Es gibt verschiedene Open-Source-Modelle; das bekannteste
ist die General Public Licence (GPL). Die Nutzung solcher
Software steht jedermann offen, sofern er sie nicht
verkauft. Die Software wird verschenkt und muss weiter
verschenkt werden, wenn sie weitergegeben wird. Allerdings
ist daran eine wichtige Bedingung geknüpft: Wer die
Software verändert, muss seine Veränderungen ebenfalls
unter genau der gleichen Bedingung frei verfügbar
anbieten.
Das aber stinkt vielen Firmen, die ihre Software gegen
Lizenzgebühren verkaufen wollen, allen voran Microsoft.
Diese Firmen können eine gleichwertige Software nicht mehr
so einfach wie bisher verkaufen, denn sie müssen gut
begründen können, warum ihre Software Geld kosten soll, wo
es doch ähnliche Software unentgeltlich gibt.
Wer Open-Source-Software erstellt, hat Aufwand: Er
entwirft, kodiert und testet Software, ohne finanziellen
Lohn dafür zu bekommen. Auch wer den Vorteil von Open
Source nutzen will, hat erhöhten Aufwand: Er muss die
Software ohne garantierte Unterstützung durch den
Hersteller installieren und betreiben. Und wer den
weiteren Vorteil nutzen will und sich selbst daran macht,
Fehler der Software zu korrigieren oder funktionale
Schwächen durch Ergänzungen zu beseitigen, hat erst recht
viel Aufwand, denn er muss sich tief in den Sourcecode
einarbeiten.
Wozu das alles?
Das stärkste Argument der Verfechter von Open Source ist
die hohe Qualität, die sich mit diesem Verfahren erreichen
lässt: Wenn viele Augen eine Software kritisch durchsehen,
entdecken diese vielen Augen eben auch mehr Fehler oder
Schwächen, als wenige Augen eines einzigen Herstellers
entdecken können. Ein weiteres starkes Argument ist die
Schnelligkeit, mit der Fehler beseitigt werden können:
Wenn ein Fehler bekannt wird, kann sich meist sofort einer
der Entwickler kompetent damit auseinander setzen und den
Fehler beseitigen. Meist - garantiert ist das aber nicht.
Im schlimmsten Fall kann es sehr lange dauern - oder es
geschieht gar nie; schließlich gibt es keine Garantie,
dass ein Fehler binnen einer definierten Zeit beseitigt
wird, wie sie die Hersteller geben können, die Software
gegen Lizenzgebühren verkaufen. Und genau darum geht der
Streit.
Dieses Muster erinnert mich stark an den Streit zwischen
Ethernet und Token Ring in den 80er Jahren: Ethernet mit
seinem stochastischen Protokoll war zu jeder Zeit
durchschnittlich schneller als Token Ring mit seinem
deterministischen, konnte aber eine bestimmte
Reaktionszeit nicht garantieren. Darum wurde viel
gestritten. Lange hat IBM mit diesem Argument den Markt
der LANs mit Token Ring (TR) beherrscht. Gewonnen hat dann
aber doch Ethernet, das mit 10 Mbit/s begonnen hat und
heute sogar mit 10 Gbit/s verfügbar ist. TR hat mit 4
Mbit/s begonnen und sich unter dem Konkurrenzdruck von
Ethernet zwar gesteigert, ist heute aber vom Markt
verschwunden. Ethernet hat sich als freiere Technik
durchgesetzt.
Einwurf
von Michael Mörike
Open Source - was ist eigentlich offen daran?
Es gibt verschiedene Open-Source-Modelle; das bekannteste ist die General Public Licence (GPL). Die Nutzung solcher Software steht jedermann offen, sofern er sie nicht verkauft. Die Software wird verschenkt und muss weiter verschenkt werden, wenn sie weitergegeben wird. Allerdings ist daran eine wichtige Bedingung geknüpft: Wer die Software verändert, muss seine Veränderungen ebenfalls unter genau der gleichen Bedingung frei verfügbar anbieten.
Das aber stinkt vielen Firmen, die ihre Software gegen Lizenzgebühren verkaufen wollen, allen voran Microsoft. Diese Firmen können eine gleichwertige Software nicht mehr so einfach wie bisher verkaufen, denn sie müssen gut begründen können, warum ihre Software Geld kosten soll, wo es doch ähnliche Software unentgeltlich gibt.
Wer Open-Source-Software erstellt, hat Aufwand: Er entwirft, kodiert und testet Software, ohne finanziellen Lohn dafür zu bekommen. Auch wer den Vorteil von Open Source nutzen will, hat erhöhten Aufwand: Er muss die Software ohne garantierte Unterstützung durch den Hersteller installieren und betreiben. Und wer den weiteren Vorteil nutzen will und sich selbst daran macht, Fehler der Software zu korrigieren oder funktionale Schwächen durch Ergänzungen zu beseitigen, hat erst recht viel Aufwand, denn er muss sich tief in den Sourcecode einarbeiten.
Wozu das alles?
Das stärkste Argument der Verfechter von Open Source ist die hohe Qualität, die sich mit diesem Verfahren erreichen lässt: Wenn viele Augen eine Software kritisch durchsehen, entdecken diese vielen Augen eben auch mehr Fehler oder Schwächen, als wenige Augen eines einzigen Herstellers entdecken können. Ein weiteres starkes Argument ist die Schnelligkeit, mit der Fehler beseitigt werden können: Wenn ein Fehler bekannt wird, kann sich meist sofort einer der Entwickler kompetent damit auseinander setzen und den Fehler beseitigen. Meist - garantiert ist das aber nicht. Im schlimmsten Fall kann es sehr lange dauern - oder es geschieht gar nie; schließlich gibt es keine Garantie, dass ein Fehler binnen einer definierten Zeit beseitigt wird, wie sie die Hersteller geben können, die Software gegen Lizenzgebühren verkaufen. Und genau darum geht der Streit.
Dieses Muster erinnert mich stark an den Streit zwischen Ethernet und Token Ring in den 80er Jahren: Ethernet mit seinem stochastischen Protokoll war zu jeder Zeit durchschnittlich schneller als Token Ring mit seinem deterministischen, konnte aber eine bestimmte Reaktionszeit nicht garantieren. Darum wurde viel gestritten. Lange hat IBM mit diesem Argument den Markt der LANs mit Token Ring (TR) beherrscht. Gewonnen hat dann aber doch Ethernet, das mit 10 Mbit/s begonnen hat und heute sogar mit 10 Gbit/s verfügbar ist. TR hat mit 4 Mbit/s begonnen und sich unter dem Konkurrenzdruck von Ethernet zwar gesteigert, ist heute aber vom Markt verschwunden. Ethernet hat sich als freiere Technik durchgesetzt.
In diesem Sinne grüßt Sie grübelnd
Michael Mörike
Dipl.-Physiker Michael Mörike Integrata-Stiftung Schleifmühleweg 70 72070 Tübingen michael.moerike@integrata-stiftung.de www.integrata-stiftung.de