"Wir fangen schwach an und lassen stark nach", lautete
einer der in den achtziger Jahren so beliebten Sponti-
Sprüche, die als Kalenderblatt, Postkarte, Aufkleber oder
Sticker Einzug gehalten haben in zahllose deutsche
Amtsstuben, Vorzimmer, Sekretariate oder Werkstatträume.
Auf ähnliche Weise könnte heute das Verhältnis zwischen
Mittelstand und den Produkten der IT-Branche beschrieben
werden. Angesichts des jähen Endes der Träume vom goldenen
Internetzeitalter, der z.T. triumphalen Renaissance der
lange Jahre unverdient gescholtenen Old Economy mit
besonderem Blick auf den Mittelstand könnte man
rückblickend aber auch sagen, wohl dem, der nicht gleich
bedenkenlos auf den Hochgeschwindigkeitszug "IT-Solutions"
aufgesprungen ist, sondern erst einmal sorgfältig
kalkuliert und analysiert hat und dann in überlegten und
wohl abgewogenen Schritten IT ins Unternehmen geholt hat,
und zwar dorthin, wo sie einen sichtbaren und messbaren
Zugewinn verspricht.
Der Mittelstand, das sind je nach statistischer Basis
zwischen 2,9 und 3,5 Mio. Unternehmen bzw. Selbstständige
in Deutschland, die sowohl für den wirtschaftlichen als
auch für den gesellschaftlichen Standard unseres Landes
unverzichtbar sind. Unternehmen, die 70% aller
Arbeitsplätze und 80% aller Ausbildungsplätze
bereitstellen und denen wir mehr als 41% der
gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung verdanken. Geleitet
werden sie von Unternehmerinnen und Unternehmern, die
bereit sind, sich den speziellen Risiken des Wettbewerbs
zu stellen und die für die Konsequenzen ihrer Irrtümer und
Fehlentscheidungen selbst einzustehen haben, ohne
Bestandsgarantie oder staatlicher Hilfe bei
wirtschaftlichen Schieflagen. Für Wirtschaft und
Gesellschaft eine unverzichtbare Größe, für Verkäufer
indessen eine interessante Zielgruppe
Und was soll nicht alles im Mittelstand an die Frau, den
Mann gebracht werden. Die maßgeschneiderte
Führungskonzeption, die betriebsindividuelle Problemlösung
via Beratung, das ideale Finanzierungskonzept, die
bedarfsgerechte EDV-Lösung und in jüngerer Zeit eben die
alle Sorgen vertreibende IT-Solution. Auf Grundlage
persönlicher Gespräche äußert der Verfasser die ketzerisch
klingende Vermutung, dass viele der derzeitigen Angebote
am Bedarf der Unternehmen vorbeigehen bzw. das Ergebnis
von Strategie-Meetings sind, auf denen die Frage
diskutiert wurde: Wofür könnte der Mittelstand das
gebrauchen, was wir gerade im Angebot haben.
Der Einstieg der IT-Branche in den Absatzbereich
Mittelstand war ja auch durchaus viel versprechend. Eine
empirische Untersuchung des Instituts für
Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) aus dem Jahre 1999
zeigte, dass knapp zwei Drittel aller deutschen
Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt bereits IT-aktiv
waren, wenn man stellvertretend für IT-Aktivitäten die
Nutzung des Internets für betriebliche Zwecke ansieht.
Hält man an diesen Durchschnittsbefund allerdings die
statistische Lupe, dann entdeckt man, dass der relativ
hohe Verbreitungsgrad des Internets in der Wirtschaft vor
allem den größeren Unternehmen zu verdanken war. Von den
Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten - und hierzu
gehören gut 85% aller deutschen Mittelstandsunternehmen -
hatten sich damals nur gut die Hälfte bereits auf das Netz
der Netze eingelassen. Hingegen war Ende der neunziger
Jahre für rund 98% aller Unternehmen mit mehr als 100
Beschäftigten, hierzu gehört aber nur etwa 1% aller
deutschen Mittelstandsunternehmen, die betriebliche
Nutzung des Internets selbstverständlich. Dieser Befund
lehrt uns zweierlei: Zunächst einmal gehört der
zahlenmäßig gewichtigere Teil des Mittelstands zum Kreis
der Kleinunternehmen mit weniger als 20 bzw. 10
Beschäftigten. Nur ein verhältnismäßig geringer Teil
gehört zum Kreis der größeren Mittelstandsunternehmen. Je
nachdem, wo man die Grenze nun zieht, ob bei 50 oder 100
Beschäftigten, handelt es sich bei diesem Kreis um nicht
mehr als 80.000 bzw. gut 30.000 Unternehmen. Zwischen
diesen beiden Mittelstandsblöcken bestehen zweitens - bei
vielen Gemeinsamkeiten - doch erhebliche Unterschiede
organisatorischer, aufgabenspezifischer, häufig auch
mentaler Art. Diese Unterschiede setzen sich fort im
Bedarf des Mittelstands an Rat, Hilfe und letztlich eben
auch an IT-Lösungen.
Wenn eine große Fachzeitung Mitte des Jahres 2000 auf
ihrer Titelseite jubilierte: "Deutsche Mittelständler sind
E-Commerce-Vorreiter der EU", dann sind solche plakativen
Feststellungen mit Vorsicht zu genießen. Sie suggerieren
die allgemeine Gültigkeit von Durchschnittswerten, die
aber genau die Tatsache außer Acht lassen, dass die Dinge
bei 85% bis 95% aller Mittelstandsunternehmen eben anders
- meist bescheidener - liegen, wofür gute Gründe
ausschlaggebend sind. Allen voran die Kosten für
Anschaffung und Betrieb, die hier in der Regel aus eigener
Tasche bestritten werden müssen. Daran ändert auch nichts,
dass das Jahr 2001 zum "Jahr des E-Business" erklärt
wurde.
Nicht zuletzt deshalb, aber natürlich auch wegen der viel
zitierten Wissensdefizite im Mittelstand, trennt sich
abermals das Heer der kleinen Unternehmen von der Hand
voll größerer Mittelständler. An der Schwelle zum
Millennium bestand die Hauptattraktion des betrieblich
genutzten Internets noch im Versand und Empfang von E-
Mails (77% aller Unternehmen) und dem Zugang zur Welt der
Informationsdienste (73%). Über eine eigene Homepage
verfügten vor gut vier Jahren noch nicht einmal oder
gerade die Hälfte aller Unternehmen mit weniger als 50
Beschäftigten, hingegen zwischen knapp 71% bis 81% aller
Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Intranet zur
Verbesserung der internen Kommunikations- und
Organisationsstrukturen gab es nicht einmal in jedem
vierten kleinen und nur in jedem zweiten größeren
Mittelstandsunternehmen; zur Neuordnung der
Geschäftsabläufe nutzten zwischen 22% und 30% der
Unternehmen, gleich welcher Größe, die "neue" Technologie
und das Onlineshopping (B2B, B2C), damals für die Medien
das Fenster zum großen Geld und die Wachstumsquelle
schlechthin, war es für ca. 90% aller deutschen
Unternehmen noch unbekanntes oder unerschlossenes Terrain.
Immerhin, die erste Hürde war übersprungen, die Wirtschaft
und auch der Mittelstand waren schon 1999/2000 online. Man
fing also durchaus stark an.
Seither hat sich die Welt gedreht und gerade im IT-Bereich
dreht sie sich bekanntlich besonders schnell. Mehr als 90%
der kleinen und knapp 100% der größeren Mittelständler
verfügen heute im Unternehmen über Internetanschluss. Aber
in der Anwendung und Nutzung ist man über einen viel
versprechenden Einstieg noch nicht entscheidend
hinausgekommen. Wie die Studie mind-Mittelstand in
Deutschland der Zeitschrift Impulse und des IfM Bonn
offenbart, ist immer noch die eigene E-Mail-Adresse die
Hauptattraktion des Internets. Die eigene Homepage, für
immer mehr Privatpersonen eine Selbstverständlichkeit,
präsentiert deutlich weniger bis gut die Hälfte aller
kleinen Mittelstandsunternehmen. Die Homepage als
Präsentationsplattform für Produktinformationen und
Einstieg in Serviceangebote gibt es erst in einem Drittel
aller kleinen, aber bei gut 50% bis 75% der größeren
Unternehmen. Kundensupport qua Internet wird erst von
Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten angeboten - und
auch hier nur von gut jedem zweiten! Nicht einmal jedes
siebte Unternehmen setzt auf B2C, B2B, B2A. Noch weniger
machen von den organisatorischen oder effizienzsteigernden
Möglichkeiten, die der IT-Bereich den eigenen
Darstellungen zufolge anbietet, Gebrauch. Den großen
Innovationsschub im Mittelstand auf breiter Basis hat die
Informationstechnologie bisher also noch nicht ausgelöst.
Vielleicht auch deshalb, weil der Mittelstand seit nahezu
drei Jahren andere Sorgen hat. Schwache Konjunkturdaten,
wachsende Finanzierungsprobleme, zunehmender Wettbewerb
und unsichere Zukunftserwartungen zwingen die Unternehmer
zu Vorsicht und Zurückhaltung bei
Investitionsentscheidungen. Und dies gilt insbesondere für
eine Technologie, die sie nur unzureichend beherrschen und
deren Reifegrad sie nicht abzuschätzen vermögen.
Nota bene! Die obigen Darlegungen betreffen den
Mittelstand als Ganzes, doch der Mittelstand wäre nicht
der Mittelstand, wenn es keine Ausnahmen von der Regel
gäbe. Und auch wenn man Mittelstand unter dem Focus IT-
Anwendungen betrachtet, gibt es die berühmten Abweichungen
vom Durchschnitt. Einmal mehr sind es die erfolgreichen
Mittelständler oder Hidden Champions, die jeder
Generalisierung Grenzen setzen. Sie sind
überdurchschnittlich gut, in jeder Beziehung, und dadurch
auch überdurchschnittlich erfolgreich. Sie waren und sind
stets aufgeschlossen für neue Technologien und nutzen
somit auch die Möglichkeiten, die der IT-Sektor bietet.
Nur sind sie erstens nicht erfolgreich, weil sie neue
Technologien einschließlich IT nutzen, sondern sie nutzen
die Angebote der IT-Branche, weil sie erfolgreich sind,
und zweitens, es gibt zwar viele, aber gemessen an den
knapp 3 Mio. mittelständischen Unternehmen doch nur eine
kleine Zahl solcher Champions in Deutschland. Um sie buhlt
die Wissenschaft auf der eifrigen Suche nach
Erfolgsdeterminanten fast genau so wie die IT-Branche, um
ihre Produkte an die Frau, den Mann zu bringen.
Dr. Gunter KayserWissenschaftlicher GeschäftsführerInstitut für Mittelstandsforschung BonnMaximilianstr. 2053111 Bonnkayser@ifm-bonn.orgwww.ifm-bonn.org
Einwurf
von Gunter Kayser
"Wir fangen schwach an und lassen stark nach", lautete einer der in den achtziger Jahren so beliebten Sponti- Sprüche, die als Kalenderblatt, Postkarte, Aufkleber oder Sticker Einzug gehalten haben in zahllose deutsche Amtsstuben, Vorzimmer, Sekretariate oder Werkstatträume. Auf ähnliche Weise könnte heute das Verhältnis zwischen Mittelstand und den Produkten der IT-Branche beschrieben werden. Angesichts des jähen Endes der Träume vom goldenen Internetzeitalter, der z.T. triumphalen Renaissance der lange Jahre unverdient gescholtenen Old Economy mit besonderem Blick auf den Mittelstand könnte man rückblickend aber auch sagen, wohl dem, der nicht gleich bedenkenlos auf den Hochgeschwindigkeitszug "IT-Solutions" aufgesprungen ist, sondern erst einmal sorgfältig kalkuliert und analysiert hat und dann in überlegten und wohl abgewogenen Schritten IT ins Unternehmen geholt hat, und zwar dorthin, wo sie einen sichtbaren und messbaren Zugewinn verspricht.
Der Mittelstand, das sind je nach statistischer Basis zwischen 2,9 und 3,5 Mio. Unternehmen bzw. Selbstständige in Deutschland, die sowohl für den wirtschaftlichen als auch für den gesellschaftlichen Standard unseres Landes unverzichtbar sind. Unternehmen, die 70% aller Arbeitsplätze und 80% aller Ausbildungsplätze bereitstellen und denen wir mehr als 41% der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung verdanken. Geleitet werden sie von Unternehmerinnen und Unternehmern, die bereit sind, sich den speziellen Risiken des Wettbewerbs zu stellen und die für die Konsequenzen ihrer Irrtümer und Fehlentscheidungen selbst einzustehen haben, ohne Bestandsgarantie oder staatlicher Hilfe bei wirtschaftlichen Schieflagen. Für Wirtschaft und Gesellschaft eine unverzichtbare Größe, für Verkäufer indessen eine interessante Zielgruppe
Und was soll nicht alles im Mittelstand an die Frau, den Mann gebracht werden. Die maßgeschneiderte Führungskonzeption, die betriebsindividuelle Problemlösung via Beratung, das ideale Finanzierungskonzept, die bedarfsgerechte EDV-Lösung und in jüngerer Zeit eben die alle Sorgen vertreibende IT-Solution. Auf Grundlage persönlicher Gespräche äußert der Verfasser die ketzerisch klingende Vermutung, dass viele der derzeitigen Angebote am Bedarf der Unternehmen vorbeigehen bzw. das Ergebnis von Strategie-Meetings sind, auf denen die Frage diskutiert wurde: Wofür könnte der Mittelstand das gebrauchen, was wir gerade im Angebot haben.
Der Einstieg der IT-Branche in den Absatzbereich Mittelstand war ja auch durchaus viel versprechend. Eine empirische Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) aus dem Jahre 1999 zeigte, dass knapp zwei Drittel aller deutschen Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt bereits IT-aktiv waren, wenn man stellvertretend für IT-Aktivitäten die Nutzung des Internets für betriebliche Zwecke ansieht. Hält man an diesen Durchschnittsbefund allerdings die statistische Lupe, dann entdeckt man, dass der relativ hohe Verbreitungsgrad des Internets in der Wirtschaft vor allem den größeren Unternehmen zu verdanken war. Von den Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten - und hierzu gehören gut 85% aller deutschen Mittelstandsunternehmen - hatten sich damals nur gut die Hälfte bereits auf das Netz der Netze eingelassen. Hingegen war Ende der neunziger Jahre für rund 98% aller Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten, hierzu gehört aber nur etwa 1% aller deutschen Mittelstandsunternehmen, die betriebliche Nutzung des Internets selbstverständlich. Dieser Befund lehrt uns zweierlei: Zunächst einmal gehört der zahlenmäßig gewichtigere Teil des Mittelstands zum Kreis der Kleinunternehmen mit weniger als 20 bzw. 10 Beschäftigten. Nur ein verhältnismäßig geringer Teil gehört zum Kreis der größeren Mittelstandsunternehmen. Je nachdem, wo man die Grenze nun zieht, ob bei 50 oder 100 Beschäftigten, handelt es sich bei diesem Kreis um nicht mehr als 80.000 bzw. gut 30.000 Unternehmen. Zwischen diesen beiden Mittelstandsblöcken bestehen zweitens - bei vielen Gemeinsamkeiten - doch erhebliche Unterschiede organisatorischer, aufgabenspezifischer, häufig auch mentaler Art. Diese Unterschiede setzen sich fort im Bedarf des Mittelstands an Rat, Hilfe und letztlich eben auch an IT-Lösungen.
Wenn eine große Fachzeitung Mitte des Jahres 2000 auf ihrer Titelseite jubilierte: "Deutsche Mittelständler sind E-Commerce-Vorreiter der EU", dann sind solche plakativen Feststellungen mit Vorsicht zu genießen. Sie suggerieren die allgemeine Gültigkeit von Durchschnittswerten, die aber genau die Tatsache außer Acht lassen, dass die Dinge bei 85% bis 95% aller Mittelstandsunternehmen eben anders - meist bescheidener - liegen, wofür gute Gründe ausschlaggebend sind. Allen voran die Kosten für Anschaffung und Betrieb, die hier in der Regel aus eigener Tasche bestritten werden müssen. Daran ändert auch nichts, dass das Jahr 2001 zum "Jahr des E-Business" erklärt wurde.
Nicht zuletzt deshalb, aber natürlich auch wegen der viel zitierten Wissensdefizite im Mittelstand, trennt sich abermals das Heer der kleinen Unternehmen von der Hand voll größerer Mittelständler. An der Schwelle zum Millennium bestand die Hauptattraktion des betrieblich genutzten Internets noch im Versand und Empfang von E- Mails (77% aller Unternehmen) und dem Zugang zur Welt der Informationsdienste (73%). Über eine eigene Homepage verfügten vor gut vier Jahren noch nicht einmal oder gerade die Hälfte aller Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten, hingegen zwischen knapp 71% bis 81% aller Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Intranet zur Verbesserung der internen Kommunikations- und Organisationsstrukturen gab es nicht einmal in jedem vierten kleinen und nur in jedem zweiten größeren Mittelstandsunternehmen; zur Neuordnung der Geschäftsabläufe nutzten zwischen 22% und 30% der Unternehmen, gleich welcher Größe, die "neue" Technologie und das Onlineshopping (B2B, B2C), damals für die Medien das Fenster zum großen Geld und die Wachstumsquelle schlechthin, war es für ca. 90% aller deutschen Unternehmen noch unbekanntes oder unerschlossenes Terrain. Immerhin, die erste Hürde war übersprungen, die Wirtschaft und auch der Mittelstand waren schon 1999/2000 online. Man fing also durchaus stark an.
Seither hat sich die Welt gedreht und gerade im IT-Bereich dreht sie sich bekanntlich besonders schnell. Mehr als 90% der kleinen und knapp 100% der größeren Mittelständler verfügen heute im Unternehmen über Internetanschluss. Aber in der Anwendung und Nutzung ist man über einen viel versprechenden Einstieg noch nicht entscheidend hinausgekommen. Wie die Studie mind-Mittelstand in Deutschland der Zeitschrift Impulse und des IfM Bonn offenbart, ist immer noch die eigene E-Mail-Adresse die Hauptattraktion des Internets. Die eigene Homepage, für immer mehr Privatpersonen eine Selbstverständlichkeit, präsentiert deutlich weniger bis gut die Hälfte aller kleinen Mittelstandsunternehmen. Die Homepage als Präsentationsplattform für Produktinformationen und Einstieg in Serviceangebote gibt es erst in einem Drittel aller kleinen, aber bei gut 50% bis 75% der größeren Unternehmen. Kundensupport qua Internet wird erst von Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten angeboten - und auch hier nur von gut jedem zweiten! Nicht einmal jedes siebte Unternehmen setzt auf B2C, B2B, B2A. Noch weniger machen von den organisatorischen oder effizienzsteigernden Möglichkeiten, die der IT-Bereich den eigenen Darstellungen zufolge anbietet, Gebrauch. Den großen Innovationsschub im Mittelstand auf breiter Basis hat die Informationstechnologie bisher also noch nicht ausgelöst. Vielleicht auch deshalb, weil der Mittelstand seit nahezu drei Jahren andere Sorgen hat. Schwache Konjunkturdaten, wachsende Finanzierungsprobleme, zunehmender Wettbewerb und unsichere Zukunftserwartungen zwingen die Unternehmer zu Vorsicht und Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen. Und dies gilt insbesondere für eine Technologie, die sie nur unzureichend beherrschen und deren Reifegrad sie nicht abzuschätzen vermögen.
Nota bene! Die obigen Darlegungen betreffen den Mittelstand als Ganzes, doch der Mittelstand wäre nicht der Mittelstand, wenn es keine Ausnahmen von der Regel gäbe. Und auch wenn man Mittelstand unter dem Focus IT- Anwendungen betrachtet, gibt es die berühmten Abweichungen vom Durchschnitt. Einmal mehr sind es die erfolgreichen Mittelständler oder Hidden Champions, die jeder Generalisierung Grenzen setzen. Sie sind überdurchschnittlich gut, in jeder Beziehung, und dadurch auch überdurchschnittlich erfolgreich. Sie waren und sind stets aufgeschlossen für neue Technologien und nutzen somit auch die Möglichkeiten, die der IT-Sektor bietet. Nur sind sie erstens nicht erfolgreich, weil sie neue Technologien einschließlich IT nutzen, sondern sie nutzen die Angebote der IT-Branche, weil sie erfolgreich sind, und zweitens, es gibt zwar viele, aber gemessen an den knapp 3 Mio. mittelständischen Unternehmen doch nur eine kleine Zahl solcher Champions in Deutschland. Um sie buhlt die Wissenschaft auf der eifrigen Suche nach Erfolgsdeterminanten fast genau so wie die IT-Branche, um ihre Produkte an die Frau, den Mann zu bringen.
Dr. Gunter Kayser Wissenschaftlicher Geschäftsführer Institut für Mittelstandsforschung Bonn Maximilianstr. 20 53111 Bonn kayser@ifm-bonn.org www.ifm-bonn.org