Buchbesprechung
Rezensent: Heidi Heilmann
Competitive Intelligence
Strategische Wettbewerbsvorteile erzielen durch systematische Konkurrenz-, Markt- und Technologieanalysen
Das umfangreiche Werk enthält acht Kapitel, ab S. 563 folgen Markt- und Verbandsinformationen, Glossar, Literatur-, Tabellen- und Abbildungsverzeichnis sowie Index (mit hervorgehobenen Begriffsdefinitionen); das Abkürzungsverzeichnis schließt sich unmittelbar an das Inhaltsverzeichnis an. Die acht Kapitel behandeln, durchweg unterstützt durch anschauliche Beispiele, folgende Themen:
- Einführung (82 S.): Grundlagen, Begriffe, Abgrenzung; CI-Historie und -Stand.
- Psychologie der Intelligence-Analyse (34 S.): Ein wertvolles Kapitel, das klar macht, welche "Fallen" in Form von Wahrnehmungsfehlern, Vereinfachungsstrategien, Reporting- und Entscheidungsschwächen, Missachtung kultureller Gegebenheiten (unternehmens- und gesellschaftsbezogen) CI-Fachleute vermeiden müssen.
- Der Competitive-Intelligence-Zyklus (60 S.): Ein Rahmenkonzept für CI-Vorhaben mit den Phasen: Bedarfsbestimmung und Planung (10% Zeitanteil), Datenerhebung (40%), Datenaufbereitung und Analyse (30%) und Berichterstellung / Dokumentation (20%). Daran schließen sich Umsetzung und Bewertung an, die in neue Planungen münden (können). Durchführungsformen sind: CI-(Recherche-)Projekte; CI-Scanning (Identifikation von Veränderungen im Unternehmensumfeld, die anschließend in CI-Projekten weiter untersucht werden) und kontinuierliches Monitoring. Je Phase sind die anstehenden Aufgaben in Checklisten zusammengefasst sowie Techniken und Verfahren als "Exkurse" eingebunden.
- Observation, HUMINT und elektronische Medien (58 S.): Beobachtung, Menschen (HUMINT = Human Intelligence) und elektronische Medien als Informationsquellen; auch wenn die Wichtigkeit ethisch und gesetzlich zulässiger Vorgehensweisen durchweg betont wird, empfindet der CI-Außenseiter manche der beschriebenen Techniken vielleicht doch als gewöhnungsbedürftig?
- Grundlegende Analyseverfahren (34 S.) mit Basisanalyseverfahren (zur Daten- und Informationsaufbereitung), modell- bzw. theoriegestützten Analyseverfahren, Verfahren zur Hypothesenauswahl / Entscheidungsunterstützung.
- Fortgeschrittene Analyseverfahren (74 S.) unterstützen Entscheidungssituationen durch Modellierung: Szenariotechnik, Systemdynamik, Strategische Frühwarnung, War Gaming mit Business-Simulatoren, Entscheidungsanalyse unter Unsicherheit, SWOT-Analyse, Chancen-/Risikoanalyse; Verfahren zur Hypothesenauswahl: Spieltheorie, Blindspotanalyse, Analyse konkurrierender Hypothesen, Bayes'sches Theorem.
Es gibt sehr viele verschiedene Analyseverfahren: Der "Praxisbericht" 5.4.1 nennt 200 in Standardwerken publizierte, vermutet aber eine erheblich größere Anzahl. Alle Analyseverfahren in den Kapiteln 5 und 6 werden nach demselben Schema behandelt: verwandte Konzepte, Beschreibung, Analyseziele, Vorgehensweise, Softwareunterstützung, Anmerkungen, Beispiele.
- Das Competitive-Intelligence-Center (CIC, 72 S.): Aufbau und Organisation unternehmensinterner CI-Center, Vorgehensweisen und Erfolgsfaktoren (darunter CI-Team und Softwareeinsatz).
- Sonderthemen der Competitive Intelligence (48 S.): Dynamische Wettbewerbsstrategien; Technologische Intelligenz (Patentanalysen, Technologiebewertungen); Counter Intelligence (Abwehr von gegen das eigene Unternehmen gerichteten Aktivitäten). "Besonders kritisch, da kaum bemerkbar, ist das Platzieren von Software ... auf PCs, um vertrauliche Dokumente ... abzuziehen" (S. 549) - hierzu ist anzumerken, dass ein Unternehmen, das solches weder bemerkt noch unterbindet, wohl nicht ganz up to date im IT-Bereich ist.
Viele Kapitel enthalten einen Abschnitt mit "Praxisbeiträgen" (im ganzen Buch über 20). Diese stammen von überwiegend in der Praxis tätigen Autoren und behandeln ausgewählte CI-Aspekte aus Praxissicht inkl. Beispielen. Nur wenige beschreiben CI-Vorgehensweisen in einem konkreten Unternehmen. Redundanzen zu anderen Buchabschnitten wurden dabei nicht völlig vermieden (z.B. das Profilingbeispiel "Maier" kommt zweimal vor).
Zum Nutzen von CI werden analog zu anderen schwer quantifizierbaren Anwendungen im Wesentlichen qualitative Aussagen gemacht: CI steigert die Wettbewerbsfähigkeit; präventiver CI-Nutzen entsteht, wenn das Unternehmen frühzeitig auf Risiken reagiert; die Auswertung nicht optimaler Entscheidungen aus der Vergangenheit wird als weiterer Ansatzpunkt empfohlen.
150 Abbildungen und 57 Tabellen ergänzen den Text inhaltlich sehr gut. Ein Nachteil tritt auch in diesem Buch fallweise auf: Vor allem Screenshots sind sehr klein beschriftet und haben durch die Schwarz-Weiß-Abbildung an Aussagekraft verloren. Das Lektorat hat sauber gearbeitet, es kommen nur wenige Flüchtigkeitsfehler vor (der erste - ein stehen gebliebenes "und" - schon im Vorwort von Bill Weber). Was die Rezensentin etwas stört, sind viele nicht ganz volle Seiten, z.T. aufgrund folgender Abbildungen, z.T. vor neuen Unterabschnitten. Literatur wird (ergänzend zu Zitaten im Text) teilweise bei Abschnittsbeginn genannt, teilweise unterbleibt das.
Im Vorwort erhebt der Autor den Anspruch "als Nachschlagewerk dem Einsteiger über die ersten Hürden hinwegzuhelfen und dem Fortgeschrittenen Ideen ... für seine tägliche Arbeit zu geben". Das Buch will zu Recht Anregungen, aber keine Kochrezepte vermitteln, CI-Anwender müssen ihr eigenes Repertoire an Tools, Techniken und Vorgehensweisen erarbeiten und umsetzen.
Diesem Anspruch wird das Buch in hohem Maße gerecht: Es ist nicht nur eine CI-Fundgrube, sondern darüber hinaus eine, die systematisch geordnet und gut begehbar ist! Das vom Unternehmen des Autors betriebene Internetportal www.competitive-intelligence.com erwähnt die Rezension zweiter einschlägiger Titel in der Wirtschaftswoche (Nr. 41, 6.10.2005) mit dem Ergebnis "nur eines ist lesenswert". Auch wenn nur registrierte Benutzer der Wirtschaftswoche im Web mehr erfahren, ist für die Rezensentin klar: Es kann sich nur um das Buch von Rainer Michaeli handeln!
Auf der Stelle 11/1
71067 Sindelfingen Heidi.Heilmann@t-online.de





