Stammdaten. Klingt nach einem (hoffentlich stabilen)
Baumstamm. Wenn seine Blätter rascheln, dann geht es dem
Unternehmen gut. Und es ist schön, dass wir im Wald der
Compliances, Governments und Stewards ein Wort haben, das
darüber wirklich hinauswächst: »Stammdatenmanagement«. Ganze
20 Buchstaben!
Ganz ehrlich: »Master Data« ist doch langweilig. Wörtlich
übersetzt bedeutet das so was wie Hauptdaten oder
Grunddaten. Klingt technokratisch. Stammdaten sind da viel
bildhafter. Ist auch erstaunlich, dass wir hierfür ein
deutsches Wort haben. Wäre Stammdatenmanagement ein neues
Thema, so gäbe es das sicher nicht. Offensichtlich beschäftigt
uns schon lange, wie stabil unsere Transaktionen sind. Und wir
haben ja nicht nur einen Stamm, wir haben ganz viele davon:
Materialstämme, Kundenstämme, Lieferantenstämme usw.
Machen wir uns Gedanken über Stammdatenmanagement, kommt
irgendwann die IT ins Spiel und stutzt unsere schönen Stämme
zurecht. Was übrig bleibt sind: MDM, ERP, CRM, PIM, SRM, BPM,
SOA, DMS, KPI, SFA usw. usf. Wahrscheinlich könnte ich jede
beliebige dreibuchstabige Kombination aufführen und dank SAP
und IBM (und natürlich vielen anderen) gäbe es die womöglich
auch wirklich.
Klarer wird’s dadurch nicht. Gehören Stammdaten jetzt ins
Stammdaten-(MDM-), Materialdaten-(ERP-), Kundendaten-(CRM-),
Produktdaten-(PIM-), Lieferantendaten-(SRM-) oder ein
sonstiges (XYZ-)System? Leider ist es schwierig, den Wald vor
lauter Stämmen zu sehen. Den Weg durch ihn zu finden (BPM,
d.h. Geschäftsprozessmodellierung) und die einzelnen Schritte
miteinander zu verbinden (SOA, d.h. serviceorientierte
Architekturen) ist eine Herausforderung. Insbesondere wenn wir
wissen wollen, wie weit wir schon gekommen sind oder ob wir
taumeln (KPI, d.h. Kennzahlen).
Denn natürlich braucht ein ERP-System nicht nur Materialdaten,
sondern auch Lieferanten, Kunden und Preise. Das CRM-System
steuert das Kunden»beziehungs«management. Doch was bringt eine
Kundenbeziehung ohne den Artikelstamm? Lieferantendaten sind
auch nur sinnvoll, wenn bekannt ist, welche Materialien sie
liefern. Eine klare Abgrenzung ist hier schwer. Vielleicht
hilft uns ja das HR-System (nur 2 Buchstaben!) und sagt uns,
wer dabei helfen kann.
Auf Spanisch heißen unsere Stammdaten übrigens »Datos
Maestros«. Wörtlich übersetzt die (Lehr-)Meisterdaten. Auch
ein schöner Ansatzpunkt: Die Daten, die anderen Daten lehren,
wie gut sie zu sein haben. Darum geht es auch im Deutschen,
denn nur ein gesunder Baum hat gesunde Blätter, und je
schlechter die Qualität des Stamms ist, desto mehr schöne
Blätter (Aufträge) werden zu hässlichen Blättern
(Reklamationen). Die Qualität der Stammdaten multipliziert
sich in die Qualität der Transaktionen.
Die Qualität der Stammdaten leidet darunter, dass ein Ast
nicht weiß, wofür der andere den Stamm braucht. Wir wissen ja:
»Säge nicht an dem Ast, auf dem Du sitzt«, und ganz oben (in
der Baumkrone) sitzen unsere dreibuchstabigen CEO, CIO, CTO,
CFO oder COO. Deshalb bedarf es dieser, damit niemand an ihren
Ästen sägt: dass den Erstellern, Verwaltern und Verwendern von
Stammdaten eine ganzheitliche Organisationsstruktur zur Seite
gestellt wird, die ihnen hilft, den Stamm zu hegen und zu
pflegen. Nur so wird er renditeträchtige Früchte tragen und
kein Risiko durch faule Äpfel darstellen.
Ich wünsche Ihnen, dass dieses HMD-Heft Ihnen dabei hilft,
Ihren Stamm stabil zu gestalten.
Einwurf
von Jochen Kokemüller
Stemmen wir die Stammdaten!
Stammdaten. Klingt nach einem (hoffentlich stabilen) Baumstamm. Wenn seine Blätter rascheln, dann geht es dem Unternehmen gut. Und es ist schön, dass wir im Wald der Compliances, Governments und Stewards ein Wort haben, das darüber wirklich hinauswächst: »Stammdatenmanagement«. Ganze 20 Buchstaben!
Ganz ehrlich: »Master Data« ist doch langweilig. Wörtlich übersetzt bedeutet das so was wie Hauptdaten oder Grunddaten. Klingt technokratisch. Stammdaten sind da viel bildhafter. Ist auch erstaunlich, dass wir hierfür ein deutsches Wort haben. Wäre Stammdatenmanagement ein neues Thema, so gäbe es das sicher nicht. Offensichtlich beschäftigt uns schon lange, wie stabil unsere Transaktionen sind. Und wir haben ja nicht nur einen Stamm, wir haben ganz viele davon: Materialstämme, Kundenstämme, Lieferantenstämme usw.
Machen wir uns Gedanken über Stammdatenmanagement, kommt irgendwann die IT ins Spiel und stutzt unsere schönen Stämme zurecht. Was übrig bleibt sind: MDM, ERP, CRM, PIM, SRM, BPM, SOA, DMS, KPI, SFA usw. usf. Wahrscheinlich könnte ich jede beliebige dreibuchstabige Kombination aufführen und dank SAP und IBM (und natürlich vielen anderen) gäbe es die womöglich auch wirklich.
Klarer wird’s dadurch nicht. Gehören Stammdaten jetzt ins Stammdaten-(MDM-), Materialdaten-(ERP-), Kundendaten-(CRM-), Produktdaten-(PIM-), Lieferantendaten-(SRM-) oder ein sonstiges (XYZ-)System? Leider ist es schwierig, den Wald vor lauter Stämmen zu sehen. Den Weg durch ihn zu finden (BPM, d.h. Geschäftsprozessmodellierung) und die einzelnen Schritte miteinander zu verbinden (SOA, d.h. serviceorientierte Architekturen) ist eine Herausforderung. Insbesondere wenn wir wissen wollen, wie weit wir schon gekommen sind oder ob wir taumeln (KPI, d.h. Kennzahlen).
Denn natürlich braucht ein ERP-System nicht nur Materialdaten, sondern auch Lieferanten, Kunden und Preise. Das CRM-System steuert das Kunden»beziehungs«management. Doch was bringt eine Kundenbeziehung ohne den Artikelstamm? Lieferantendaten sind auch nur sinnvoll, wenn bekannt ist, welche Materialien sie liefern. Eine klare Abgrenzung ist hier schwer. Vielleicht hilft uns ja das HR-System (nur 2 Buchstaben!) und sagt uns, wer dabei helfen kann.
Auf Spanisch heißen unsere Stammdaten übrigens »Datos Maestros«. Wörtlich übersetzt die (Lehr-)Meisterdaten. Auch ein schöner Ansatzpunkt: Die Daten, die anderen Daten lehren, wie gut sie zu sein haben. Darum geht es auch im Deutschen, denn nur ein gesunder Baum hat gesunde Blätter, und je schlechter die Qualität des Stamms ist, desto mehr schöne Blätter (Aufträge) werden zu hässlichen Blättern (Reklamationen). Die Qualität der Stammdaten multipliziert sich in die Qualität der Transaktionen.
Die Qualität der Stammdaten leidet darunter, dass ein Ast nicht weiß, wofür der andere den Stamm braucht. Wir wissen ja: »Säge nicht an dem Ast, auf dem Du sitzt«, und ganz oben (in der Baumkrone) sitzen unsere dreibuchstabigen CEO, CIO, CTO, CFO oder COO. Deshalb bedarf es dieser, damit niemand an ihren Ästen sägt: dass den Erstellern, Verwaltern und Verwendern von Stammdaten eine ganzheitliche Organisationsstruktur zur Seite gestellt wird, die ihnen hilft, den Stamm zu hegen und zu pflegen. Nur so wird er renditeträchtige Früchte tragen und kein Risiko durch faule Äpfel darstellen.
Ich wünsche Ihnen, dass dieses HMD-Heft Ihnen dabei hilft, Ihren Stamm stabil zu gestalten.
Dipl.-Physiker Jochen Kokemüller Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Nobelstr. 12 70569 Stuttgart jochen.kokemueller@iao.fraunhofer.de www.iao.fraunhofer.de