HMD 246, 42. Jahrgang, Dezember 2005
Wissensmanagement
Herausgeber: Hans-Peter Fröschle
Editorial
"Wissensmanagement" ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Wirtschaftsinformatik. Eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu Forschungsprojekten und deren Ergebnissen ist das sichtbare Resultat. Auf nationaler und europäischer Ebene wurde in den letzten Jahren eine Fülle von Forschungs- und Entwicklungsinitiativen zum Thema gestartet. - Und trotzdem kann man heute nüchtern feststellen, dass in der betrieblichen Praxis Wissensmanagementprojekte eher "out" sind. Bewegen sich hier etwa Forschung/Entwicklung und Anwendung auseinander? Macht sich hier in der betrieblichen Praxis aufgrund der geringen bzw. kaum sichtbaren Nutzeneffekte zunehmend Ernüchterung breit? Auf den ersten Blick scheint dies tatsächlich der Fall zu sein. Haben Wissen und Wissensmanagement damit den ihnen zugeschriebenen strategischen Stellenwert für den Unternehmenserfolg verloren oder fehlt den heute angebotenen technischen Lösungen das entsprechende Nutzenpotenzial? Alles Fragen, die durchaus legitim gestellt werden müssen, deren Beantwortung aber letztendlich - gerade vor dem Hintergrund des Reifegrades des Themas - einen Perspektivenwechsel erfordert.
Bislang wurde das Thema Wissensmanagement sehr stark systemtechnisch diskutiert. Zwar haben es die meisten Experten nicht versäumt, darauf hinzuweisen, dass gerade mit dem Management von Wissen auch organisatorische und psychologische Themen angesprochen sind - aber die wenigsten von ihnen haben eine Integration dieser unterschiedlichen Dimensionen des Wissensmanagements geleistet. Mit dem einführenden Beitrag von Prof. Riempp wird diese Lücke geschlossen. Demnach gibt es nicht das Wissensmanagementsystem für ein Unternehmen, sondern Funktionalitäten des Wissensmanagements sind in eine umfassende Architektur zu integrieren, die neben technischen Komponenten vor allem strategische, organisatorische und personalwirtschaftliche Handlungsfelder mit umfasst. Schaut man sich die präsentierten empirischen Ergebnisse zu den Erfolgsfaktoren und Barrieren des Wissensmanagements an, wird diese Sichtweise unterstrichen. Technologische Entwicklungen und Lösungskonzepte bekommen vor dem Hintergrund der integrativen Architektur des Wissensmanagements einen ganz neuen Stellenwert und werden in diesem Zusammenhang auch für die betriebliche Praxis einorden- und nutzbar.
Ich freue mich, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, diese interessante Entwicklung und die daraus resultierenden Diskussionen präsentieren zu können, und wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.






