HMD-Gesamtglossar

Dieses akkumulierte HMD-Gesamtglossar wird laufend in Übereinstimmung mit den Einzelheft-Glossaren fortgeschrieben und enthält die Definition von Begriffen ab Heft 227 (Oktober 2002) bis Heft 284 (April 2012) einschließlich.

R

Radio Frequency Identification (RFID)
RFID ist ein drahtloses Identifikationsverfahren auf der Basis hochfrequenter elektromagnetischer Wellen. Der zu identifizierende Gegenstand wird mit einem so genannten elektronischen Etikett (Funketikett) versehen. Dieses Etikett besteht aus Sender, Empfänger, Antenne und Speicher. Je nach Leistungsfähigkeit kann auch ein Mikroprozessor implementiert sein. Alles zusammen weist eine Größe von höchstens einem Cent-Stück auf. Zum Lesen der abgespeicherten Information muss das Etikett in die Nähe einer Scanner-Station gebracht werden. Der Abstand variiert je nach System zwischen einigen cm bis zu 50 cm. Die Energieversorgung für das Etikett erfolgt über die elektromagnetische Kopplung zwischen Scanner und Etikett während des Lese-/Schreibvorganges. Neben der reinen Lesefunktion können die komplexeren Etiketten durch die Scanner-Station wie normale Speicherbausteine im Prinzip beliebig oft beschrieben werden. Dieses Verfahren wird nicht nur zur Identifikation von Gegenständen eingesetzt, sondern dient auch als Grundlage moderner elektronischer Schließanlagen jeglicher Art. (HMD 229; 22.8.2004)
Random Forest
Random Forest ist ein Klassifikationsverfahren, bei dem anstelle eines einzelnen Entscheidungsbaumes mehrere Bäume erstellt und zur Klassifikation von Objekten in einer Menge benutzt werden. (HMD 268)
REACH (Registration, Evaluation, Authorization, and Restriction of chemical Substances)
Die in 2007 in Kraft getretene REACH-Verordnung (Nr. 1907/2006) ist eine EU-Chemikalienverordnung, durch die das bisherige Chemikalienrecht grundlegend harmonisiert und vereinfacht wird. (HMD 274)
Real-Time Enterprise
Real-Time Enterprise (RTE) ist eine Unternehmensstruktur, die durch kontinuierliche Beschleunigung der Managementprozesse die eigene Aktions- und Reaktionsgeschwindigkeit nachhaltig verbessert und verzögerungsfrei auf externe sowie interne Änderungen reagieren und damit Zeit und Kosten einsparen kann. Voraussetzungen und Rahmenbedingungen hierfür sind durchgängig integrierte Geschäftsprozesse und Informationsflüsse entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Im Idealfall sind dabei alle Arbeitsprozesse in einem Unternehmen optimal aufeinander abgestimmt, so dass Data Warehouse, Supply Chain Management, Customer Relationship Management und Enterprise Resource Planning wirkungsvoll ineinander greifen. Dabei endet die Betrachtung von Prozessen und Informationen nicht an den Unternehmensgrenzen. Stattdessen sind Kunden und beteiligte Partnerfirmen beziehungsweise deren Prozesse transparent eingebunden und tauschen Informationen über alle relevanten Ereignisse zeitnah aus (nach A.-W. Scheer, F. Abolhassan, W. Bosch: Real-Time Enterprise. Springer- Verlag, Berlin, 2003). (HMD 240)
Referenzmodell
Unter Referenzmodellen versteht man in einer weiten Interpretation Modelle, die als Bezugspunkt dienen oder Empfehlungscharakter aufweisen, wie z. B. das ISO/OSI-Referenzmodell, ITIL, CobiT oder das Supply Chain Operations Reference (SCOR) Model. Die Beispiele zeigen, dass es neben Modellen mit technischem Bezug und Modellen für das IT-Management selbst auch Referenzmodelle für eine fachliche Anwendungsdomäne gibt. Letztere spielen in einer etwas engeren Sichtweise des Begriffes eine besondere Rolle. Im engeren Sinne bezeichnet ein Referenzmodell ein allgemeingültiges und wiederverwendbares Informationsmodell, das nicht ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Anwendungssituation repräsentiert, sondern eine ganze Klasse von Unternehmen oder Anwendungen, Branchen oder Ähnliches. Es bezieht sich meistens auf eine bestimmte fachliche Domäne und wird als Sollmodell mit Empfehlungscharakter verstanden. Aus Referenzmodellen können durch Modifikation und Erweiterung spezielle Modelle abgeleitet werden. (HMD 241; HMD 256)
Reifegradmodelle
Ein Reifegradmodell misst die Qualität, mit der Softwareentwicklung in einer bestimmten Organisation bzw. deren Softwareentwicklungsbereich betrieben wird. Im Mittelpunkt steht dabei die quantitative und qualitative Bewertung der Softwareentwicklungsprozesse nach vorgegebenen Kriterien. Das Ergebnis, der Reifegrad der Organisation, dient einerseits (insbesondere bei einer Ermittlung nach definierten Begutachtungsverfahren) als Leistungsbeleg gegenüber Auftraggebern, kann aber andererseits auch als Ausgangsbasis für eine Verbesserung der eigenen Softwareentwicklungsprozesse dienen. Darunter fallen z.B. ISO 900x, Bootstrap und ISO 15504 (SPICE). Am häufigsten wird der Begriff aber i.Z. mit CMM bzw. CMMI (Capability Maturity Model bzw. CMM Integration) vom Software Engineering Institute der Carnegie Mellon University verwendet. CMM(I) beschreibt die Merkmale von fünf aufeinander aufbauenden Reife- bzw. Fähigkeitsgradstufen. (HMD 231)
Release
Darunter versteht man ein Build, das dahingehend weiterentwickelt wurde, dass es an den Kunden ausgeliefert werden bzw. in seiner Zielumgebung laufen kann, d.h., es sind die notwendigen Freigabeverfahren zu durchlaufen. Ein Release ist immer auch ein Meilenstein. (HMD 260)
Remanufacturing (Refabrikation, Produktrecycling)
Remanufacturing ist eine Recyclingform, in der es um die funktionale Aufarbeitung von Altprodukten und deren erneute Verwendung geht (Produktrecycling), in Abgrenzung zum Materialrecycling, das der stofflichen Aufbereitung und der anschließenden Verwertung dient. Es unterscheidet sich von der individuellen handwerklichen Instandsetzung dadurch, dass es sich um industrielle Aufarbeitung von Produkten in Serie handelt. (HMD 274)
Reputationssystem
Reputationssysteme werden im elektronischen Marktplatz benötigt, um das kooperative Verhalten der Marktteilnehmer zu fördern und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Dazu müssen die Marktteilnehmer Produkte und Dienstleistungen sowie die elektronische Abwicklung derselben bewerten, um anonymisiert und in aggregierter Form ein Rating des Vertrauensniveaus aufbauen zu können. Häufig wird eine Bewertung des Verkäufers, teilweise auch des Käufers vorgenommen. (HMD 261)
Request for Information (RFI)
Mit einem RFI (Informationsanfrage) werden in Beschaffungsprozessen Informationen von Anbietern über ihre Produkte oder Dienstleistungen eingeholt. Eine RFI-Auswertung dient in der Regel der Vorselektion von Lieferanten, die bei einer später folgenden Angebotsanfrage (Request for Quote) Berücksichtigung finden oder über spätere Ausschreibungen informiert werden sollen. Die Antwort auf eine Informationsanfrage ist noch nicht als Angebot zu werten wie im Falle des RFQ und hat damit auch weniger verbindlichen Charakter. (HMD 259)
Request for Quote/Quotation (RFQ)
Bei einem RFQ (Angebotsanfrage) werden verbindliche und qualifizierte Angebote für einen detailliert spezifizierten Bedarf eingeholt. Die Vorgaben bzw. Anforderungen müssen wesentlich präziser und ausführlicher sein, als dies für einen RFI notwendig ist. (HMD 259)
Resource Description Framework
Das Resource Description Framework oder RDF bildet die Grundstruktur des semantischen Web. RDF ist eine Auszeichnungssprache für wahre Aussagen über Ressourcen im Web. Aussagen werden als Tripel aufgefasst, bestehend aus Subjekt (Ressource, über die eine Aussage gemacht wird), Prädikat (eine Eigenschaft des Subjekts) und Objekt (Argument des Prädikats). Die Menge der Tripel bildet einen gerichteten Graphen. Mithilfe eines RDF-Schemas kann ein Vokabular für eine bestimmte Domäne aufgebaut und benutzt werden. Abfragen sind über OWL (Web Ontology Language) oder SQL-ähnliche Sprachen wie SPARQL möglich. (HMD 271)
Retail Banking
Darunter wird das Mengengeschäft der Banken mit Privat- und kleineren Geschäfts- bzw. Firmenkunden verstanden. (HMD 233)
Retained Organisation
Auch bei totalem Outsourcing eines Bereiches oder Prozesses verbleibt in der Regel eine kleine Organisationseinheit, die sogenannte Retained Organisation, im Unternehmen, die völlig neu organisiert werden muss, um an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Dienstleister vornehmlich Steuerungs- und Koordinationsaufgaben wahrnehmen zu können. Ein typischer Aufgabenbereich der Retained Organisation ist das Demand Management. (HMD 278)
Retrospektive Kohärenz
Die Erscheinung, dass manche Abläufe sich nur im Nachhinein als Ursache-Wirkungs-Ketten erklären lassen, bezeichnet man als retrospektive Kohärenz. (HMD 260)
Return on Investment (ROI)
Die Kennzahl Return on Investment (ROI) bezeichnet den Ertrag des eingesetzten Kapitals. Der ROI steht für den Gewinn im Verhältnis zu investiertem Kapital. Die Kennzahl kann sowohl auf Unternehmensebene (Rentabilität des Gesamtunternehmens) als auch auf Projektebene (Rentabilität des Projektes) eingesetzt werden. (HMD 253)
Revisionssicherheit
Im Rahmen der Revisionssicherheit wird sichergestellt, dass unternehmenskritische Daten im Nachhinein nicht mehr manipuliert oder überschrieben werden können. Gesetzlich ist dieses Gebot u.a im § 146 der Abgabenordnung geregelt; dort heißt es im Absatz 4: "Eine Buchung oder eine Aufzeichnung darf nicht in einer Weise verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr feststellbar ist. Auch solche Veränderungen dürfen nicht vorgenommen werden, deren Beschaffenheit es ungewiss lässt, ob sie ursprünglich oder erst später gemacht worden sind." (HMD 263)
Risk Management/Risikomanagement
Risikomanagement (RM) richtet sich als Teilbereich der Managementverantwortung auf die mit vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Aktivitäten des Unternehmens verbundenen Risiken, die es zu vermeiden oder zu minimieren gilt. Die Wahrnehmung von RM prägt sich in der Einrichtung eines Risikomanagementsystems aus, dessen Kern gewöhnlich der RM-Prozess bildet. Dieser wird in einzelne funktionale Phasen gegliedert, wie Risikoidentifikation, -bewertung, -behandlung, -überwachung und Risikoreporting. Für ein vollständiges Risikomanagementsystem müssen weitere Elemente berücksichtigt werden, vor allem risikoorientierte Managementprinzipien (Risikostrategie bzw. -politik, Richtlinien etc.), eine Risikomanagementorganisation, definierte Verfahren und Instrumente des Risikomanagements sowie die Risikokultur des Unternehmens. (HMD 263)
RoHS (Restriction of Hazardous Substances)
RoHS ist die Bezeichnung der EG-Richtlinie 2002/95/EG zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten sowie ihrer jeweiligen Umsetzung in nationales Recht. In Deutschland erfolgte dies durch das am 16. März 2005 in Kraft getretene Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das neben der RoHS auch die WEEE in deutsches Recht umsetzte. (HMD 274)
ROSI
Return on Security Investment ist ein einfacher strategisch- ökonomischer Ansatz, der eine Monetarisierung der Informationssicherheit vornimmt, indem er vorhandene Risiken auf durchschnittliche Schäden pro Jahr umlegt. Dabei ist der ROSI gleich dem Verhältnis von der Summe aus eingesparten Schäden und Opportunitätsnutzen zu den Kosten der Sicherheitsinvestitionen. (HMD 236)
RSS
RSS wurde mit dem Ziel entwickelt, im Internet Nachrichten oder andere Webinhalte auszutauschen. Hierzu wird für eine entsprechende Webseite nach jeder Änderung eine XML-Datei generiert, die von einem RSS-Reader eines Abonnenten regelmäßig gelesen und als RSS-Feed angezeigt wird. Auf diese Weise wird ein interessierter Internetbenutzer immer automatisch über aktuelle Änderungen auf der ihn interessierenden Webseite informiert. Die Abkürzung RSS wird ungenau gehandhabt und weist in Abhängigkeit von der jeweiligen Spezifikation eine unterschiedliche Bedeutung auf: (HMD 252; HMD 255)
RSS-Feed
Das Format RSS (Real Simple Syndication) bietet die Möglichkeit, automatisch benachrichtigt zu werden, wenn sich der Inhalt einer Website geändert hat. Benutzern werden diese Änderungen in Form von Kurznachrichten als RSS-Feed angezeigt. Im öffentlichen Internet haben sich RSS-Feeds im Umfeld von Blogs als Benachrichtigungsmedium durchgesetzt. In der verteilten Zusammenarbeit können sie genutzt werden, um Teammitglieder über Änderungen an gemeinsamen Inhalten zu benachrichtigen. (HMD 267)
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