HMD-Buchbesprechung |
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Daumenkultur Das Mobiltelefon in der Gesellschaft |
Peter Glotz, Stefan Bertschi, Chris Locke (Hrsg.) |
Die Übersicht in Kurzform: Das Buch ist empfehlenswert für all
diejenigen, die sich mit dem Thema "Mobiltelefon" in einer
umfassenden und interdisziplinären Form auseinandersetzen wollen -
und bietet interessante Einblicke in verschiedenste Projekte und
Untersuchungen von renommierten Forschern auf diesem Gebiet.
Dieses Buch, das dem Mitherausgeber und mittlerweile verstorbenen
Peter Glotz gewidmet ist, bietet ein breites Panoptikum über die
laut Umschlagstext "weitreichenden sozialen Auswirkungen mobiler
Kommunikation in verschiedenen Lebensbereichen", die jeder von uns
alltäglich spüren kann. Der vorliegende Band ist das Ergebnis eines
von T-Mobile finanzierten Forschungsprojektes der Universität St.
Gallen und fasziniert in insgesamt 4 Kapitelbereichen angesichts der
Internationalität der Beiträge, der unterschiedlichsten kulturellen
Bezugspunkte und auch der unterschiedlichsten Disziplinen der
Autoren, die dem Gesamtphänomen "Mobiltelefon" bzw. "Mobiltelefonie"
auf den Grund gehen. Einem Phänomen, das neben dem Internet selbst
wohl als die einschneidendste Veränderungsgröße unseres täglichen
Miteinanders und der Kommunikation betrachtet werden kann. Und das
alles geschieht in einer gut lesbaren und dennoch gleichzeitig
fundierten Form.
Im ersten Teil "Kulturelle Identitäten" werden unterschiedlichste
Muster der geschäftlichen und privaten Nutzung des Mobiltelefons in
afrikanischen, australischen und asiatischen Ländern dargestellt.
Mobilkommunikation als Element des sozialen Wandels und des
Potenzials neuer Geschäftschancen; Personalisierung und individuelle
Nutzung von Handykommunikation als Teil der individuellen
Identitätsbildung, aber auch des Managements individueller
Kommunikationskontakte in einer hochgradig von Konventionen
geprägten sozialen Umwelt.
Im zweiten Teil "Mobile Persönlichkeiten" geht es um mehr
detailliertere Beiträge dazu, wie das Mobiltelefon auf emotionale
Verbindungen, auf die Abgrenzung von Privat- und öffentlicher Sphäre
bzw. die unfreiwillige Teilnahme Unterbeteiligter an
Telefongesprächen wirkt. Ein sehr interessanter Beitrag setzt sich
auch mit dem Trend auseinander, Handys als persönlichen Fetisch zu
instrumentalisieren. Dieser Teil hat auch eine eigene
Zusammenfassung.
Der dritte Teil "Aus der Sicht der Telefonbranche" befasst sich
eingangs mit der Frage der funktionalen Ausstattung der Handys in
der Zukunft und der tatsächlichen Nachfrage hierfür. Ein Beitrag
(Nicola Döring) beschäftigt sich auch mit der technischen
Möglichkeit, so genannte Moblogs, mobile Internet-Tagebücher, unter
Nutzung der Fotofunktion anzulegen. Dieser Beitrag mit starkem Bezug
zur vorliegenden HMD-Ausgabe und seiner Thematik zeigt sehr
eindrücklich die Trends der "Veröffentlichung" individuellen Lebens
und der Reaktionen hierauf. Zum Schluss dieses Teiles finden sich
zwei konträre Ausarbeitungen zur prognostizierten Weiterentwicklung
des Mobilfunkmarktes.
Das Buch schließt mit der Zusammenfassung der Erkenntnisse der
internationalen Expertenbefragung. Eine Übersicht über die
Teilnehmer des abschließenden Workshops und eine ausführliche
Beschreibung der einzelnen Autoren runden das Kompendium ab.
Ein spannendes Buch mit vielfältigsten Facetten, das
wissenschaftlich fundiert und gut geschrieben ist, für alle, die
sich mit dem Einsatz und den Wirkungen von Telekommunikation in
Unternehmen wie Gesellschaft auseinandersetzen.
2. Aufl., transcript Verlag, Bielefeld, 2006
ISBN 3-89942-473-5, 348 S., broschiert, EUR 28,80
(Englische Ausgabe erschien 2005 unter dem Titel:
Thumb Culture: The Meaning of Mobile Phones for Society, transcript Verlag)
Dr. Josephine Hofmann
Competence Center Business Performance
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation
Nobelstr. 12
70569 Stuttgart
E-Mail: josephine.hofmann@iao.fraunhofer.de
WWW: www.businessmanagement.iao.fhg.de, HMD 252
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