Viele sprechen davon, manche nutzen sie tatsächlich: IT-Anwendungen,
auf die das "M", Akronym für "Mobilität", zutrifft. Skeptiker sagen,
dass sich der "E"-Hype gelegt und nun etwas Neues, in diesem Fall das
"M", zu kommen habe. Darin liegt in jedem Fall ein Stück Wahrheit, da
unsere Branche auch von Hypes lebt und mancher Hype sehr profitabel
sein kann. Dennoch ist "M" (noch) kein Hype und mobile Anwendungen
sind technologisch und aus Anwendersicht so unterschiedlich, dass ein
neues, sich vom "E" abgrenzendes Akronym gerechtfertigt scheint.
Zum einen hat sich die Kommunikationsinfrastruktur so drastisch weg
von verdrahteten Technologien entwickelt, dass heute drahtlose
Kommunikationsmedien vernünftiger Bandbreite nahezu flächendeckend zur
Verfügung stehen. Wer das nicht glaubt, sollte einmal versuchen, auf
manch einer Schweizer Berghütte seine/ihre E-Mails per GPRS zu lesen -
ich finde das immer noch verblüffend. Darüber hinaus verfügen die
meisten Ballungszentren heute über eine gute WLAN-Infrastruktur,
besonders an Transportknotenpunkten, die drahtlose Kommunikation mit
ausgezeichneten Datenraten erlaubt.
Zum anderen scheinen mobile Anwendungen auch der Versuch zu sein,
Computeranwendungen auf dafür völlig unpassend dimensionierten Geräten
ablaufen zu lassen. Und hier liegt, meiner Ansicht nach, auf die Dauer
die größte Herausforderung: Drahtlos flächendeckend verfügbare
Bandbreite wird zunehmen, aber wie lassen sich Geräte gleichzeitig in
die Tasche stecken und benutzerfreundlich bedienen? (Mittels eines
Laptops eine E-Mail zu verfassen erscheint mir immer noch um einiges
attraktiver als das Verfassen einer SMS-Nachricht.) Dennoch ist z.B.
SMS, einschließlich der Nachfolgeprodukte wie MMS, sehr erfolgreich.
Woran liegt's? SMS ist praktisch ortsunabhängig einsetzbar, für kurze
Nachrichten einigermaßen gut geeignet und, im Vergleich zum
"Konkurrenzprodukt" Telefonieren, kostengünstiger und
multicastingfähig (dieselbe Nachricht lässt sich an mehrere Empfänger
versenden).
Vielleicht haben Sie sich schon einmal, wie ich auch, auf
Bahnreisen oder in ähnlichen Situationen über die Vielfalt
an Tönen amüsiert oder aufgeregt, mit denen Benutzer und
Benutzerinnen über die Ankunft einer neuen SMS oder über
einen eingehenden Anruf informiert werden. Wie unangenehm
diese Entwicklung auf manche auch wirkt, der Markt für
Klingeltöne ist ein Milliardengeschäft. Anwenderinnen und
Anwender sind bereit, für die Personalisierung ihrer
mobilen Geräte Preise zu bezahlen, die Gewinnspannen
enthalten, die in anderen Branchen als Wucher betrachtet
würden.
Was machen Sie außerdem, wenn Sie parken möchten und
ausgerechnet nicht das notwendige Kleingeld für den
Parkautomaten dabeihaben? Mit etwas Glück können Sie mit
"M" bezahlen. Bei mobilen elektronischen Bezahlsystemen
geht es darum, etwas, das Sie immer bei sich haben,
vielleicht aber nicht passend - Ihr Geld -, durch etwas zu
substituieren, das Sie auch immer bei sich haben - z.B.
Ihr Mobiltelefon. Die Integration mehrerer, üblicherweise
in unterschiedlicher physischer Form vorhandener Güter
oder Dienste und deren Verfügbarmachen in einem Gerät
liefern hier den Mehrwert, der für Benutzerinnen und
Benutzer attraktiv ist: "Wenn ich nur noch ein "Ding"
statt dreien mit mir herumtragen muss, dann ist das
praktisch."
Zusammenfassend machen ortsunabhängige Verfügbarkeit eines
Dienstes, Multicasting-Möglichkeiten und
Dienstesubstitution/-integration mobile Anwendungen
attraktiv. Und wenn sie noch personalisiert werden können,
ist dies umso attraktiver für die zu erreichende
Benutzergruppe.
Falls Sie also Ihr Auto noch nicht per Mobiltelefon
bezahlt haben, beeilen Sie sich, nicht den Anschluss zu
verpassen. Herzlich willkommen in der schönen neuen "M"-
Welt. Eine interessante und spannende Lektüre dieser HDM-
Ausgabe wünscht
Prof. Ulrich Ultes-NitscheUniversität FribourgDepartement für InformatikForschungsgruppe Telecommunications,Networks & SecurityRue Faucigny 2CH-1700 Fribourguun@unifr.chwww.unifr.ch
Einwurf
von Ulrich Ultes-Nitsche
Viele sprechen davon, manche nutzen sie tatsächlich: IT-Anwendungen, auf die das "M", Akronym für "Mobilität", zutrifft. Skeptiker sagen, dass sich der "E"-Hype gelegt und nun etwas Neues, in diesem Fall das "M", zu kommen habe. Darin liegt in jedem Fall ein Stück Wahrheit, da unsere Branche auch von Hypes lebt und mancher Hype sehr profitabel sein kann. Dennoch ist "M" (noch) kein Hype und mobile Anwendungen sind technologisch und aus Anwendersicht so unterschiedlich, dass ein neues, sich vom "E" abgrenzendes Akronym gerechtfertigt scheint.
Zum einen hat sich die Kommunikationsinfrastruktur so drastisch weg von verdrahteten Technologien entwickelt, dass heute drahtlose Kommunikationsmedien vernünftiger Bandbreite nahezu flächendeckend zur Verfügung stehen. Wer das nicht glaubt, sollte einmal versuchen, auf manch einer Schweizer Berghütte seine/ihre E-Mails per GPRS zu lesen - ich finde das immer noch verblüffend. Darüber hinaus verfügen die meisten Ballungszentren heute über eine gute WLAN-Infrastruktur, besonders an Transportknotenpunkten, die drahtlose Kommunikation mit ausgezeichneten Datenraten erlaubt.
Zum anderen scheinen mobile Anwendungen auch der Versuch zu sein, Computeranwendungen auf dafür völlig unpassend dimensionierten Geräten ablaufen zu lassen. Und hier liegt, meiner Ansicht nach, auf die Dauer die größte Herausforderung: Drahtlos flächendeckend verfügbare Bandbreite wird zunehmen, aber wie lassen sich Geräte gleichzeitig in die Tasche stecken und benutzerfreundlich bedienen? (Mittels eines Laptops eine E-Mail zu verfassen erscheint mir immer noch um einiges attraktiver als das Verfassen einer SMS-Nachricht.) Dennoch ist z.B. SMS, einschließlich der Nachfolgeprodukte wie MMS, sehr erfolgreich. Woran liegt's? SMS ist praktisch ortsunabhängig einsetzbar, für kurze Nachrichten einigermaßen gut geeignet und, im Vergleich zum "Konkurrenzprodukt" Telefonieren, kostengünstiger und multicastingfähig (dieselbe Nachricht lässt sich an mehrere Empfänger versenden).
Vielleicht haben Sie sich schon einmal, wie ich auch, auf Bahnreisen oder in ähnlichen Situationen über die Vielfalt an Tönen amüsiert oder aufgeregt, mit denen Benutzer und Benutzerinnen über die Ankunft einer neuen SMS oder über einen eingehenden Anruf informiert werden. Wie unangenehm diese Entwicklung auf manche auch wirkt, der Markt für Klingeltöne ist ein Milliardengeschäft. Anwenderinnen und Anwender sind bereit, für die Personalisierung ihrer mobilen Geräte Preise zu bezahlen, die Gewinnspannen enthalten, die in anderen Branchen als Wucher betrachtet würden.
Was machen Sie außerdem, wenn Sie parken möchten und ausgerechnet nicht das notwendige Kleingeld für den Parkautomaten dabeihaben? Mit etwas Glück können Sie mit "M" bezahlen. Bei mobilen elektronischen Bezahlsystemen geht es darum, etwas, das Sie immer bei sich haben, vielleicht aber nicht passend - Ihr Geld -, durch etwas zu substituieren, das Sie auch immer bei sich haben - z.B. Ihr Mobiltelefon. Die Integration mehrerer, üblicherweise in unterschiedlicher physischer Form vorhandener Güter oder Dienste und deren Verfügbarmachen in einem Gerät liefern hier den Mehrwert, der für Benutzerinnen und Benutzer attraktiv ist: "Wenn ich nur noch ein "Ding" statt dreien mit mir herumtragen muss, dann ist das praktisch."
Zusammenfassend machen ortsunabhängige Verfügbarkeit eines Dienstes, Multicasting-Möglichkeiten und Dienstesubstitution/-integration mobile Anwendungen attraktiv. Und wenn sie noch personalisiert werden können, ist dies umso attraktiver für die zu erreichende Benutzergruppe.
Falls Sie also Ihr Auto noch nicht per Mobiltelefon bezahlt haben, beeilen Sie sich, nicht den Anschluss zu verpassen. Herzlich willkommen in der schönen neuen "M"- Welt. Eine interessante und spannende Lektüre dieser HDM- Ausgabe wünscht
Prof. Ulrich Ultes-Nitsche Universität Fribourg Departement für Informatik Forschungsgruppe Telecommunications, Networks & Security Rue Faucigny 2 CH-1700 Fribourg uun@unifr.ch www.unifr.ch