HMD-Gesamtglossar

Dieses akkumulierte HMD-Gesamtglossar wird laufend in Übereinstimmung mit den Einzelheft-Glossaren fortgeschrieben und enthält die Definition von Begriffen ab Heft 227 (Oktober 2002) bis Heft 282 (Dezember 2011) einschließlich.

0-9

3DES (Triple-DES)
Symmetrischer Verschlüsselungsalgorithmus mit 168 Bit effektiver Schlüssellänge. 3DES benutzt drei DES- Schlüssel mit je 56 Bit. Der Klartext wird mit dem ersten Schlüssel verschlüsselt, mit dem zweiten entschlüsselt und wieder mit dem dritten verschlüsselt. Das Verfahren gilt als sicher, ist aber nicht besonders performant. (HMD 240)

A

Absatzplanung
Durch die Vertriebs- und Marketingabteilungen der Unternehmen werden jährlich Absatzpläne erstellt, d.h., pro Produktgruppe/strategischer Geschäftseinheit erfolgt eine vorausschauende Festlegung der Absatzmengen pro Periode, z.B. pro Jahr/pro Quartal. Die unter ex ante definierten Prämissen ermittelten Kundenbedarfe werden nachfolgend in konkrete Produktions- und Beschaffungspläne übersetzt. (HMD 272)
ADO.NET
ActiveX Data Objects.NET ist derjenige Teil des .NET Frameworks, der eingesetzt wird, um Datenbankzugriffe zu programmieren. (HMD 230)
Agiles Manifest
Das agile Manifest ist eine Sammlung von agilen Grundwerten, die im Februar 2001 formuliert und veröffentlicht und inzwischen von Tausenden von Personen unterzeichnet wurde. Die wesentlichen Grundgedanken sind:
  1. Individuen und Interaktionen gelten mehr als Prozesse und Tools.
  2. Funktionierende Programme gelten mehr als eine ausführliche Dokumentation.
  3. Die stetige Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über Verträgen.
  4. Der Mut und die Offenheit für Änderungen stehen über dem Befolgen eines festgelegten Plans.
Wir halten auch die rechts stehenden Themen für wichtig, nehmen aber im Zweifel die links stehenden für wichtiger. (HMD 260)
Agile Methoden
Unter agile Methoden (auch als leichtgewichtig bezeichnet) fallen Ansätze der Softwareentwicklung, die von sog. schwergewichtigen Prozessmodellen abrücken und der Selbstorganisation des Entwicklungsteams eine große Bedeutung beimessen. Bürokratie, Formalismen und Dokumentation werden auf ein Mindestmaß reduziert, um den Gegenstand der Entwicklung selbst, die lauffähige Software und den Programmcode, wieder in den Vordergrund zu rücken. Nachdem in den 90er Jahren eine Reihe von leichtgewichtigen Methoden (z.B. Extreme Programming (XP), Scrum, Adaptive Software Development (ASD), Feature Driven Development (FDD), Dynamic System Development Method (DSDM), Lean Development (LD)) unabhängig voneinander entstanden, haben sich 17 der maßgeblich an diesen Initiativen beteiligten Experten zusammengefunden, um die Gemeinsamkeiten ihrer Ansätze und die ihnen zugrunde liegenden Wertvorstellungen herauszuarbeiten. Dabei wurde der Begriff "agile software development" erstmalig geprägt, und es wurden vier plakative Leitsätze mit zwölf daraus abgeleitete Prinzipien in Form eines Manifestes (www.agilemanifesto.org) formuliert (HMD 231)
Ajax
Asynchronous JavaScript and XML ist eine Erweiterung der JavaScript-Sprache, die es ermöglicht, im Hintergrund asynchrone Aufrufe abzusetzen und damit Webseiten aktuell zu halten. (HMD 255)
Aneignung
Aneignung bezeichnet den Prozess des Lernens und Experimentierens mit neuer Technik, durch den diese Bestandteil der täglichen Arbeitspraktiken wird. Insbesondere flexible Systeme wie eCollaboration-Systeme können in vielfältiger Weise genutzt werden und erfordern daher Aneignung durch ihre Benutzer. Im Gegensatz zu Akzeptanz steht dabei nicht eine Wahlentscheidung (Nutzung oder Nichtnutzung), sondern der Prozess des Kennenlernens im Vordergrund, der auch in Veränderung und Anpassung des Artefakts resultieren kann. (HMD 267)
Angriffsbaum
Top-down-Analyse von möglichen Angriffswegen eines Angreifers. (HMD 248)
Annual Loss Expectancy - ALE
Annual Loss Expenditure
Die verbleibenden Kosten (oder Schäden) nach einem Investment in IT- Sicherheitsmaßnahmen. (HMD 248)
Anwendungsbetrieb (Applikationsbetrieb, Betrieb)
Dieser Oberbegriff bezeichnet den zweiten Abschnitt im Anwendungslebenszyklus, der auf die Entwicklung einer Anwendung folgt und in den Aufgaben der Anwendungswartung fallen. In einem engeren Sinne versteht man darunter die tatsächliche Durchführung und Steuerung derjenigen Aufgaben, die notwendig sind, um ein Anwendungssystem den intendierten Nutzern dieses Systems operativ bereitzustellen und diese Bereitstellung auf einem vereinbarten Niveau zu garantieren (Phase "Operate" im Anwendungslebenszyklus). (HMD 278)
Anwendungslandschaft (Applikationslandschaft)
Ein dem Anwendungsportfolio ähnlicher Begriff zur Bezeichnung des Bestandes an Anwendungen eines Unternehmens, der allerdings weniger stark auf die Bewertung nach entscheidungsrelevanten Kriterien abhebt, sondern eher auf die fachlich-inhaltlichen oder technischen Abhängigkeiten innerhalb der Gesamtheit sich in Betrieb befindlicher Anwendungen eines Unternehmens abzielt. Anwendungslandschaften können in Form von Softwarekarten (z.B. Bebauungsplänen) visualisiert werden. (HMD 248)
Anwendungslebenszyklus (Application Lifecycle)
Der Anwendungslebenzyklus bezeichnet die Gesamtheit der Lebenszyklusabschnitte, in der sich eine Anwendung während ihrer Entstehung bis zu ihrer Ablösung befinden kann. Grob wird zwischen einer Entwicklungs- und einer Betriebsphase unterschieden, die typischerweise weiter differenziert werden: im Entwicklungsabschnitt in Anforderungen (Requirements), Entwurf (Design), Implementierung (Build) und im Betriebsabschnitt in Auslieferung (Deploy), Betrieb i.e.S. (Operate) und Optimierung (Optimize). Der Zyklus endet mit der Ablösung bzw. Ausphasung (Retire). Es wird deutlich, dass insbesondere der Begriff Anwendungsbetrieb unterschiedlich verwendet werden kann. (HMD 278)
Anwendungsportfolio (Applikationsportfolio)
In Analogie zum Projektportfolio versteht man unter einem Anwendungsportfolio einen systematisch geordneten Bestand an Anwendungen eines Unternehmens. Die Anwendungen können sich in unterschiedlichen Lebenszyklusphasen befinden und werden in der Regel nach verschiedenen Kriterien systematisiert und bewertet, um Entscheidungsprozesse bzgl. der langfristigen Gestaltung des Anwendungsportfolios (Anwendungsportfoliomanagement) zu unterstützen. (HMD 248)
Anwendungsportfoliomanagement (APM)
APM bezeichnet die Gesamtheit der Aufgaben im Zusammenhang mit der Planung und Gestaltung eines Anwendungsportfolios. In einem etwas weiteren Sinne wird Anwendungsportfoliomanagement mit Anwendungsmanagement gleichgesetzt. (HMD 262)
Anwendungswartung (Applikationswartung, Wartung)
Gemäß IEEE 1219-98 und ISO/IEC 14764-2006 bezeichnet man als Wartung die Veränderung eines Softwareprodukts oder einer Komponente nach Auslieferung an den Kunden oder Nutzer - z.B. zwecks Fehlerbehebung, Leistungssteigerung oder Anpassungen an eine veränderte Umgebung. Diese traditionelle Auffassung bezieht sich primär auf selbst erstellte Individualsoftware oder auf Standardsoftware eines externen Anbieters, die dieser eigenverantwortlich zu warten hat. Typischerweise unterscheidet man grob zwischen korrigierender Wartung, bei der es um die Behebung tatsächlich aufgetretener (korrigierende Wartung i.e.S.) oder um die Vermeidung sich abzeichnender Probleme (präventive Wartung) geht, und verbessernder Wartung. Verbessernde Wartung in Form adaptiver Wartung sorgt dafür, dass Software trotz sich ändernder Umweltbedingungen (z.B. Plattformwechsel) nutzbar bleibt, und in Form perfektionierender Wartung, dass Leistungssteigerungen z.B. in Performance, Usability, Dokumentationsqualität und anderen Qualitätsmerkmalen erzielt werden. Strittig ist, ob zu Wartung neben diesen funktionserhaltenden Maßnahmen auch echte Funktionserweiterungen hinzuzuzählen sind, was man heute tendenziell aufgrund der schwierigen Abgrenzbarkeit bejaht.
In der Praxis ist es üblich, den Begriff durchaus noch weiter zu fassen: Aus der Perspektive einer unternehmensinternen Wartungsorganisation kann man allgemeiner unter Anwendungswartung sämtliche Aufgaben verstehen, die sicherstellen, dass für eine oder mehrere Anwenderorganisationen funktionsfähige und betriebsbereite Applikationen zur Unterstützung von Geschäftsprozessen kontinuierlich nach deren erstmaliger Einführung bereitgestellt werden. Damit stellt die Anwendungswartung ein wichtiges Teilgebiet des Application Managements dar und arbeitet in enger Verzahnung mit dem Anwendungsbetrieb. (HMD 278)
Application (Lifecycle) Management (Anwendungsmanagement, A(L)M)
Das Application Management (AM) zielt auf eine Verzahnung von Anwendungsentwicklung, Anwendungswartung und Anwendungsbetrieb und umfasst demzufolge alle Aufgaben entlang des gesamten Anwendungslebenszyklus. Anwendungen werden jedoch nicht isoliert geplant und entwickelt, sondern sind in die gesamte Anwendungslandschaft zu integrieren. Die einzelnen Anwendungen sind hinsichtlich der funktionalen Abdeckung und der Unterstützung von Prozessen abzustimmen und auch in die bestehende Infrastruktur zu integrieren. Dieses Management des Anwendungsportfolios wird in einem weitgefassten Verständnis ebenfalls als ein Bestandteil des AM betrachtet.
In der Praxis ist bisweilen eine etwas engere Nutzung des Begriffes zu beobachten, die AM den Aufgaben zeitlich nach der Entwicklung zuordnet und in Abgrenzung dazu von Application Lifecycle Management (ALM) spricht, wenn es tatsächlich um den gesamten Lebenszyklus geht. Diese Begriffsbildung ist auf die große Verbreitung von Standardsoftware zurückzuführen, die dazu führt, dass die Phase der Anwendungsentwicklung zunehmend aus dem Verantwortungsbereich der Anwenderorganisation fällt und damit im betrieblichen Anwendungsmanagement faktisch ausschließlich Aufgaben der Betriebsphase verbleiben. (HMD 278)
Application Services Library (ASL)
Die Arbeiten zur ASL entstanden Ende der 90er-Jahre in den Niederlanden, wurden mit der Gründung der ASL Foundation 2002 als Public Domain zur Verfügung gestellt und existieren seit 2009 in der Version ASL 2. Wie bereits durch den Namen deutlich wird, stellt die ASL das Application Management in das Zentrum ihrer Beschreibung. ITIL und ASL sind komplementäre Frameworks. Während ITIL üblicherweise auf allgemeine Servicemanagementprozesse angewandt wird, wurde die ASL für die Prozesse des Application Managements, die ITIL nicht in der Tiefe behandelt, entwickelt. Organisationen können sich nach dem niederländischen Standard NEN 3434 auditieren lassen. Eine weitreichendere internationale Standardisierung auf ISO-Ebene ist bislang nicht gelungen. (HMD 278)
Application Service Providing (ASP)
Application Service Providing umfasst das Geschäftsmodell der Bereitstellung von Software und weiterführenden Dienstleistungen über das Internet. Application Service Provider ist der Dienstleister, der diese Software bzw. Dienstleistungen über ein Netzwerk (i. A. Internet) anbietet. Umfang der geschuldeten Leistungen und Geschäftsbedingungen werden in einem Service Level Agreement zwischen beiden Parteien festgehalten. (HMD 228, 233, 237; 22.8.2004)
Application Sharing
Application Sharing erlaubt Teilnehmern einer synchronen Sitzung, Programme gemeinschaftlich zu nutzen. Hierzu kann ein Benutzer z.B. den eigenen Bildschirm oder eine einzelne Applikation für die anderen Sitzungsteilnehmer zur Ansicht freischalten oder deren Kontrolle gezielt an andere abgeben. So wird die synchrone Zusammenarbeit mit beliebigen Applikationen ermöglicht. (HMD 267)
Application Streaming
Applicaton Streaming ist eine Form von On-Demand-Software-Distribution. Nur bestimmte Teile eines Computerprogramms müssen für den Endverbraucher zur Verfügung stehen, um eine bestimmte Funktion auszuführen. Dies bedeutet, ein Programm braucht nicht vollständig auf einem Clientcomputer installiert zu werden - Teile davon können über ein Netzwerk mit geringer Bandbreite geliefert werden, wenn sie erforderlich sind. Application Streaming ist im Allgemeinen mit Application Virtualization kombiniert, sodass Applikationen nicht mehr im traditionellen Sinne installiert werden. (HMD 275)
Applikationslandschaft
siehe Anwendungslandschaft
Applikationsportfolio
siehe Anwendungsportfolio
Applikationsserver (Application Server)
Ein (oder auch mehrere zusammenarbeitende) Server, der eine Applikation (Anwendung) zentral über ein Netz, z.B. das Internet oder ein Intranet, zur Verfügung stellt. Applikationsserver sind in gewissem Sinne Nachfolger des klassischen Hosts, lassen sich aber auch als mittlere Schicht einer verteilten Architektur mit Clients, Applikationsserver und Backends definieren. Grundsätzliche Eigenschaften sind: Verwaltung der Geschäftslogik, Datenbankverbindung, Connection Management, Status und Session Management, Protokolle zur Verbindung von Clients und Sicherheitsmechanismen zur Authentifizierung (Authentizität) von Benutzern (HMD 230, 234; 22.8.2004)
Architekturframework (Architekturrahmen)
Ein Rahmenwerk, das definiert, wie Architekturen beschrieben werden können. Üblicherweise werden unterschiedliche Abstraktionsstufen bzw. -ebenen (z.B. Strategie, Organisation, System) vorgegeben, die sich hinsichtlich ihrer Nähe zur Technik unterscheiden. Orthogonal dazu können z.B. zusätzlich verschiedene Sichten auf das Unternehmen oder das zu betrachtende Teilsystem gebildet werden.
Die eigentliche Architekturbeschreibung erfolgt unter Verwendung von sicht- und/oder ebenenspezifischen Modellierungssprachen, die häufig in Form von Metamodellen definiert sind. Architekturframeworks können auch Ausführungen zum Prozess der Architekturgestaltung in Form von Architekturmethoden beinhalten. Frameworks für Unternehmensarchitekturen (UA) haben Ähnlichkeiten mit Frameworks für das Business Engineering (z.B. ARIS). Bekannte UA-Frameworks sind das Zachman Framework, TOGAF und ArchiMate. (HMD 262)
Architekturmethode
Eine spezielle, auf das Architekturmanagement ausgerichtete Methode, die eine systematische Vorgehensweise zur Erstellung und Pflege von Architekturen umfasst und neben einem Vorgehensmodell auch Rollen und Gestaltungshilfsmittel (Techniken, Tools) definieren kann. Architekturmethoden können als Bestandteile von oder in Ergänzung zu Architekturframeworks definiert werden. Eine bekannte Architekturmethode gehört beispielsweise zu TOGAF. (HMD 262)
Arztbrief
Der Arztbrief ist ein freitextlicher Brief zu einem medizinischen Sachverhalt und zur Beurteilung eines Befundes. (HMD 251)
ATP (Available-to-Promise)
Im Rahmen der Verfügbarkeitsprüfung wird die verfügbare Menge oder ATP-Menge errechnet. Bei der Berechnung der ATP-Menge prüft das System, ob alle Abgänge durch bestehende Zugänge/Bestand gedeckt werden und ob von den Zugängen noch Mengenanteile offen für neu eintreffende Abgänge/Bedarfe sind. Diese noch nicht zugeordneten Mengenanteile bilden die ATP-Menge. (HMD 243)
Authentifizierung
Unter Authentifizierung versteht man die Überprüfung der (korrekten) Identität einer Person. (HMD 265)
Authentizität
Eine Information besitzt Authentizität, wenn sie tatsächlich vom angegebenen Absender stammt. (HMD 236; 22.8.2004)
Autorensystem
Autorensysteme sind Softwareprodukte, die den Erstellern von eLearning- Programmen für die Erstellung einzelner Lehrmodule und deren Einbindung und Bereitstellung in eLearning-Angeboten zur Verfügung gestellt werden. Sie erlauben das Editieren von Inhalten, die Festlegung von Reihenfolgen oder auch die Anlage bestimmter Interaktionsformen zwischen Lerner und Material. (HMD 277)
Autorisierung
Die Überprüfung von Zugriffsrechten auf bestimmte Datenobjekte durch eine authentifizierte Person wird als Autorisierung bezeichnet. (HMD 265)
Awareness
Unter Awareness versteht man das Wissen um die Aktivitäten anderer Teilnehmer und die Änderungen an gemeinsamen Objekten in verteilten Arbeitskontexten. Während Awareness in traditionellen Kontexten unproblematisch ist, muss sie in verteilten Kontexten durch technische Funktionen und aktives Signalisieren explizit hergestellt werden, um die effektive Koordination der verteilten Zusammenarbeit zu gewährleisten. (HMD 267)
Bestellen Sie ein Probeabo!
HMD Best Paper Award 2011
MKWI
IT-Governance Heft 10 befasst sich mit Datenschutz