Glossar

zum Schwerpunktthema Virtuelle Organisationen

Glossar zu HMD 242, erschienen im April 2005.

B

Controlling in virtuellen Organisationen (VO)
Die hohe Autonomie der VO-Partner, die Bildung wechselnder Teams zur Planung und Erbringung konkreter VO-Leistungen und die verteilte Leistungserstellung verlangen einerseits ein ausgeprägtes Controlling, erschweren es aber andererseits auch. Bei der Umsetzung ist zwischen auftragsübergreifender und auftragsbezogener Controllingebene zu unterscheiden: Letztere bezieht sich auf die marktgerechte Abwicklung einzelner VO-Aufträge; i.R. der zuerst genannten plant und steuert das Controlling die VO-Mitglieder (Partnercontrolling), übergreifende Aktionen (Aktionscontrolling), den VO-Erfolg (Erfolgscontrolling) sowie den Managementprozess im VO (vgl. Hess, T.; Wittenberg, S.: IT-gestütztes Netzwerkcontrolling. In: HMD 242). (HMD 242)

E

eCollaboration Tools
Die IT-Werkzeuge zur Unterstützung der Telekooperation ermöglichen die elektronische Zusammenarbeit zwischen Personen oder Unternehmen bzw. beliebigen Institutionen mit verteilten Standorten. Sie können bspw. der Zusammenarbeit in einer virtuellen Organisation oder in Wertschöpfungsketten, der gemeinsamen Produktentwicklung (Collaborative Design), Bedarfsplanung (Collaborative Forecasting and Planning) oder Beschaffung (Collaborative Sourcing) dienen. (HMD 242)

T

Telearbeit
Telearbeiter erbringen ihre Arbeitsleistung als Arbeitnehmer oder Freiberufler entfernt vom Standort ihres Arbeit- oder Auftraggebers und nutzen IuK-Technologien zur Überbrückung der räumlichen Distanz. Ausprägungsformen sind: Teleheimarbeit, alternierende Telearbeit, mobile Telearbeit, Telearbeit in eigens eingerichteten Zentren (Satelliten-, Nachbarschaftsbüro, Teleservicezentren). In der Praxis verbreitet sind v.a. mobile und alternierende Telearbeit. Die Zahl der Telearbeitsplätze lag 2002 in Deutschland bereits bei 6, in der EU bei 20 Millionen. (HMD 242)
Telekooperation
Darunter ist i.w.S. IuK-gestützte synchrone und asynchrone Zusammenarbeit (Informationsaustausch, Kommunikation, gemeinsame Erstellung einer Leistung) zwischen Personen zu verstehen, die an verschiedenen Standorten einer oder auch verschiedener Institutionen tätig sind. Verwandt ist der Begriff CSCW, Computer Supported Cooperative Work bzw. computerunterstütztes kooperatives Arbeiten. Sowohl Telekooperation als auch CSCW können sich i.e.S. auf die Zusammenarbeit in Kleingruppen - z.B. innerhalb eines virtuellen Teams - beziehen. (HMD 242)

V

Vertrauen in virtuellen Organisationen
Vertrauen ist eine Voraussetzung für schnelles und zielgerichtetes Handeln in virtuellen Organisationen (VO), lässt sich aber i.R. dieser Organisationsform nur schwer bilden. Insbesondere bei hoher Komplexität der VO-Leistungen sind soziale Infrastrukturen (Sozialkapital) zwischen den VO-Partnern erforderlich, die gegenseitiges Verständnis und wechselseitigen Wissenszugang fördern. Erschwert wird die Bildung von Sozialkapital durch (a) das Fehlen stabiler formeller Strukturen, (b) die Zusammenarbeit von Partnern mit unterschiedlichen Kernkompetenzen und voneinander abweichendem Vorwissen sowie (c) durch die Konzentration auf IuK-gestützte Kooperation und damit fehlende physische Nähe. Das Management von VO muss deshalb spezielle Maßnahmen zur Sozialkapitalbildung planen und verfolgen (vgl. Riemer, K.; Klein, S.: Herausforderungen virtueller Organisation. In: HMD 242). (HMD 242)
Virtuelle Organisation
Virtuelle Organisationen im engeren (institutionellen) Sinn sind Kooperationen in der Form von Netzwerken, die i.V. zu Einzelorganisationen anstehende Aufgaben schneller, flexibler und effizienter abwickeln sollen. Merkmale des VO-Idealtyps sind:
  • Einheitliches Auftreten gegenüber der Umgebung
  • bei interner Aufgabenlösung / Leistungserstellung durch mehrere Partner,
  • die jeweils ihre Kernkompetenzen einbringen,
  • nur zeitlich begrenzt zusammenarbeiten,
  • dabei rechtlich selbstständig bleiben,
  • weitgehend ohne zentrale Managementfunktionen auskommen und
  • sich der IT als Enabler bedienen.
Realtypen weichen mehr oder weniger stark von dieser Merkmalskombination ab. Bspw. können Partner i.R. eines geschlossenen oder (für neue Partner) offenen Pools über längere Zeiträume eine gemeinsame VO bilden, für konkrete Aufgaben werden jeweils wechselnde Teams aus dem Pool gebildet. Es gibt VO mit einem zentralen, leitenden Partner ebenso wie gemeinsam geleitete VO gleichrangiger Organisationen.
Virtuelle Organisationen im weiteren (funktionalen) Sinn realisieren die räumliche und zeitliche Entkopplung arbeitsteiliger Prozesse und deren Verteilung auf mehrere Organisationen. (HMD 242)
Virtuelle Produkte
Darunter werden physische Produkte und Dienstleistungen verstanden, die "on demand", d.h. nach Anforderung durch einen Interessenten / Kunden von der anbietenden Institution, z.B. einem Unternehmen oder einer virtuellen Organisation, erzeugt und geliefert werden. (HMD 242)
Virtuelle Unternehmen
Virtuelle Unternehmen sind virtuelle Organisationen, deren Mitglieder Unternehmen beliebiger Größe und Branchenausrichtung aus der Wirtschaft sind. (HMD 242)
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