HMD-Gesamtglossar

Dieses akkumulierte HMD-Gesamtglossar wird laufend in Übereinstimmung mit den Einzelheft-Glossaren fortgeschrieben und enthält die Definition von Begriffen ab Heft 227 (Oktober 2002) bis Heft 284 (April 2012) einschließlich.

O

Object Management Group (OMG)
Die OMG hat über 800 Mitglieder (u.a. IBM, Apple, Sun und Microsoft). Bekannte Veröffentlichungen der OMG sind die Common Object Request Broker Architecture (CORBA), die das Erstellen von verteilten Anwendungen in heterogenen Umgebungen vereinfacht, sowie die Unified Modeling Language (UML), die die Modellierung und Dokumentation von objektorientierten Systemen in einer normierten Syntax erlaubt und einen international anerkannten Standard darstellt. Im Themenfeld des Geschäftsprozessmanagements ist durch die OMG neben dem Business Process Maturity Model (BPMM) auch die grafische Prozessmodellierungsmethode BPMN (Business Process Modeling Notation) entstanden. (HMD 266)
Offene Daten
siehe Open Data (HMD 283)
Offshoring (Offshore-Sourcing)
Der Bezug von Leistungen aus Ländern mit deutlich niedrigerem Lohnniveau (oder anderen Vorteilen) wird im Gegensatz zum Onshore-Sourcing (Beschaffen auf dem heimischen Markt) in Abhängigkeit von der räumlichen Ferne als Offshoring oder Nearshoring bezeichnet. Dabei assoziiert man mit Nearshoring Länder desselben Kontinents, z.B. osteuropäische Staaten, wohingegen man bei Offshoring (z.B. nach Indien oder China) eine größere räumliche Entfernung (in der Regel andere Kontinente) und erhebliche kulturelle Unterschiede unterstellt. (HMD 245)
OGC - Open Geospatial Consortium
OGC ist eine internationale Organisation, die Standardisierungen im Bereich der geografischen und ortsbezogenen Informationssysteme durchführt. (HMD 276)
Ökobilanz
Durch das Aufstellen von Ökobilanzen lassen sich die mit der Herstellung, Nutzung oder Entsorgung von Produkten und Dienstleistungen verbundenen Stoff- und Energieströme erfassen und ihre Umweltwirkungen abbilden. Wird die Ökobilanz über den Produktfokus hinaus erweitert, kann sie als ein Instrument zur Erfassung, Bewertung und Abbildung von Umweltwirkungen, die von Produkten, Prozessen oder dem gesamten Unternehmen ausgehen, gesehen werden.
Der gängigste Ökobilanztyp ist die Produktbilanz. Die produktorientierte Ökobilanzierung wird auch als Life Cycle Assessment (LCA) bezeichnet und ist in der Norm DIN EN ISO 14040 standardisiert. Daneben werden die Bilanztypen Prozess-, Betriebs- und Standortbilanz unterschieden. (HMD 274)
Ökologischer Rucksack
Der ökologische Rucksack eines Produktes ist die sinnbildliche Darstellung der Menge an Ressourcen, die bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung eines Produktes verbraucht werden. Typischerweise wird das Gewicht dieses "Rucksacks" ausgewiesen. So schleppt z.B. eine 500 g schwere Jeans einen ökologischen Rucksack von über 30 kg. (HMD 274)
OLAP - Online Analytical Processing
Der Begriff OLAP wurde Anfang der 90er Jahre als Gegensatz zu OLTP (Online Transaction Processing) geprägt. Während sich OLTP auf Informationsverarbeitung im operativen Bereich bezieht, werden mit OLAP meist zahlreiche verschiedene, auch verdichtete und historische Daten angesprochen und analysiert; die daraus hervorgehenden multidimensionalen Informationen dienen der Entscheidungsunterstützung.
OLAP (Online Analytical Processing) erlaubt eine dynamische Analyse in multidimensionalen Datenräumen. Diese Technologie soll so insbesondere flexible, benutzerfreundliche Ad-hoc-Analysen ermöglichen.
One-Stop-eGovernment
One-Stop-Shop bezeichnet im Allgemeinen die Möglichkeit, mehrere für den Kunden zusammenhängende Schritte über eine einzige Schnittstelle (meist einen Anbieter) abwickeln zu können. Im Zusammenhang mit eGovernment werden oft auch behördenübergreifende Prozesse via Portale integriert, um für die Kunden genau diese Schnittstelle bereitzustellen und eine Gesamtlösung ihrer Fragestellung zu erreichen. (HMD 265)
Online Communities
Online Communities - insbesondere Special Interest Communities - dienen als Plattform zur Begegnung von Menschen, die ähnliche Interessen verfolgen. Um den Austausch zwischen den Community-Mitgliedern zu unterstützen, werden grundlegende Kommunikationswerkzeuge wie Foren, Chats, Newsboards, Tauschbörsen etc. zur Verfügung gestellt, die je nach Zielgruppe auf die Interessen der Besucher abgestimmt werden. (HMD 252)
Online-Gemeinschaft
siehe Community bzw. soziales Netzwerk (HMD 280)
Online-Shopsystem (E-Shop)
Internet-Anwendungskomponente, die auf den Grundfunktionen eines Produktkatalogs basiert und die Möglichkeit bietet, Kundendaten anzulegen, Aufträge zu erfassen und z.B. per Kreditkarte zu zahlen. Ein Shopsystem ist quasi eine virtuelle Handelsfiliale, die die Abwicklung von Verkaufsvorgängen in vollem Umfang abbildet. (HMD 240)
Ontologie
Ontologien sind Wissensmodelle, die Begriffe und Beziehungen zwischen Begriffen repräsentieren. Sie erlauben, domänenspezifisches Wissen abzulegen, Klassifikationsstrukturen herzuleiten und Abbildungen zwischen verschiedenen Strukturen aufzudecken.
Ontologien zielen auf maschinelle Verarbeitbarkeit von Daten durch Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses innerhalb einer bestimmten Domäne, sodass eine korrekte semantische Interpretation der eigentlichen Daten z.B. durch Anreicherung mit Metadaten ermöglicht wird. (HMD 270, HMD 274)
Open Content (Freie Inhalte)
Texte, Bild- und Tonwerke, deren kostenlose Nutzung und Weiterverbreitung urheberrechtlich erlaubt ist, werden als Open Content bezeichnet. Dies kann durch eine entsprechende Open-Content-Lizenz herbeigeführt werden. Alternativ kann durch Ablauf gesetzlicher Schutzfristen ein bis dahin geschütztes Werk gemeinfrei werden. (HMD 283)
Open-Content-Lizenz
Open-Content-Lizenzen sind das Pendant zu OSS-Lizenzen, beziehen sich jedoch nicht auf Software, sondern auf andere Werke (z.B. Text, Bild, Ton), die als Open Content bereitgestellt werden sollen. (HMD 283)
Open Data (OD, Offene Daten)
Hierunter fallen sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. (Quelle: von Lucke, J.; Geiger, C.: Open Government Data: Frei verfügbare Daten des öffentlichen Sektors. Friedrichshafen, 2010.) (HMD 283)
Open Evaluation
Open Evaluation bezeichnet einen Vorgang, in dem Lösungsvorschläge, Konzeptideen etc., die im Rahmen von Innovationsaktivitäten entstehen, durch Personen begutachtet bzw. evaluiert werden, die nicht zu einem bereits vorab bestimmten Evaluatorenkreis gehören. (HMD 273)
Open Government
Beim Open Government geht es um die Transparenz im staatlichen Handeln, z.B. mit der Hilfe von Internetportalen und Kommunikationsplattformen, der Partizipation der Bürgerinnen und Bürger bei politischen Anliegen sowie der Möglichkeit vermehrter Zusammenarbeit zwischen Staat und Gesellschaft. (HMD 280)
Open Government Data (OGD, Offene Verwaltungsdaten)
OGD sind offene Daten des öffentlichen Sektors, die von Staat oder Verwaltung bereitgestellt werden. (HMD 283)
Open Innovation
Open Innovation bzw. offene Innovation beschreibt einen neuartigen, durch explizite Öffnung über die Unternehmensgrenze hinausgehenden Ansatz, in dem Hersteller, externe Quellen und potenzielle Nutzer in den kreativen Prozess der Innovationsentwicklung einbezogen werden. Andere Begrifflichkeiten, die dieses Phänomen beschreiben, sind z.B. "interaktive Wertschöpfung". Als exemplarisches und sehr bekanntes Beispiel wird die Open-Source-Softwareentwicklung genannt, bei der räumlich verteilte, voneinander unabhängige Akteure im kollaborativen Verbund eine laufende Weiterentwicklung realisieren und gegenseitig referenzieren. (HMD 273)
Open Source Initiative (OSI)
Die OSI ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung von Open-Source-Software (OSS) widmet. Sie wurde im Februar 1998 von Bruce Perens und Eric S. Raymond gegründet und befasst sich zum einen mit der Definition des OSS-Begriffes und zum anderen mit der Prüfung von Softwarelizenzarten auf Konformität mit dieser Definition. Sie veröffentlicht die Liste der von ihr in dieser Hinsicht bestätigten Lizenzen. (HMD 283)
Open Source Software (OSS)
Open-Source-Software bedeutet in wörtlicher Übersetzung quelloffene Software. Man versteht darunter Software, die neben der Quelloffenheit noch weitere Anforderungen erfüllt, d.h. insbesondere unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz steht. Die OSI stützt sich dabei auf einen als "Open Source Definition" bezeichneten Kriterienkatalog, der auf der Definition freier Software (Free Software) aufbaut:
  1. Freie Weitergabe der Software ohne Lizenzgebühr
  2. Offenlegung und Weitergabe des Quellcodes
  3. Zulassung von Weiterentwicklungen und Ableitungen unter derselben Lizenz wie die Basissoftware
  4. Garantie der Unversehrtheit des originären Quellcodes
  5. Keine Diskriminierung von Personen oder Gruppen
  6. Keine Nutzungseinschränkung für bestimmte Anwendungsgebiete
  7. Unmittelbare Lizenzerteilung für alle, die die Software erhalten, ohne zusätzliche Lizenz
  8. Produktneutralität der Lizenz
  9. Keine Einschränkung anderer Software
  10. Neutralität der Weitergabe bezüglich Technologien/Standards
(Quelle: http://opensource.org/docs/osd) (HMD 283)
Opinion Mining
Opinion Mining als Teilgebiet des Blog Mining hat zum Ziel, entsprechend dem Anwendungsfall Meinungen, Einschätzungen und Stimmungen der betroffenen Personengruppen aufzudecken. Die Selektionskomponente wählt aus Datenbeständen (beispielsweise Foren) Datensätze (beispielsweise Beiträge) aus, extrahiert und aggregiert die darin enthaltenen Aussagen bzw. Bewertungen und stellt sie für weitere Analysen bereit. (HMD 268; HMD 280)
Ortsabhängige Dienste
Mobile Geräte können in bestimmten Fällen ihren aktuellen Standort ermitteln und einer Anwendung zur Verfügung stellen. Damit lassen sich ortsabhängige Dienste (location based services) realisieren, wie das Suchen einer nächstgelegenen Tankstelle oder Reparaturwerkstätte. Neben der aktuellen Position des Anwenders können weitere Umgebungs- und Situationsparameter in die Anwendung einfließen, um orts- und kontextabhängige Dienstleistungen zu ermöglichen. (HMD 244)
Outsourcing (intern vs. extern, total vs. selektiv)
Unter Outsourcing versteht man die Übertragung von Aufgaben, Ressourcen und Verantwortung an einen oder mehrere rechtlich unabhängige Dienstleister. Es findet somit ein Übergang von Eigenerstellung (Make) zu Fremdbezug (Buy) statt, der durch Reduktion der Wertschöpfungstiefe zu einer Veränderung in der zwischenbetrieblichen Arbeitsteilung führt. Von Outsourcing i.e.S. (externes Outsourcing, Auslagerung) spricht man, wenn der Dienstleister nicht nur rechtlich, sondern auch finanziell unabhängig ist vom auslagernden Unternehmen, d.h. beispielsweise nicht demselben Konzern angehört.
Internes Outsourcing (Ausgliederung) liegt vor, wenn die Leistung zwar innerhalb eines finanziell abhängigen Verbundes erbracht wird, aber zumindest rechtliche Unabhängigkeit (z.B. Leistungserbringung durch eine IT-Tochter (sog. Captive Outsourcing)) oder typische Merkmale einer Outsourcing-Beziehung wie z.B. die Erzielung von Skaleneffekten oder der teilweise Erhalt von Marktmechanismen vorliegen. Im diesem Sinne gehen manche Autoren so weit, dass sie ein Shared-Service-Center als spezielle Form des internen Outsourcings betrachten.
In Abhängigkeit vom Grad der Vollständigkeit der übertragenen Aufgaben und Ressourcen spricht man von selektivem vs. totalem Outsourcing. (HMD 237, HMD 245)
Outtasking
Bei dieser Form des selektiven Outsourcings ist der Aufgabenumfang eher klein und es gehen keine oder kaum Vermögenswerte und Personal an den Dienstleister über. Das Ausmaß übertragener Verantwortung ist damit auch weniger weitgehend als im klassischen Outsourcing. (HMD 245)
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