HMD 242, 42. Jahrgang, April 2005

Virtuelle Organisationen

Herausgeber: Heidi Heilmann, Hubert Österle, Rainer Alt

Editorial

Seit das 1992 erschienene Buch von Davidow und Malone "The Virtual Corporation" die erste breite Diskussion zu virtuellen Organisationen ausgelöst hat, haben wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, mehrfach über dieses Thema informiert. Zuerst 1995 im HMD-Heft 185 (Schwerpunkt: "Virtuelle Organisation"), dann erneut mit Beiträgen in den Heften 192 und 200. Im vorliegenden Heft geben wir Ihnen einen aktuellen Überblick zum Stand virtueller Organisationen in Wissenschaft und Praxis.

Die Autoren des Grundlagenbeitrags von 1995 (O. Arnold, W. Faisst, M. Härtling und P. Sieber, seinerzeit junge Wissenschaftler an den Universitäten Leipzig, Erlangen- Nürnberg und Bern) haben damals ausgeführt, die Entwickung virtueller Unternehmen in der Praxis stehe noch am Anfang, und ihre Arbeitsdefinition nannte die Merkmale, die Sie im Glossar dieses Heftes unter "Idealtyp" einer virtuellen Organisation finden: Eine Kooperationsform rechtlich unabhängiger Unternehmen, Institutionen und/oder Einzelpersonen, die ihre Kernkompetenzen auf der Basis eines gemeinsamen Geschäftsverständnisses einbringen, gegenüber Dritten wie eine einheitliche Organisation auftreten, weitgehend auf zentrale Managementfunktionen verzichten und IuK-Technologien i.R. der Zusammenarbeit intensiv nützen.

Was ist daraus in den letzten zehn Jahren geworden? Die Zahl virtueller Organisationen im Sinne des Idealtyps ist nicht explosionsartig gewachsen. Auch Prognosen bestätigen das, bspw. hat die 2003 veröffentlichte BSI-Studie "Kommunikations- und Informationstechnik 2010+3" für die Frage "Etablierung virtueller Unternehmen weit verbreitet" einen Zeitraum von 6 bis 10 Jahren ermittelt - und der liegt noch vor uns! Aber wir können alle beobachten, wie sich der Grundgedanke virtueller Organisation im weiteren, funktionalen Sinn einer räumlichen und zeitlichen Entkopplung arbeitsteiliger Prozesse und deren Verteilung auf mehrere Organisationen weiter verbreitet. Deshalb ist es auch gelungen, so viele Autoren für Fallbeispiele virtueller Organisationen zu verpflichten, dass nicht alle angenommenen Beiträge Platz gefunden haben: Wir werden Ihnen in den Folgeheften weitere Fallbeispiele vorstellen.

Die Gastherausgeber dieses Heftes, die Professoren Österle und Alt von der Universität St. Gallen, haben auf der Basis ihrer zehnjährigen Erfahrungen im Forschungsschwerpunkt "Business Networking" ihrer Hochschule nicht nur den Grundlagenbeitrag zu diesem Heft geschrieben, sondern darüber hinaus viele wertvolle Überlegungen zum Thema ebenso wie Autoren und Beiträge eingebracht.

Die Herausgeber hoffen, dass Ihnen das HMD-Heft 242 viele Anregungen vermittelt und Sie in eine faszinierende und herausfordernde virtuelle Zukunft begleitet.

Heidi Heilmann Hubert Österle Rainer Alt

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