Glossar

zum Schwerpunktthema Strategisches IT-Management

Glossar zu HMD 284, erschienen im April 2012.

A

Anwendungslandschaft (Applikationslandschaft)
Ein dem Anwendungsportfolio ähnlicher Begriff zur Bezeichnung des Bestands an Anwendungen eines Unternehmens, der allerdings weniger stark auf die Bewertung nach entscheidungsrelevanten Kriterien abhebt, sondern eher auf die fachlich-inhaltlichen oder technischen Abhängigkeiten innerhalb der Gesamtheit sich in Betrieb befindlicher Anwendungen eines Unternehmens abzielt. Anwendungslandschaften können in Form von Softwarekarten (z.B. Bebauungsplänen) visualisiert werden. (HMD 284)

B

Bebauungsplan (Bebauungsdiagramm)
In der Regel ist dies eine zweidimensionale Visualisierung einer Anwendungslandschaft, die die Abdeckung (Bebauung) der Elemente beider Dimensionen mit Anwendungen veranschaulicht. Ein typischer Bebauungsplan kann beispielsweise auf den Dimensionen Geschäftsprozess und Organisationseinheit basieren und aufzeigen, welche Anwendungen welche Prozesse unterstützen und in welchen Organisationseinheiten genutzt werden. Bebauungspläne als spezielle Form einer Softwarekarte sind somit besonders geeignet, Abhängigkeiten aufzuzeigen. Neben Anwendungen sind prinzipiell auch andere Bebauungsobjekte (z.B. Datenbanken, Services) möglich.
Die Begriffe Bebauungsplan und -diagramm werden häufig synonym benutzt, lediglich in einem engeren Sinne wird mit Plan eine Soll- oder Zielstruktur assoziiert. (HMD 284)

C

CIO
Der Begriff des Chief Information Officer (CIO) wird je nach Verantwortungsbereich und Aufgabengebiet unterschiedlich definiert. Zu den Hauptaufgaben des CIO gehören die Ausrichtung der IT auf die Unternehmensstrategie, Aufbau und Betrieb geeigneter System- und Kommunikationsarchitekturen sowie die Weiterentwicklung der Informationssysteme. In vielen Unternehmen ist der CIO direkt dem Chief Executive Officer (CEO) unterstellt, in einigen wenigen ist er Mitglied der Geschäftsleitung. (HMD 284)

E

Enterprise Architecture Management (EAM)
Enterprise Architecture Management (EAM) ist das Management von Unternehmensarchitekturen. Darunter versteht man alle Prozesse, die für die Entwicklung, die Umsetzung bzw. Implementierung, die Überwachung und die Fortschreibung von Unternehmensarchitekturen benötigt werden. (HMD 284)

I

IT-Agilität
IT-Agilität ist "... die Fähigkeit der Informationsverarbeitung, in einer Organisation auf wechselnde Kapazitätsansprüche sowie veränderte funktionale Anforderungen sehr schnell (möglichst in Echtzeit) zu reagieren und zukünftige IT-gestützte Innovationen im fachlichen Geschäft aktiv aufspüren und unterstützen zu können. Kapazitive Agilität beschreibt die Fähigkeit der IT, auf schwankende mengenmäßige Anforderungen schnell antworten zu können (Skalierbarkeit, Performanz). Die funktionale Agilität kann ihrerseits weiter differenziert werden. Ist die Art der Änderungen vorhersehbar, kann man von reaktiver Agilität sprechen. Jedoch zeichnet sich eine agile IT auch dadurch aus, unvorhergesehene Änderungen und IT-Innovationen unterstützen bzw. aufspüren zu können und somit eine aktive Rolle für das fachliche Geschäft zu spielen (proaktive Agilität)" (vgl. Nissen, V.; Mladin, A.: Messung und Management von IT-Agilität. HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik 46 (2009), 269, S. 42-51). (HMD 284)
IT-Architektur
Unter IT-Architektur versteht man die strukturierende Abstraktion existierender und geplanter IT-Systeme eines Unternehmens. Es handelt sich um eine Gesamtsicht, die in engem Zusammenhang zur Geschäftsarchitektur eines Unternehmens steht und in ihrer Gestaltung maßgeblich von der IT-Strategie beeinflusst wird. Üblicherweise wird die IT-Architektur aufgrund ihrer Komplexität in verschiedene Ebenen unterteilt, z.B. Anwendungssysteme und Infrastruktur, oder aus verschiedenen Sichten betrachtet. Die IT-Architektur kann als Teil der Unternehmensarchitektur verstanden werden. (HMD 284)
IT-Governance
Unter Governance werden Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen zusammengefasst, die zur Unterstützung und Durchsetzung der Unternehmensziele und -strategien beitragen sollen. Als integraler Teil der Unternehmensführung und abgeleitet aus der Corporate Governance strebt IT-Governance nach einer Ausrichtung der IT auf die Geschäftstätigkeit (IT-(Business-)Alignment), einem verantwortungsvollen Umgang mit IT-Ressourcen und den damit verbundenen Risiken sowie dem Erkennen und Nutzen von IT-inhärenten Wettbewerbsvorteilen. Sofern IT direkt betroffen ist oder auch nur mittelbar dazu beiträgt, gehört auch die Sicherstellung von Compliance in den Bereich der IT-Governance. IT-Governance ist also das Regelwerk, das das Zusammenspiel von IT-Demand und IT-Supply in einer Organisation regelt. Sie legt fest, wer welche IT-Leistungen anbieten und erstellen darf und wer welche IT-Leistungen nachfragen und abnehmen darf. Mit CobiT (Control Objectives for Information and Related Technology) liegt ein bekanntes Referenzmodell vor, das die Umsetzung von IT-Governance in Organisationen unterstützen soll. Verantwortlich für die Umsetzung der IT-Governance ist der CIO. (HMD 284)

S

Stakeholder-Management
Stakeholder-Management beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, die sich mit Identifikation, Analyse und Behandlung von Stakeholdern (Anspruchsgruppen) befassen. Stakeholder der IT sind alle, die direkt oder indirekt durch die IT in ihren Arbeitsabläufen beeinflusst werden und aus diesem Grund Anforderungen an die IT stellen. Es gibt sowohl interne als auch externe Stakeholder. Ein gutes Stakeholder-Management muss für jeden Stakeholder die richtige Strategie im Umgang entwickeln und anwenden. Zur Komplexitätsreduktion gruppiert das Stakeholder-Management ähnliche Stakeholder in möglichst homogenen Gruppen. (HMD 284)
Strategisches IT-Management
Das strategische IT-Management beschäftigt sich mit allen Aspekten der Informationstechnik sowohl als (Unternehmens-)Ressource als auch im Rahmen ihrer Beherrschung durch Steuerungs- und Verwaltungsprozesse. Dabei stehen der langfristige Charakter von Entscheidungen und Maßnahmen bzw. bedeutsame Auswirkungen der IT auf zentrale Bereiche und Prozesse des Unternehmens und die mit ihm verbundenen Partner im Vordergrund. Ziel des strategischen IT-Managements ist es grundsätzlich, durch geeignete langfristige Gestaltung der IT sowohl die strategischen als auch die operativen Fähigkeiten des Unternehmens bei der Bereitstellung und Entwicklung von bestehenden oder neuen Produkten und Dienstleistungen im Sinne größtmöglicher Zufriedenheit der (internen wie externen) Kunden und höchstmöglicher Produktivität nachhaltig zu verbessern und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Damit ist strategisches IT-Management eine zentrale Managementaufgabe, die den Geschäftserfolg direkt beeinflusst. Es steigert den Wertbeitrag der IT zum Unternehmenserfolg und soll im Idealfall die mit der IT verbundenen Risiken minimieren. Typische Kernbereiche des strategischen IT-Managements sind die Ausrichtung der IT an den Notwendigkeiten der Geschäftsprozesse und damit letztlich den Bedürfnissen der (internen wie externen) Kunden, die aktive Unterstützung der Fachbereiche durch Einsatz innovativer Technologien, die Entwicklung von IT-Strategien und deren Controlling und laufende Steuerung. Alle Bereiche stehen dabei in Wechselbeziehungen zueinander. (HMD 284)

U

Unternehmensarchitektur (UA, Enterprise Architecture, EA)
Eine UA beschreibt die grundlegende Struktur eines Unternehmens bzw. seines Informationssystems (soziotechnisches System, das Informationen verarbeitet). Da Unternehmensarchitekturen sehr umfangreich und komplex sein können, unterschiedlichen Zielen dienen und von unterschiedlichen Nutzern verwendet werden, ist es sinnvoll, verschiedene Ebenen einer UA oder verschiedene Sichten auf diese zu bilden. Aufeinander abgestimmte Systeme zur Bildung von Teilarchitekturen werden in Architekturframeworks definiert. In einer sehr groben Differenzierung besteht eine UA z.B. aus den Teilarchitekturen Geschäftsarchitektur und IT-Architektur. (HMD 284)
Unternehmensarchitekturmanagement
siehe EAM (HMD 284)

W

Wertbeitrag der IT
Abgeleitet aus der angloamerikanischen Forschungstradition zum "Business Value of IT" wird in der deutschsprachigen Literatur heute auch vom Wertbeitrag der IT gesprochen (früher eher Nutzen der IT). Darunter ist der Beitrag der IT zur Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu verstehen. Es ist bis heute umstritten, was genau der "Wertbeitrag" darstellt und wie er definiert werden muss. In der Literatur finden sich daher verschiedene Ansätze zur Klassifizierung des Wertbeitrags. Es lassen sich mehrere Aspekte identifizieren, die den Wertbeitrag charakterisieren könnten:
  • Strategische Vorteile (Wettbewerbsvorteil, Kostenvorteil, strategische Übereinstimmung, Kundenbindung und -zufriedenheit)
  • Informationsorientierter Nutzen (Zugang zu Information, Qualität/Wert der Information, Flexibilität der Information)
  • Transaktionsorientierter Nutzen (Effizienz der Kommunikation, der Systementwicklung und der Geschäftsabläufe)
(Modifiziert nach Mirani, R.; Lederer, A. L.: An Instrument for Assessing the Organizational Benefits of IS Projects. In: Decision Sciences, 29. Jg., 1998, Nr. 4, S. 803-829.) (HMD 284)
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