Glossar

zum Schwerpunktthema IT-Industrialisierung

Glossar zu HMD 256, erschienen im August 2007.

A

Anwendungs(system)management (Applikationsmanagement)
Dies umfasst die Planung, Steuerung und Kontrolle von Anwendungssystemen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg (Anwendungsentwicklung und Anwendungswartung). Neben der lebenszyklusorientierten Sichtweise ist es zudem gekennzeichnet durch die Betrachtung eines gesamten Bestandes an (vorhandenen und geplanten) Anwendungssystemen (Applikationsportfolio). Bestehen Anwendungen aus eigenständigen, extern bereitgestellten Komponenten, ist eine Trennung in ein internes und externes Anwendungsmanagement sinnvoll, um zwischen den Aufgaben des Anwenderunternehmens (Komponentennutzers) und den Aufgaben der externen Bereitstellung von Komponenten zu unterscheiden (vgl. Grollius, T.; Lonthoff, J.; Ortner, E.: Softwareindustrialisierung durch Komponentenorientierung und Arbeitsteilung. In: HMD 256, S. 37-45).
Anwendungswartung (Applikationswartung)
Gemäß IEEE 1219-98 bezeichnet man als Wartung die Veränderung eines Softwareprodukts oder einer Komponente nach Auslieferung an den Kunden oder Nutzer - zwecks Fehlerbehebung, Leistungssteigerung oder Anpassungen an eine veränderte Umgebung. Diese traditionelle Auffassung bezieht sich primär auf selbst erstellte Individualsoftware oder auf Standardsoftware eines externen Anbieters, die dieser eigenverantwortlich zu warten hat. Aus der Perspektive einer unternehmensinternen Wartungsorganisation ist diese Definition zu eng gefasst. Deshalb kann man allgemeiner unter Anwendungswartung sämtliche Aufgaben verstehen, die sicherstellen, dass für eine oder mehrere Anwenderorganisationen funktionsfähige und betriebsbereite Applikationen zur Unterstützung von Geschäftsprozessen kontinuierlich nach deren erstmaliger Einführung bereitgestellt werden (vgl. Heslenfeld, G.; Maicher, M.; Sauerzapf, G.; Smorenberg, H.: Application Services Library - ein Beitrag zur Industrialisierung der Applikationswartung. In: HMD 256, S. 64-76). Damit stellt die Anwendungswartung ein wichtiges Teilgebiet des Anwendungsmanagements dar.

C

Commodity
Ursprünglich ist Commodity die englische Bezeichnung für Güter, die direkt aus der Natur gewonnen werden, sich gut lagern lassen und in ihrer Qualität leicht vergleichbar sind. Für die Beschaffungsentscheidung ist in der Regel nur ihr Preis relevant, sodass sie gängigerweise auf Börsen (Commodity Exchanges) gehandelt werden. Typische Beispiele sind Rohstoffe. Zunehmend wird der Begriff aber auch für andere Güterarten, z. B. Konsumgüter oder industrielle Gebrauchsgüter, benutzt, sofern diese als standardisierte Massenware angeboten werden und neben dem Preis kein Differenzierungspotenzial besitzen. Hieraus resultieren niedrige Margen und geringe Kundenbindung. In dieser etwas weiter gefassten Bedeutung hat der Begriff auch Eingang in die IT-Branche gefunden. (HMD 256)

F

Fachkomponente
Eine Fachkomponente ist eine Komponente, die im Gegensatz zu einer Systemkomponente anwendungsspezifische Dienste implementiert. Für die Spezifikation von Fachkomponenten hat ein Arbeitskreis der Gesellschaft für Informatik (GI) einen Spezifikationsrahmen entwickelt, der folgende sieben Ebenen umfasst: Vermarktungs-, Aufgaben-, Terminologie-, Qualitäts-, Abstimmungs-, Verhaltens- und Schnittstellenebene (siehe dazu http://www.wi2.info/downloads/gi-files/MEMO/Memorandum-final-2-44-mit-literatur-Web.pdf). (HMD 256)

I

Industrialisierung
Unter Industrialisierung versteht man allgemein die Einführung und Verbreitung industrieller Formen der Produktion und Distribution von Waren und Dienstleistungen. (HMD 256)
IT-Industrialisierung
IT-Industrialisierung bezeichnet die Automatisierung und Standardisierung des IT-Leistungserstellungsprozesses durch Übertragung bewährter Methoden und Prozesse aus dem Bereich der industriellen Fertigung. Etwas weiter gefasst geht es um die Übertragung typischer aus Industrieunternehmen stammender Konzepte auf verschiedene Bereiche der IT- Branche, z. B. auf die Hardware- und Softwareentwicklung, aber zunehmend auch auf das Informationsmanagement. Ziel der Industrialisierung des Informationsmanagements ist die Steigerung von Effizienz und Effektivität der betrieblichen IT-Bereiche sowie von externen IT-Dienstleistern. Als typische Beispiele für übertragbare Industrialisierungskonzepte lassen sich folgende anführen: Automatisierung, Standardisierung von Prozessen und Produkten, Komponentenorientierung und Modulbauweise, Plattformstrategien, Wiederverwendung, kontinuierliche Verbesserung verbunden mit einem Streben nach Mess- und Steuerbarkeit, Arbeitsteilung und Re duktion der Fertigungstiefe sowie eine globale Beschaffung. (HMD 256)
IT-Service (IT-Dienstleistung)
Ein IT-Service ist nach der aktuellen Version 3 von ITIL ein Service, der von einem Service-Provider einem oder mehreren Kunden zur Verfügung gestellt wird. Ein IT- Service basiert auf Informations- und Kommunikationstechnologien und unterstützt die Geschäftsprozesse des/der Kunden. Der IT-Service entsteht dabei durch die Kombination von Personen (Fähigkeiten), Prozessen und Technologie und sollte in einem Service Level Agreement festgelegt sein (vgl. www.best-management-practice.com/gempdf/ITIL_Glossary_V3_1_24.pdf). Aus der Sicht des Kunden ergibt sich ein IT-Service aus Aktivitäten, die für den Kunden und dessen Geschäftsprozesse entweder Restriktionen beseitigen oder die Leistungsfähigkeit der Geschäftsprozesse erhöhen. Die Dimensionen zur Beurteilung eines IT-Service aus Kundensicht sind "Brauchbarkeit/Nutzbarkeit" (Utility) und "Verfügbarkeit/ Gewährleistung" (Warranty). (HMD 256)

R

Referenzmodell
Unter Referenzmodellen versteht man in einer weiten Interpretation Modelle, die als Bezugspunkt dienen oder Empfehlungscharakter aufweisen, wie z. B. das ISO/OSI-Referenzmodell, ITIL, CobiT oder das Supply Chain Operations Reference (SCOR) Model. Die Beispiele zeigen, dass es neben Modellen mit technischem Bezug und Modellen für das IT-Management selbst auch Referenzmodelle für eine fachliche Anwendungsdomäne gibt. Letztere spielen in einer etwas engeren Sichtweise des Begriffes eine besondere Rolle. Im engeren Sinne bezeichnet ein Referenzmodell ein allgemeingültiges und wiederverwendbares Informationsmodell, das nicht ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Anwendungssituation repräsentiert, sondern eine ganze Klasse von Unternehmen oder Anwendungen, Branchen oder Ähnliches. Es bezieht sich meistens auf eine bestimmte fachliche Domäne und wird als Sollmodell mit Empfehlungscharakter verstanden. Aus Referenzmodellen können durch Modifikation und Erweiterung spezielle Modelle abgeleitet werden. (HMD 256)

S

Servicebaum
Unter Servicebaum wird ein Konzept zur strukturierten Beschreibung der Komponenten eines (IT-)Service verstanden. Einzelne technische Komponenten werden zu Applikationen, diese zu Applikationsprozessen und diese wiederum zu Servicebäumen zusammengefasst. Damit ergibt sich durch Servicebäume eine ganzheitliche Sicht auf einen (IT-)Service, ausgehend von der dem Kunden bereitgestellten Leistung bis hin zu allen an der Leistungserbringung beteiligten Komponenten. Servicebäume kommen vor allem beim Betrieb und bei der Überwachung von IT-Infrastrukturen zum Einsatz. Fällt beispielsweise eine spezifische IT-Komponente (z. B. Router) aus, können über die Bottom-up-Verknüpfung dieser Komponente mit dem für einen Kunden relevanten IT-Service direkt Aussagen über Auswirkungen auf Applikationen, Applikationsprozesse und Geschäftsprozesse identifiziert werden. (HMD 256)
Skaleneffekt ("economies of scale", Betriebsgrößeneffekt, Größenvorteil)
Von positiven Skaleneffekten im engeren Sinne spricht man, wenn mit steigender Produktionsmenge die Grenzkosten sinken, etwas allgemeiner allerdings auch schon, wenn lediglich die Stückkosten abnehmen. Ursachen für solche Effekte liegen im höheren Spezialisierungsgrad und der Nutzung von typischen Kostensenkungspotenzialen, z. B. die Beschaffung größerer Mengen, die höhere Automatisierung, effizientere Logistiksysteme und Lagerhaltung oder auch die Nutzung von Marktmacht gegenüber Lieferanten. (HMD 256)
Systemkomponente
Eine Systemkomponente ist eine Komponente, die im Gegensatz zu einer Fachkomponente generische, in der Regel systemnahe Dienste implementiert, die in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen können. (HMD 256)
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