Die permanent steigenden Anforderungen an Effizienz, Flexibilität,
Effektivität und Planbarkeit sind in jeder Jahresansprache ebenso
sicherer Bestandteil wie der 90. Geburtstag von Miss Sophie im
TV-Sketch "Dinner for One" an Silvester. Und, sowohl der Passus in der
Jahresansprache als auch die Handlung in "Dinner for One" sind doch
ähnlich grotesk und laden zum Schmunzeln ein. Schließlich ist ja
eine Jahresansprache des Chefs etwas Fröhliches und hoffentlich
jedes Jahr etwas Neues, Besonderes - oder wieder nur "Same Procedure
as Every Year"?
Warum sprechen wir immer von Effizienz und Planbarkeit als
Messgrößen? Weil diese Resultate in der "Total-Zelle" in Excel so
schön Platz haben und sich diese Werte mit einer konditionierten
Formel wunderbar farbig - grün, gelb oder rot untermalt - darstellen
lassen. Und erst noch automatisch! Ja, wir Manager lieben es so.
Einfach und klar. Und erst noch in Farbe!
"Computers make very fast, very accurate mistakes." Dieses Zitat
stammt aus dem Buch "IT Service Management from Hell! Based on
Not-ITIL®" und sagt doch einiges über Effizienz aus. Die
Immobilienfinanzierungsbranche, die in den letzten Monaten die
Frontseiten aller renommierten Zeitungen im In- und Ausland zierte
und es schaffte, zig Milliarden Euro in einer ultrakurzen Zeitspanne
zu vernichten, war wahrlich effizient und effektiv. Diese Leistung
wurde durch bestens funktionierende IT-Unterstützung überhaupt erst
möglich. Doch jetzt der IT die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist
vielleicht etwas arg kurzsichtig - die Konzepte und Modelle stammen
von uns, uns Menschen.
Modellieren scheint uns im Blut zu liegen. Prozessmodelle,
Hierarchiemodelle, Informationstechnologiemodelle,
Architekturmodelle, Organisationsmodelle und viele mehr schaffen und
verändern wir - laufend. Modelle benötigen wir, um Komplexes zu
vereinfachen, Kompliziertes verständlich zu machen, um uns einen
Überblick zu verschaffen, um unsere Umwelt und die eigene Welt aus
subjektiver Sicht zu verstehen. Nur, nicht jeder sieht dasselbe
gleich. Doch dies gibt Raum für Diskussionen und eröffnet uns
Chancen, unseren Horizont zu erweitern. Denn erst wenn wir etwas
verstehen, idealerweise zusammen dasselbe Verständnis für eine
Begebenheit erarbeitet und gewonnen haben, sind wir in der Lage,
gemeinsam zu verbessern, zu verfeinern und zu planen.
Die Planbarkeit gehört ebenfalls auf die Evergreen-Hitliste und
wurde durch die zunehmende Bedeutung des Quartalsabschlusses ein
immer wichtigerer Faktor. Wird ein besseres Quartalsresultat
präsentiert als prognostiziert, dann wird sogenanntes Agio
verschenkt (der Betrag, um den der Börsenkurs den inneren Wert der
Anlage übersteigt) - verfehlt das Resultat die Prognose, dann bewegt
sich der Aktienkurs talwärts. Und Letzteres löst unmittelbar
Effizienzsteigerungsprogramme aus, die in unseren Breitengraden
bekanntlich oft zu Entlassungen führen.
Weniger Mitarbeiter leisten plötzlich mehr? Wirklich? Kommt die
Effizienz und Effektivitätssteigerung plötzlich über Nacht? Oder
wird die interne, nicht mehr besetzte Stelle durch eine externe,
meist etwas teurere Kraft ersetzt? Diese neuen Kosten werden dann in
einem Projekt oder als Sachaufwand, wenn beispielsweise eine
Applikation veredelt wird, verbucht (oder versteckt) und nach außen
als Effizienzsteigerung präsentiert. Auch dies ein (gängiges?)
Modell oder nur Fiktion?
Jedes Modell hat seine Stärken und Schwächen. Auch jede
Unternehmensarchitektur. Jedes Framework. Nutzen wir doch, was
andere für uns erfunden haben. Arbeiten wir damit, adaptieren wir es
und ergreifen wir doch die Möglichkeiten der IT, schöpfen das
Automatisierungspotenzial aus, suchen für uns das passende der
verschiedensten Modelle, wie die in diesem Heft beschriebenen
Unternehmensarchitekturen (UA). Lernen wir doch zusammen aus den
verschiedensten konzeptionellen Beiträgen, Fallstudien und
Erfahrungsberichten.
Mit dem UA-Management soll den zu Beginn erläuterten Attributen
nachhaltig Rechnung getragen werden. Durchgängigkeit,
Nachhaltigkeit, IT-Business-Integration sind die Schlüsselwörter und
deren Resultate lassen sich (noch) nicht nur in einer Total-Zelle in
Excel messen. Dahinter stecken optimierte Prozesse, überarbeitete
Abläufe, und dies immer aus der Ende-zu-Ende-Betrachtung und nicht
nur aus dem subjektiven Winkel vom persönlichen Schreibtisch aus. In
diesem Sinne: Continual Service Improvement - Steigerung der
effektiven Effizienz, und dies nachhaltig, mittels IT-Unterstützung,
gesundem Menschenverstand und mit eigener Erfahrung angereichert.
Ich freue mich ganz besonders auf die Erfahrungsberichte in diesem Heft.
Aus Erfahrung gut - und durch kontinuierliche Verbesserung immer
besser, schneller oder in unserer Sprache: effizienter und
effektiver! Also doch: "Same Procedure as Every Year"!
Einwurf
von Mathias Traugott
Same Procedure as Every Year
Die permanent steigenden Anforderungen an Effizienz, Flexibilität, Effektivität und Planbarkeit sind in jeder Jahresansprache ebenso sicherer Bestandteil wie der 90. Geburtstag von Miss Sophie im TV-Sketch "Dinner for One" an Silvester. Und, sowohl der Passus in der Jahresansprache als auch die Handlung in "Dinner for One" sind doch ähnlich grotesk und laden zum Schmunzeln ein. Schließlich ist ja eine Jahresansprache des Chefs etwas Fröhliches und hoffentlich jedes Jahr etwas Neues, Besonderes - oder wieder nur "Same Procedure as Every Year"?
Warum sprechen wir immer von Effizienz und Planbarkeit als Messgrößen? Weil diese Resultate in der "Total-Zelle" in Excel so schön Platz haben und sich diese Werte mit einer konditionierten Formel wunderbar farbig - grün, gelb oder rot untermalt - darstellen lassen. Und erst noch automatisch! Ja, wir Manager lieben es so. Einfach und klar. Und erst noch in Farbe!
"Computers make very fast, very accurate mistakes." Dieses Zitat stammt aus dem Buch "IT Service Management from Hell! Based on Not-ITIL®" und sagt doch einiges über Effizienz aus. Die Immobilienfinanzierungsbranche, die in den letzten Monaten die Frontseiten aller renommierten Zeitungen im In- und Ausland zierte und es schaffte, zig Milliarden Euro in einer ultrakurzen Zeitspanne zu vernichten, war wahrlich effizient und effektiv. Diese Leistung wurde durch bestens funktionierende IT-Unterstützung überhaupt erst möglich. Doch jetzt der IT die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist vielleicht etwas arg kurzsichtig - die Konzepte und Modelle stammen von uns, uns Menschen.
Modellieren scheint uns im Blut zu liegen. Prozessmodelle, Hierarchiemodelle, Informationstechnologiemodelle, Architekturmodelle, Organisationsmodelle und viele mehr schaffen und verändern wir - laufend. Modelle benötigen wir, um Komplexes zu vereinfachen, Kompliziertes verständlich zu machen, um uns einen Überblick zu verschaffen, um unsere Umwelt und die eigene Welt aus subjektiver Sicht zu verstehen. Nur, nicht jeder sieht dasselbe gleich. Doch dies gibt Raum für Diskussionen und eröffnet uns Chancen, unseren Horizont zu erweitern. Denn erst wenn wir etwas verstehen, idealerweise zusammen dasselbe Verständnis für eine Begebenheit erarbeitet und gewonnen haben, sind wir in der Lage, gemeinsam zu verbessern, zu verfeinern und zu planen.
Die Planbarkeit gehört ebenfalls auf die Evergreen-Hitliste und wurde durch die zunehmende Bedeutung des Quartalsabschlusses ein immer wichtigerer Faktor. Wird ein besseres Quartalsresultat präsentiert als prognostiziert, dann wird sogenanntes Agio verschenkt (der Betrag, um den der Börsenkurs den inneren Wert der Anlage übersteigt) - verfehlt das Resultat die Prognose, dann bewegt sich der Aktienkurs talwärts. Und Letzteres löst unmittelbar Effizienzsteigerungsprogramme aus, die in unseren Breitengraden bekanntlich oft zu Entlassungen führen.
Weniger Mitarbeiter leisten plötzlich mehr? Wirklich? Kommt die Effizienz und Effektivitätssteigerung plötzlich über Nacht? Oder wird die interne, nicht mehr besetzte Stelle durch eine externe, meist etwas teurere Kraft ersetzt? Diese neuen Kosten werden dann in einem Projekt oder als Sachaufwand, wenn beispielsweise eine Applikation veredelt wird, verbucht (oder versteckt) und nach außen als Effizienzsteigerung präsentiert. Auch dies ein (gängiges?) Modell oder nur Fiktion?
Jedes Modell hat seine Stärken und Schwächen. Auch jede Unternehmensarchitektur. Jedes Framework. Nutzen wir doch, was andere für uns erfunden haben. Arbeiten wir damit, adaptieren wir es und ergreifen wir doch die Möglichkeiten der IT, schöpfen das Automatisierungspotenzial aus, suchen für uns das passende der verschiedensten Modelle, wie die in diesem Heft beschriebenen Unternehmensarchitekturen (UA). Lernen wir doch zusammen aus den verschiedensten konzeptionellen Beiträgen, Fallstudien und Erfahrungsberichten.
Mit dem UA-Management soll den zu Beginn erläuterten Attributen nachhaltig Rechnung getragen werden. Durchgängigkeit, Nachhaltigkeit, IT-Business-Integration sind die Schlüsselwörter und deren Resultate lassen sich (noch) nicht nur in einer Total-Zelle in Excel messen. Dahinter stecken optimierte Prozesse, überarbeitete Abläufe, und dies immer aus der Ende-zu-Ende-Betrachtung und nicht nur aus dem subjektiven Winkel vom persönlichen Schreibtisch aus. In diesem Sinne: Continual Service Improvement - Steigerung der effektiven Effizienz, und dies nachhaltig, mittels IT-Unterstützung, gesundem Menschenverstand und mit eigener Erfahrung angereichert.
Ich freue mich ganz besonders auf die Erfahrungsberichte in diesem Heft.
Aus Erfahrung gut - und durch kontinuierliche Verbesserung immer besser, schneller oder in unserer Sprache: effizienter und effektiver! Also doch: "Same Procedure as Every Year"!
Ein herzliches "Cherioo Miss Sophie"
Mathias Traugott BBA Partner & Head glenfisSolution Glenfis AG Badenerstr. 623 CH-8048 Zürich mathias.traugott@glenfis.ch www.glenfis.ch