Notizen

zum Schwerpunktthema Open Source - Konzepte, Risiken, Trends

Diese Notizen erschienen im Februar 2012 in HMD 283.
Open-Source-Software für KMU

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung gibt einen Überblick über OS-ERP-Systeme für den Einsatz in produzierenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Darin werden 14 Systeme vorgestellt. Diese Vorstellung wie auch der Systemvergleich sind allerdings recht knapp ausgefallen und scheinen lediglich auf der Analyse der jeweiligen Anbieter-Websites zu beruhen. Die Studie ist frei verfügbar.

Beachtenswert ist auch der bereits in 4. Auflage erschienene KMU-Leitfaden "The SME guide to Open Source Software". Neben dem eigentlichen Leitfaden umfasst das Dokument auch einen Softwarekatalog über OSS entlang einer breiten Palette an Kategorien.

OSS-Forges

Forge bezeichnet eine Kollaborationsplattform für Softwareentwicklungsprojekte, die eine Reihe von projektunterstützenden Tools anbietet und in der Regel eine Vielzahl von Projekten beherbergt. SourceForge ist sicherlich das mit Abstand größte und bekannteste Beispiel im OSS-Umfeld. Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Plattformen, z.B. Savannah und JavaForge. In Deutschland ist die ursprünglich von Fraunhofer FOKUS betriebene Site BerliOS (kurz für Berlin Open Source) zu nennen, die sich selbst als Open-Source-Mediator bezeichnet. Die Zukunft von BerliOS ist allerdings derzeit ungewiss. Ein gemeinnütziger Verein, der die Plattform weiter betreiben will, befindet sich in Gründung.

Die Europäische Kommission betreibt eine interessante Plattform unter der Bezeichnung Joinup zur Registrierung und Bereitstellung von OSS und Metadaten für die öffentliche Verwaltung. Joinup ist entstanden durch Migration von Osor.eu, ein OSS-Forge, und Semic.eu, eine Plattform für die Unterstützung des elektronischen Austauschs von Verwaltungsdaten über administrative, technische und linguistische Grenzen hinweg.Wer eine geeignete Plattform für ein OSS-Projekt sucht, dem hilft im ersten Schritt ein Vergleich der gängigen Plattformen in Wikipedia weiter. Wer allerdings OS-Code sucht oder Informationen zu bestimmten OSS-Projekten benötigt, muss nicht alle diese Plattformen durchsuchen: Eine auf OS-Code spezialisierte Suchmaschine ist Koders, ein Forge-unabhängiges OSS-Directory ist ohloh.

Unterstützung der Open-Source-Software- und Dienstleistungsindustrie

Es gibt eine Reihe von Netzwerken oder Communitys, die sich der Verbreitung und Förderung von OSS verpflichtet haben. Die vornehmlich in Deutschland aktive Open Source Business Foundation e.V. (OSBF, www.osbf.de) ist ein im Mai 2006 in Nürnberg gegründetes Open-Source-Netzwerk mit europaweiter Ausrichtung, bei dessen Aktivitäten der geschäftliche Nutzen von OSS im Vordergrund steht. Auf internationaler Ebene ist die Open Solutions Alliance, die sich 2010 mit dem OW2-Konsortium, einer Community mit Fokus auf OS-Infrastruktursoftware, zusammengeschlossen hat, als Beispiel zu nennen.

Rechtsfragen rund um Open-Source-Software

Wer sich in die Grundlagen von OSS-Lizenzen einlesen möchte, findet einen guten Einstieg über den BITKOM-Leitfaden "Open Source Software - Rechtliche Grundlagen und Hinweise", der unter abgerufen werden kann. Obwohl schon aus 2006 stammend, sind die darin enthaltenen Grundlagen nach wie vor zutreffend und gut verständlich aufbereitet.

Sehr interessant ist auch die Website des Software Freedom Law Center (SLC), das gemeinnützigen OSS- Projekten und -Organisationen juristische Dienste anbietet. Für den Einstieg eignet sich dort ein Dokument zu OSS-Rechtsgrundlagen: "A Legal Issues Primer for Open Source and Free Software Projects". Man beachte allerdings, dass es sich um eine Betrachtung aus US- amerikanischer Perspektive handelt.

Open Source Census

Gemeint ist damit keine Volkszählung, aber so etwas Ähnliches, nämlich ein Zählung der Verbreitung (im Sinne tatsächlicher Nutzung) von OSS. Die Zählung basiert auf einer Registrierung von Anwenderfirmen (auch anonym möglich), die ihre Systeme mit einem Open-Source-Code-Scanner durchsuchen lassen und die Analyseergebnisse zur Verfügung stellen. Eingesetzt wird das Open-Source-Tool OSS Discovery der Firma OpenLogic, die auch Hauptsponsor der Site ist. Allgemeine Auswertungen sind öffentlich zugänglich. Eine Art Benchmarking in Sinne eines Vergleichs der eigenen OSS-Nutzung gegenüber der von anderen Unternehmen steht den partizipierenden Firmen zur Verfügung.

Empirische Open-Source-Forschung

In 2010 ist im Journal of the Association for Information Systems (JAIS) ein Schwerpunktheft zu empirischer Forschung über Free/Libre Open Source Software erschienen. Im 80-seitigen Einstiegsbeitrag leiten Altay Aksulu und Michael R. Wade aus der Analyse von 618 wissenschaftlichen Beiträgen eine Taxonomie für Open-Source-Forschung ab, die auch der Klassifikation der analysierten Beiträge dient. Wer sich über die bisherige empirische OS-Forschung einen Überblick verschaffen möchte, dem bietet dieser Beitrag sicherlich eine gute Einstiegshilfe.

Open-Data-Bewegung

Unter den zahlreichen "Open-Bewegungen" haben in jüngster Zeit die Open-Data-Aktivitäten stark zugenommen. Der Open Data Showroom vermittelt eine gute Übersicht über Open-Data-Projekte. Aus Deutschland ist insbesondere das Berliner Open-Data-Portal zu nennen, das im September 2011 mit 18 Datenbeständen online gegangen ist. Wer Diskussionen rund um dieses Portal verfolgen möchte, besucht am besten das zugehörige Blog.

Für Open-Data-Interessierte ist auch die Open Data Foundation erwähnenswert. Es handelt sich um eine Non-Profit-Organisation, die sich im Bereich globaler Metadatenstandards engagiert und die Verbreitung offener Daten und Metadaten unterstützen möchte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Förderung von OSS für die Auswertung insbesondere statistischer Daten.

Susanne Strahringer Susanne.Strahringer@tu-dresden.de

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