfreie Nutzung der Verkehrsinfrastruktur ist es zudem notwendig, die Straßenverkehrsregeln zu kennen. Ohne diese Grundfertigkeiten ist ein sinnvoller Gebrauch dieses Transportmittels nicht möglich. Dazu passt dann folgender Witz, der die oben zitierte GM-Presseerklärung fortspinnt:
In dieser Karikatur klingt an, dass IT-Spezialisten vielen Benutzern unterstellen, sie seien technisch unbeholfen und verursachten somit überhaupt erst viele Problemsituationen. In dieser Sichtweise mutieren Benutzer schnell einmal zum DAU (dümmster anzunehmender User). Auch wenn man dieses Bild als krasse Überzeichnung zurückweist, so ist es seitens der Benutzer unrealistisch, sich einfach in den Sessel zu setzen und die Verantwortung für die IT- Nutzung ganz und gar auf den IT-Service abschieben zu wollen. Sie müssen auch über ein Grundverständnis und Handhabungswissen verfügen, um die angebotenen Dienste angemessen nutzen zu können. Im Falle des Automobils besteht der staatliche Zwang, einen Führerschein zu erwerben, der einem erst die Nutzung des Autos im Straßenverkehr gestattet. Es ist nahe liegend, auch im Umgang mit Informationstechnologie einen "Computerführerschein" zu fordern. Die European Computer Driving Licence (ECDL) etwa ist ein international standardisiertes Zertifikat, das praktische Fertigkeiten in den gebräuchlichsten Computeranwendungen bescheinigt. Letztlich gehört auch die angemessene Schulung im Gebrauch der IT-Systeme zu den Aufgabenbereichen des IT-Service.
Zum Schluss: Ich wollte Ihnen mit diesen Ausführungen gewiss kein Automobil für einen Computer vormachen. Auch wenn so manches Auto heutzutage eher ein fahrender Computer ist, was teilweise wiederum typische Qualitätsprobleme nach sich zieht (siehe oben). Analogien haben immer ihre Grenzen. Um mit einer bekannten Metapher zu sprechen: Vergleiche hinken. Auf der anderen Seite können derartige Analogien neue Einsichten in die Natur eines Problems eröffnen. In diesem Sinne hoffe ich, Ihnen einige Anregungen gegeben zu haben.
Prof. Dr. Thomas Myrach Universität Bern Institut für Wirtschaftsinformatik Engehaldenstr. 8 CH-3012 Bern myrach@iwi.unibe.ch www.iwi.unibe.ch