Glossar
zum Schwerpunktthema Green Computing & Sustainability
B
- Betriebliche Umweltinformatik (BUI)
- BUI ist auf der Schnittstelle von Umweltinformatik und Wirtschaftsinformatik angesiedelt und beschäftigt sich u.a. mit den ökonomischen Aspekten der Umweltinformatik und den betrieblich relevanten Informationssystemen (betriebliche Umweltinformationssysteme). (HMD 274)
- Betriebliches Umweltinformationssystem (BUIS)
-
Ein BUIS stellt ein organisatorisch-technisches System zur
systematischen Erfassung, Verarbeitung und Bereitstellung
umweltrelevanter Informationen in einem Unternehmen dar
[Rautenstrauch: Betriebliche Umweltinformationssysteme.
Berlin, 1999, S. 11].
Aufgrund der breiten Ausrichtung lassen sich unter dem Oberbegriff BUIS eine Vielzahl von Systemen mit unterschiedlichen Aufgaben subsumieren. Entscheidend sind dabei die beiden Merkmale "Umweltrelevanz" und "betriebliche Relevanz": Im Gegensatz zum Umweltinformationssystem beschäftigen sich BUIS mit der Analyse, Bewertung und Unterstützung betrieblich relevanter Umweltaspekte.
BUIS können sehr spezifische Ausprägungen aufweisen. Beispielsweise können sie als produktionsnahe Systeme der Energie- und Materialflussanalyse dienen, zur Unterstützung des Ökocontrollings herangezogen werden oder auch als Berichts- und Auskunftssysteme z.B. für die Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgestaltet sein. (HMD 274).
C
- Carbon Footprint
-
Der Carbon Footprint ist ein Instrument zur Bewertung von
Umweltwirkungen eines Produktes oder Unternehmens. Je nach
Auffassung umfasst er entweder sämtliche Treibhausgase oder
ausschließlich CO2-Emissionen.
Einig ist man sich darüber, dass der Carbon Footprint sowohl direkte (eigene Wertschöpfung) als auch indirekte Emissionen (Energieversorgung und Vorstufen) umfassen sollte. Seine Ermittlung kann aus zwei Richtungen erfolgen - entweder anhand einer Prozessanalyse (bottom-up) oder einer sogenannten Environmental-Input/Output-(EIO-)Analyse (top-down). Während erstere eine detaillierte Analyse auf Produktebene erlaubt, adressiert die EIO-Analyse die Abschätzung des Carbon Footprints von Industriezweigen und -ländern. Zugrunde liegt diesem Ansatz die Annahme, dass die ökonomischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft (d.h. ihre Inputs/Outputs), insbesondere Geldströme, eine Abschätzung der Umweltwirkungen zulassen. Zur Unterstützung solcher Analysen dienen Input/Output-Tools. (HMD 274)
D
- Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit
-
Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in 1992 wurde
im Rahmen der Agenda 21 ein Konzept zur nachhaltigen
Entwicklung erarbeitet, das auf den drei Dimensionen Ökologie,
Ökonomie und Soziales aufbaut. Dies führte zur Herausbildung
des "Drei-Säulen-Modells" der Nachhaltigkeit, das häufig
auch mit dem Schlagwort "Triple Bottom Line" bezeichnet wird:
- Die ökologische Nachhaltigkeit zielt auf die Erhaltung des ökologischen Systems als Lebensgrundlage ab.
- Die ökonomische Nachhaltigkeit dient der Aufrechterhaltung einer ausreichenden bzw. gewünschten Lebensqualität. Sie zielt somit auf die Erhaltung des ökonomischen Kapitalstocks.
- Soziale Nachhaltigkeit zielt auf Erhalt des Sozialkapitals. Das Sozialkapital stellt dabei den Bestand an sozialen Netzwerken, Vertrauen und kooperationsfördernden Werten und Normen einer Gesellschaft dar.
E
- EMAS (Eco-Management and Audit Scheme)
- Das Umweltmanagementsystem EMAS (System zum Aufbau eines Umweltmanagements (UMS) und zur Durchführung der Umweltbetriebsprüfung), auch bekannt als Öko-Audit, Umwelt-Audit oder Öko-Audit-Verordnung, ist ein von der Europäischen Gemeinschaft 1993 entwickeltes Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Es basiert auf der Verordnung (EG) 1221/2009 (EMAS III). Der Aufbau eines UMS und die Abläufe entsprechen seit 2001 der ISO 14001. EMAS geht allerdings über ein reines Managementsystem hinaus. (HMD 274)
- End-of-Pipe-Technologie
- Im Umweltschutz werden zwei verschiedene Arten von Vermeidungstechnologien unterschieden: Neben dem integrierten Umweltschutz, der am Produktionsprozess selbst ansetzt und diesen verändert, gibt es Maßnahmen des additiven Umweltschutzes, sogenannte End-of-Pipe-Technologien, die den Produktionsprozess unangetastet lassen und Umweltbelastung durch nachgeschaltete Maßnahmen verringern. Beispiele sind Partikelfilter oder Entschwefelungsanlagen. (HMD 274)
- Energie- und Materialflussanalyse (Energie- und Materialflussrechnung, Stoffstromanalyse)
- Die Energie- und Materialflussrechnung stellt die methodische Grundlage vieler Nachhaltigkeitsinstrumente dar. Sie dient der Analyse und Dokumentation von Bewegungen und Veränderungen physikalischer Größen in einem betrachteten System. Ausgelöst werden Stoff- und Energieströme zum einen durch Produktions- und Transportprozesse, zum anderen durch Nutzungs- und Recyclingvorgänge. Diese Transformationsprozesse, die eingehende Stoffe und Energien in neue ausgehende Stoffe und Energien umwandeln, sind durch Stoff- und Energieströme miteinander verbunden und können mithilfe eines Stoffstromnetzes (z.B. auf Basis von Petrinetzen) modelliert werden. Mithilfe von betrieblichen Umweltinformationssystemen (BUIS) können Energie- und Materialflussrechnungen computergestützt durchgeführt werden. (HMD 274)
- Energie- und Stoffstrommanagement (ESSM)
- ESSM hat die Aufgabe, die industriellen Stoff- und Energieflüsse unter Berücksichtigung vor- und nachgeschalteter Produktionsstufen möglichst ressourcen- und umweltschonend zu steuern. Zur Erfüllung dieser Aufgabe bedient sich das ESSM häufig der Energie- und Materialflussanalyse. (HMD 274)
G
- Green Computing
- Beschäftigt sich der Trend "Green IT" derzeit insbesondere mit Energie- und Ressourceneffizienz von Rechnern, Rechenzentren und sonstiger IT-Infrastruktur, zielt der Begriff "Green Computing" darüber hinausgehend darauf ab, dass neben der Informationstechnik auch Informationssysteme in entsprechende Fragestellungen einzubeziehen sind. Zudem wandert der Fokus weg von Ressourceneffizienz in der IT ("Green for IT") hin zu Ressourceneffizienz durch IT ("IT for Green"). (HMD 274)
- Green IT
- Unter "Green IT" fallen Maßnahmen und Lösungen, die zu einer effizienteren Nutzung von Energie durch die IT-Infrastruktur und zu einer umweltfreundlicheren Produktion und Verwertung von IT-Hardware beitragen, einschließlich der begleitenden Aktivitäten zu deren Steuerung und Kommunikation. (HMD 274)
I
- Input/Output-Tools
- Input/Output-Tools gehören neben LCA-Datenbanken zu Systemen, die den Aufwand für die Erstellung produktorientierter Ökobilanzen oder die Ermittlung des Carbon Footprints vereinfachen können. Basieren LCA-Datenbanken eher auf Materialeigenschaften und den daraus ableitbaren Informationen, so dienen Input/Output-Tools einer Einschätzung von Umweltwirkungen durch Branchenzuordnung (von Produkten) und Ableitung aus den Input/Output-Daten einer Volkswirtschaft und ihrer Sektoren. (HMD 274)
- ISO 14001 (DIN EN ISO 14001)
- Die ISO 14001 ist eine erstmals im Jahr 1996 veröffentlichte internationale Umweltmanagementnorm. Sie enthält allgemeine Vorgaben für den Aufbau eines Umweltmanagementsystems (UMS), deren Ziel es ist, die Umweltbelastungen durch Anwendung eines entsprechenden Systems zu verringern. Unternehmen können sich nach dieser Norm zertifizieren lassen. (HMD 274)
K
- Kaskadennutzung
- Kaskadennutzung beschreibt die Idee, Produkte und Materialien in möglichst vielen Nutzungszyklen zu verwenden. So wird eine mehrfache stoffliche und - wenn dies nicht mehr möglich ist - ggf. energetische Nutzung vorgenommen. Diese mehrmalige Verwertung im Wirtschaftssystem soll die Nutzungseffizienz von Rohstoffen erhöhen und den Ressourcenbedarf reduzieren. (HMD 274)
L
- Life Cycle Assessment (LCA)
- LCA ist die englischsprachige Bezeichnung für eine produktorientierte Ökobilanz. (HMD 274)
- Life-Cycle-Assessment-(LCA-)Datenbank
- Die Erstellung einer produktorientierten Ökobilanz ist mit hohem Aufwand verbunden. Abhilfe schaffen LCA-Datenbanken, die Basisdaten zu Umweltwirkungen z.B. Emissionen liefern und bei der Ökobilanzerstellung herangezogen werden können. Einem ähnlichen Zweck dienen Input/Output-Tools. (HMD 274)
N
- Nachhaltigkeit (Sustainability)
- Die Begriffe Sustainable Development (nachhaltige Entwicklung) bzw. Sustainability (Nachhaltigkeit) wurden erstmals im sogenannten Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung geprägt. Die darin erarbeitete Definition lautet: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen" [Hauff: Unsere gemeinsame Zukunft. Greven, 1987, S. 50]. Als Lösungsansatz für globale, soziale und ökologische Probleme sowie deren Integration ist diese Definition Ursprung der meisten Nachhaltigkeitsansätze. Sehr verbreitet ist heute das "Drei-Säulen-Modell" der Nachhaltigkeit. (HMD 274)
- Nachhaltigkeitsberichterstattung (Sustainability Reporting)
- Die allgemeine Berichterstattung dient Unternehmen dazu, ihre Leistungen gegenüber internen und externen Anspruchsgruppen zu kommunizieren. Dies geschah in den letzten Jahrzehnten vornehmlich über die Finanzberichterstattung. Heutige Unternehmen beziehen jedoch neben dem klassischen Geschäftsbericht zusätzliche Elemente aus Umwelt und Sozialem ein. Diese neue Form der integrierten Berichterstattung, die die ökonomische, ökologische und soziale Leistung des Unternehmens berücksichtigt, wird als Nachhaltigkeitsberichterstattung bezeichnet. (HMD 274)
O
- Ökobilanz
-
Durch das Aufstellen von Ökobilanzen lassen sich die mit der
Herstellung, Nutzung oder Entsorgung von Produkten und
Dienstleistungen verbundenen Stoff- und Energieströme erfassen
und ihre Umweltwirkungen abbilden. Wird die Ökobilanz über den
Produktfokus hinaus erweitert, kann sie als ein Instrument zur
Erfassung, Bewertung und Abbildung von Umweltwirkungen, die
von Produkten, Prozessen oder dem gesamten Unternehmen
ausgehen, gesehen werden.
Der gängigste Ökobilanztyp ist die Produktbilanz. Die produktorientierte Ökobilanzierung wird auch als Life Cycle Assessment (LCA) bezeichnet und ist in der Norm DIN EN ISO 14040 standardisiert. Daneben werden die Bilanztypen Prozess-, Betriebs- und Standortbilanz unterschieden. (HMD 274) - Ökologischer Rucksack
- Der ökologische Rucksack eines Produktes ist die sinnbildliche Darstellung der Menge an Ressourcen, die bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung eines Produktes verbraucht werden. Typischerweise wird das Gewicht dieses "Rucksacks" ausgewiesen. So schleppt z.B. eine 500 g schwere Jeans einen ökologischen Rucksack von über 30 kg. (HMD 274)
- Ontologie
-
Ontologien sind Wissensmodelle, die Begriffe und Beziehungen
zwischen Begriffen repräsentieren. Sie erlauben,
domänenspezifisches Wissen abzulegen,
Klassifikationsstrukturen herzuleiten und Abbildungen zwischen
verschiedenen Strukturen aufzudecken.
Ontologien zielen auf maschinelle Verarbeitbarkeit von Daten durch Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses innerhalb einer bestimmten Domäne, sodass eine korrekte semantische Interpretation der eigentlichen Daten z.B. durch Anreicherung mit Metadaten ermöglicht wird. (HMD 274)
R
- REACH (Registration, Evaluation, Authorization, and Restriction of chemical Substances)
- Die in 2007 in Kraft getretene REACH-Verordnung (Nr. 1907/2006) ist eine EU-Chemikalienverordnung, durch die das bisherige Chemikalienrecht grundlegend harmonisiert und vereinfacht wird. (HMD 274)
- Remanufacturing (Refabrikation, Produktrecycling)
- Remanufacturing ist eine Recyclingform, in der es um die funktionale Aufarbeitung von Altprodukten und deren erneute Verwendung geht (Produktrecycling), in Abgrenzung zum Materialrecycling, das der stofflichen Aufbereitung und der anschließenden Verwertung dient. Es unterscheidet sich von der individuellen handwerklichen Instandsetzung dadurch, dass es sich um industrielle Aufarbeitung von Produkten in Serie handelt. (HMD 274)
- RoHS (Restriction of Hazardous Substances)
- RoHS ist die Bezeichnung der EG-Richtlinie 2002/95/EG zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten sowie ihrer jeweiligen Umsetzung in nationales Recht. In Deutschland erfolgte dies durch das am 16. März 2005 in Kraft getretene Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das neben der RoHS auch die WEEE in deutsches Recht umsetzte. (HMD 274)
S
- Stoffstromanalyse, -management
- Energie- und Materialflussanalyse, Energie- und Stoffstrommanagement (HMD 274)
T
- Triple Bottom Line
- Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit (HMD 274)
U
- Umweltinformatik
- Die Umweltinformatik ist wie viele andere "Bindestrich-Informatikfächer" ein interdisziplinäres Fach und wird der angewandten Informatik zugerechnet. Sie beschäftigt sich mit der Analyse und Bewertung von Umweltsachverhalten mit Mitteln der Informatik. Auf der Schnittstelle von Umweltinformatik und Wirtschaftsinformatik ist das Fach betriebliche Umweltinformatik (BUI) angesiedelt. (HMD 274)
- Umweltinformationssystem (UIS)
- Im Gegensatz zum betrieblichen Umweltinformationssystem (BUIS) versteht man unter UIS computergestützte Informationssysteme oder Datenbanken, die dem Verwalten, Erfassen, Verarbeiten oder Bewerten von umweltrelevanten Sachverhalten dienen und keinen expliziten Unternehmensfokus haben. Beispiele sind LCA-Datenbanken, öffentlich betriebene Umweltportale, Geoinformationssysteme mit umweltrelevanten Daten etc. (HMD 274)
W
- WEEE (Waste Electrical and Electronic Equipment)
- WEEE bezeichnet die EG-Richtlinie 2002/96/EG über (überflüssige) Elektro- und Elektronik-Altgeräte. Ziel ist die Reduktion von Elektronikschrott, der aus Altgeräten stammt, durch Vermeiden, Verringern und umweltverträgliches Entsorgen auf Basis einer erweiterten Herstellerverantwortung. Die Umsetzung in deutsches Recht erfolgte am 16. März 2005 durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), das neben der WEEE auch die RoHS in deutsches Recht umsetzte. (HMD 274)






